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Die Verträge sind unterzeichnet (v.li.): Thorsten Kahlert (CEO Hoerbiger), Markus Spanner(CEO PI), Karl Spanner (Gründer PI) und Martin Komischke, Präsident des Verwaltungsrates von Hoerbiger. © Hoerbiger
Hoerbiger übernimmt das Unternehmen „Physik Instrumente“ aus Karlsruhe mit 1900 Mitarbeitern. Die IG Metall will nun einen einheitlichen Tarifvertrag durchsetzen.
Schongau – „Physik Instrumente“ (PI), ein führendes Familienunternehmen im Bereich hochpräziser Bewegungs- und Positionierungstechnologien, hat eine Vereinbarung zur Übernahme durch Hoerbiger unterzeichnet. Für PI sei der Eintritt in den Hoerbiger-Konzern ein bedeutsamer Schritt zur Realisierung der eigenen unternehmerischen Ambitionen bezüglich Innovation und nachhaltigem Wachstum, heißt es in einer gemeinsamen Presseerklärung.
IG Metall-Bevollmächtigter Karl Musiol (vorne rechts) informierte die Beschäftigten von „Physik Instrumente“ schon vorab über den Tarifvertrag bei Hoerbiger. © IG Metall Oberland
Das im Jahr 1970 gegründete Unternehmen sei weltweit für seine piezoelektrische Antriebe, Linearaktuatoren, Rotationstische sowie Mehrachsensysteme bekannt. PI verfüge über neun Produktionsstätten in Europa, Nordamerika und Asien sowie 16 Vertriebs- und Serviceniederlassungen.
„Die Übernahme von PI markiert einen bedeutenden Meilenstein in der über 130-jährigen Geschichte von Hoerbiger“, so Konzernsprecher Tobias Steger. Mit PI stärke Hoerbiger seine Position an der technologischen Spitze langfristig wachsender Märkte wie Halbleiter, Raumfahrt- und Satellitentechnologie, Automatisierung und Robotik sowie „Life Sciences“. Zugleich erweitere PI die Mechatronik-Kompetenz von Hoerbiger durch die enge Verzahnung von Mechanik, Elektronik, Sensorik und Software.
Thorsten Kahlert, CEO und Vorsitzender der Hoerbiger-Konzernleitung, betont in einer Mitteilung: „PI und Hoerbiger passen hervorragend zusammen.“ Man sei zuversichtlich, dass der Zusammenschluss beide Unternehmen für die Zukunft noch stärker machen werde. Innerhalb des Hoerbiger-Portfolios werde PI als neue Division „Positioning“ geführt. Damit verfüge der Hoerbiger-Konzern neu über sechs Geschäftsbereiche. Wichtig für den Raum Schongau: „Wir halten am Automotive-Geschäft fest“, heißt es. Auch in diese Sparte solle weiter investiert werden.
Nach der Unterzeichnung der Vereinbarung fehlten noch behördliche Genehmigungen, die im ersten Quartal 2026 erwartet werden. Bis zum Abschluss der Transaktion wollen PI und Hoerbiger getrennt voneinander agieren. Die Vertragspartner haben Stillschweigen über den Kaufpreis vereinbart.
Die IG Metall begleitete den Kauf
„Dieser Kauf ist ein gutes Signal für alle Beschäftigten bei Hoerbiger, vor allem aber für alle Beschäftigten bei ,Physik Instrumente‘, sagt Karl Musiol, erster Bevollmächtigter bei der IG Metall-Oberland. Hoerbiger werde als Automobilzulieferer gesehen. Es sei gut, dass der Konzern sich jetzt auch außerhalb der Automobilindustrie breiter aufstelle.
„Den Beschäftigten in Schongau ist aber eins wichtig: Wir brauchen vor allem Perspektiven in der Automobilsparte. Hier liegen die meisten Arbeitsplätze bei Hoerbiger in der Region“, so Musiol weiter. Was nicht passieren dürfe: Dass Hoerbiger jetzt im Bereich der Piezotechnologie wachse, darüber aber das Automobilgeschäft aus den Augen verliere. „Wir brauchen Perspektive in allen Sparten“, so Musiol.
Der IG Metall-Bevollmächtigte sieht noch einen anderen Aspekt: Der tarifgebundene Hoerbiger-Konzern habe ein Unternehmen ohne Tarifvertrag gekauft. „Es darf aber keine Zweiklassen-Gesellschaft im Konzern geben“, so Musiol. Die IG Metall werde jetzt umgehend in Tarifverhandlungen gehen nach dem Motto „ein Hoerbiger, ein Tarifvertrag. Das ist das Ziel.“ Auch habe Hoerbiger mit dem Kauf der Karlsruher Firma eine Größe allein in Deutschland erreicht, für die nun ein paritätisch besetzter Aufsichtsrat notwendig werde, mit Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretern auf Augenhöhe.
„Die IG Metall hat den Kauf wohlwollend und sehr vorausschauend flankiert“, so Musiol weiter. Schon als die ersten Gerüchte aufgekommen seien, hätten sich die Geschäftsstellen Karlsruhe, Rosenheim und Oberland miteinander vernetzt. Musiol selbst habe bereits Anfang Dezember in einer Mitgliederversammlung von PI den Hoerbiger-Haustarifvertrag vorgestellt. Jetzt könne man direkt loslegen.
Erst kürzlich war bekannt geworden, dass Hoerbiger die Kompressortechnik GmbH verkauft hat. Neuer Eigentümer des Bereichs für Lamellenventile ist „Nimbus“, eine europäische Industrieholding. Für die rund 300 Mitarbeiter, nahezu alle in Schongau, ändere sich aber – erst einmal – nichts.