Kaum hat Sören Gonther (39) seinen neuen Job als Sport-Geschäftsführer bei Dynamo Dresden angetreten, musste er sich zunächst mit der Trainer-Frage auseinandersetzen.
Sowohl unter den Fans als auch unter den Fernsehkollegen des bisherigen Sky-Zweitligaexperten war die Stimmung nach der Katastrophen-Hinrunde gekippt. Längst nicht mehr alle halten Aufstiegscoach Thomas Stamm (42) noch für den unbestritten richtigen Mann an der Seitenlinie.
Gonther allerdings redete gleich Klartext: „Ihn mehr stärken als ich es tue, kann man gar nicht. Ich komme hier nicht hin und mache Tabula rasa.“

Die Arbeit von Dynamo-Trainer Thomas Stamm wurde nach dem letzten Tabellenplatz auch außerhalb Dresdens kritisch beäugt.
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Die Begründung des neuen Dynamo-Bosses: „Man darf nicht verkennen, was er im ersten Jahr geleistet hat und wie er auf den Nachwuchs gesetzt hat, was zuvor länger zu kurz gekommen ist. Das ist sein Verdienst, dass solche Talente wie Friedrich Müller oben zum Zug kamen. Deshalb hat sich die Frage für mich nicht gestellt.“
Seine Analyse nimmt vor allem den Kader ins Visier. „Wenn man weiß, woran es in der Hinrunde lag und was nicht gut war. Dann haben wir daraus abgeleitet dementsprechend jetzt die individuelle Qualität erhöht – gerade auf den Positionen, die uns einfach gesamt besser machen.“
Wie Stamm mit Gonther die Wende packen kann
Zusätzlich will Gonther jetzt Stück für Stück alles unter die Lupe nehmen, wofür an den Feiertagen – zumal bisher am Telefon – weder Gelegenheit noch Zeit war.
„Ich werde im Trainingslager gut reinhören. Diese Softskills drumherum will ich mir anschauen. Dann werde ich auch meine Ideen einbringen“, meint der Ex-Profi, der als Kapitän schon damals in seinen Mannschaften voranging.
Als mögliche Option will er zum Beispiel Teambuilding-Maßnahmen prüfen. Weiter sagt Gonther zu Stamm: „Wir werden uns die nächste Zeit noch besser kennenlernen werden. Dass ich noch näher an seine Arbeit auf dem Platz rangehen werde, ist auch klar.“
Trotz allem wirkte es zum Ende der Hinserie so, als hätte sich der Chefcoach (teils auch taktisch) verrannt. Entscheidend dürfte werden, dass Stamm sich nun offen für neue Impulse von Gonther zeigt. Die generellen Fähigkeiten des Schweizers stehen dabei nicht zur Disposition. Eher geht es darum, dass der Trainer bereit bleibt, sich selbst mit dem Team weiterzuentwickeln.
Fakt: Auch sein langer und ligaunabhängiger Vertrag bis 2028 hat Stamm bei Dynamo Dresden geschützt. Mit der Rückendeckung des neuen Sport-Geschäftsführers und unter der Voraussetzung, Tipps anzunehmen, ist ein erneuter Trainer-Wechsel aber möglicherweise zu umgehen. Darauf setzt Gonther – und zwar eindeutig in der Wortwahl…