Frankfurt (Hessen) – Fragen zur Transparenz bringen die Europäische Zentralbank unter Druck. Im Mittelpunkt stehen EZB-Präsidentin Christine Lagarde (70) und ihr Gehalt. Denn: Wie die „Financial Times“ (FT) berichtet, liegt die Bezahlung von Europas wichtigster Notenbankerin deutlich höher als offiziell angegeben.

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Demnach verdiente Lagarde im Jahr 2024 insgesamt rund 726.000 Euro. Das sind etwa 56 Prozent mehr als das im Jahresbericht der EZB ausgewiesene „Grundgehalt“ von 466.000 Euro. Laut FT ergibt sich die Differenz aus zusätzlichen Zahlungen, die über das Grundgehalt hinausgehen.

Damit verdient Lagarde fast viermal so viel wie der Vorsitzende der US-Zentralbank Federal Reserve. Der wichtigste Notenbanker der Welt, FED-Chef Jerome Powell (72), verdient derzeit 203.000 US-Dollar (rund 172.720 Euro). Heißt: Der Bericht wirft heikle Fragen zur Transparenz der Vergütung an der Spitze der Europäischen Zentralbank auf.

EZB-Präsidentin mit höchstem Gehalt in der EU

Lagardes Grundgehalt allein macht sie bereits zur bestbezahlten Amtsträgerin der EU. Das jährliche Grundgehalt von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (67) liegt 21 Prozent darunter.

Zusätzlich zu ihrem Grundgehalt erhält Lagarde laut der FT-Analyse geldwerte Vorteile in Höhe von schätzungsweise 135.000 Euro – etwa für Wohnkosten und andere Leistungen. Darüber hinaus verdient Lagarde schätzungsweise 125.000 Euro für ihre Tätigkeit als eines von 18 Mitgliedern des Verwaltungsrats der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), die häufig als „Bank der Zentralbanken“ bezeichnet wird.

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Beiträge der EZB zu Lagardes Pension sowie Kosten für Krankenversicherung und sonstige Versicherungen konnte die FT laut Bericht aufgrund fehlender Daten nicht in ihre Berechnungen einbeziehen. Die Zeitung legte der EZB laut eigenen Angaben sowohl die Methodik als auch die Annahmen und Ergebnisse ihrer Berechnungen offen. Reaktion der Bank: kein Kommentar.

EZB lässt Berechnungen unkommentiert

Vonseiten der EZB hieß es lediglich, dass das Gehalt der Präsidentin vom Vergütungsausschuss und dem EZB-Rat „bei der Gründung der EZB im Jahr 1998“ festgelegt worden sei. „Die einzige Änderung seitdem bestand in den jährlichen Gehaltsanpassungen, die für alle EZB-Mitarbeitenden gelten“, hieß es weiter. Zudem erklärte die Bank, ihre Offenlegungspraxis entspreche der vieler anderer internationaler öffentlicher Institutionen, und man habe „das Maß an Transparenz im Laufe der Zeit erhöht“. Die BIZ lehnte laut FT eine Stellungnahme ab.

Aufgrund zusätzlicher einmaliger Zahlungen sowie möglicher Übergangszahlungen in den zwei Jahren nach dem Ende ihrer Amtszeit – abhängig von ihrer nächsten beruflichen Rolle – kann Lagarde für ihre acht Jahre als EZB-Präsidentin mit einer Gesamtvergütung von bis zu 6,5 Millionen Euro rechnen. Dies würde einer Jahressumme von etwa 810.000 Euro entsprechen.

Und: Ab dem Jahr 2030 kann Lagarde laut FT-Analyse zudem mit einer jährlichen Pension in Höhe von rund 178.000 Euro rechnen.