Mit feinem Gespür für Mimik und Situationskomik begeistert Clown André Broger das Publikum beim Weihnachtscircus auf dem Karlsruher Messplatz erstmals live.
Mit ausdrucksstarker Mimik und feinem Witz sorgt Clown André für leuchtende Augen im Publikum.
Foto: Jörg Donecker
Geht es um einen Zirkusclown, muss man sich vor Klischees hüten. Weder ist der Mann mit der riesigen, knallroten Nase – auch das ist ein Klischee – abseits der Bühne routinemäßig todtraurig, noch muss man ihn privat nur einladen und die Party wird ein Kracher, bei der kein anderer mehr zu Wort kommt.
Mit all diesen Klischees räumt André Broger, der derzeit im Weihnachtscircus als Clown André kleine und große Besucher begeistert, im Gespräch mit dieser Redaktion auf. Zunächst die Fakten: André Broger ist gebürtiger Schweizer, stammt aus der Zürcher Ecke und sollte eigentlich Schriftsetzer werden.
Doch wurde schnell klar, dass er einen anderen Lebensweg einschlagen würde. Bei einem Besuch im Winterquartier des Zirkus Knie in Rapperswil im Jahr 1978 hat ihn das Zirkusfieber angesteckt, und der Wunsch, dazuzugehören, hat ihn nicht mehr losgelassen. Da war er gerade mal zwölf Jahre alt. Die Clowns hatten es dem aus einer bürgerlichen Familie stammenden André besonders angetan.
Clown Broger arbeitet sich autodidaktisch ins Metier ein
Er verschlang alles, was er über Zirkus und Clowns lernen und lesen konnte. Trotz Tipps aus der Clownsszene arbeitete er sich eigentlich als Autodidakt in das schwere Metier derer ein, die andere alltäglich berufsmäßig zum Lachen bringen. Und hier wird Broger gleich deutlich: „Donald Trump wird ja übrigens oft als ein Clown bezeichnet. Da widerspreche ich ganz vehement. Ein Clown macht andere Menschen nämlich glücklich.“
Und das tut André Broger Mittag für Mittag, Abend für Abend anlässlich des beliebten Weihnachtscircus, der zum 16. Mal auf dem Messplatz für ein volles Zelt sorgt und noch bis zum 6. Januar andauern wird. Wie schafft der Mann das? Indem er Mimik und Gestik, stets wandelnd, als Stilmittel ausreizt, indem er mit jedem Sketch einen Charakter schafft und eine kleine Illusion kreiert.
Er fängt eine imaginäre Fliege, sodass man sie summen hört. Er kämpft mit einem Haifisch in der Badewanne, und er sucht immer wieder die Nähe des Publikums, das er in seinen Bann zieht – mit Gesangseinlagen, mit Humor, mit Witz und überraschenden Haken, die er vor aller Augen schlägt.
André Broger begeistert erstmals im Karlsruher Weihnachtscircus
André Broger hat sich in den vielen Jahren, in denen er auf den Brettern der Zirkusse in Deutschland, der Schweiz und vielen anderen Ländern steht, ein großes Repertoire erarbeitet, das er vielseitig einsetzen kann. In Karlsruhe, beim Weihnachtscircus, ist der sympathische Künstler zum ersten Mal engagiert, und es sieht so aus, als hätten ihn die Besucher aus der Stadt und der Region ins Herz geschlossen.
Kommt er nächstes Jahr wieder? Wohl erst einmal nicht, denn die Familie Sperlich, die den Weihnachtscircus betreibt, bietet alljährlich ein neues Programm, aber aus den Augen wird man sich nicht verlieren. Ganz einfach ist das Leben eines Profi-Clowns nicht – und erst recht nicht, wenn er in die Jahre kommt.
Es ist aber nicht das Leben im Wohnwagen oder die Disziplin des alltäglichen Auftretens – es ist die preisgünstigere Konkurrenz aus dem Ausland und die wachsende Zahl der arbeitssuchenden Absolventen von Clownschulen, die den Künstlern zu schaffen macht. Hinzu kommt, dass die Zahl der Zirkusunternehmen auch in der einst reich damit gesegneten Schweiz abnimmt.
Clown André Broger tritt sogar in Asien auf
„Geht mit euren Kindern in den Zirkus, zeigt ihnen lebendige Unterhaltung“, rät Broger eindringlich. Durch die schnelle Klickmentalität im Internet ist es schwerer geworden, die Kinder längere Zeit zu fesseln. Broger legt stets Wert auf Qualität bei seinen Späßen.
„Ich mache niemals Witze auf Kosten des Publikums“, sagt er ernst. „Die Menschen sollen sich mit mir wohlfühlen.“ André Broger liebt seine Mission. „Clown ist mein Traumberuf und ich bin dankbar für die vielen Reisen, die ich machen durfte.“ So ist der privat eher stille Künstler bereits in Malaysia und Singapur als Clown aufgetreten.
Zum 60. Geburtstag reist Broger nach Australien
England wäre ein Land, in dem er gerne einmal gastieren würde. Aber bis das in trockenen Tüchern ist, erfüllt Broger sich erst einmal zu seinem 60. Geburtstag einen höchst privaten Wunsch: eine Reise nach Australien.
Das gönnt er sich, obwohl die finanzielle Situation für Zirkuskünstler nicht rosig ist. Sein Wunsch an die Direktoren deshalb: „Engagiert doch auch ältere Clowns.“ Die haben nämlich viel erlebt und bringen neben Humor auch Lebenserfahrung und Weisheit in die Manege.