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Bis zu zwei Meter dickes Eis sind kein Hindernis mehr: Russlands neuer LNG-Eistanker stärkt Moskaus Kontrolle über arktische Handelswege.

Moskau – Über 90 Prozent des Welthandels läuft über die Seewege. Trotz massiver Sanktionen aus dem Westen schafft es Russland immer wieder, die Wirtschaftsbeschränkungen zu umgehen. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die russische Schattenflotte. Doch nun erschließt sich Moskau einen neuen Seeweg ganz offiziell: Russland hat seinen ersten im Inland gefertigten LNG-Tanker der Eisklasse fertiggestellt, wie die staatliche russische Nachrichtenagentur Interfax vergangene Woche berichtete. Damit lasse sich bis zu zwei Meter dickes, arktisches Eis durchbrechen.

Im Bild: Ein LNG-Tanker in Deutschland. Russland stellte nun den ersten im Inland gebauten LNG-Eistanker fertig. Im Bild: Ein LNG-Tanker in Deutschland. Russland stellte nun den ersten im Inland gebauten LNG-Eistanker fertig. © 
IMAGO / Panthermedia

Die Sanktionen infolge von Wladimir Putins Angriffskriegs auf die Ukraine erschweren es Russland, solche Schiffe zu kaufen. Auch der Bau war von den Wirtschaftsbeschränkungen beeinflusst: Die für 2023 geplante Fertigstellung verzögerte sich um rund zwei Jahre. „Heute ist ein historischer Tag für die gesamte russische Schifffahrts- und Schiffbauindustrie – wir stellen den ersten in Russland gebauten Gastanker in Betrieb“, zitiert Interfax Igor Tonkowidow, Vorstandschef des Schiffereikonzerns Sowkomflot. „Noch nie zuvor hat unser Land so komplexe Schiffe gebaut, sowohl in puncto Ingenieurwesen als auch Technologie“, so Tonkowidow weiter.

Die neuen Tanker seien für den ganzjährigen Transport von Flüssigerdgas unter extremen Bedingungen konzipiert – insbesondere für das Energie- und Infrastrukturprojekt Arctic LNG 2, wie die Nachrichtenagentur Reuters vergangenen Mittwoch (24. Dezember) berichtete. Der Tanker wurde von der Werft Zvezda gebaut, zwei weitere Schiffe dieser Art sollen 2026 folgen, hieß es. Insgesamt seien 21 Tanker in Auftrag gegeben worden, 15 davon Eisklasse-Tanker der Arc7-Klasse, hieß es von dem russischen Energieunternehmen Nowatek, das 60 Prozent der Anteile an LNG 2 hält.

Über das Arctic LNG 2 Projekt

Das Projekt Arctic LNG 2 auf der Gydan-Halbinsel in der Arktis sieht den Bau von drei LNG-Verflüssigungsanlagen mit einer Kapazität von jeweils 6,6 Millionen Tonnen pro Jahr vor. Insgesamt beträgt die Kapazität laut staatlichen Angaben also fast 20 Millionen Tonnen. Zum Vergleich: Die USA waren im Jahr 2024 mit 88,42 Millionen Tonnen Flüssigerdgas der weltweit größte LNG-Exporteur. Bis 2030 will Russland seine LNG-Exporte verdreifachen.

Putins neuer Eisbrecher – Nordostpassage als arktische Abkürzung

Der LNG-Tanker der Eisklasse ist für den Einsatz in arktischen Regionen, insbesondere in der Nordostpassage, vorgesehen. Dieser Seeweg im Nordpolarmeer ist rund 6.500 Kilometer lang und verbindet den Atlantik und den Pazifik. Im Grunde ist die Nordostpassage eine Abkürzung: Von Europa nach Ostasien spart der Weg im Vergleich zum Suezkanal etwa 40 Prozent der Stecke. Normalerweise ist die Durchfahrt durch Eis versperrt, auch wenn die Klimaerwärmung zuletzt immer wieder die Wege frei schmelzen ließ, um auch normale Handelsschiffe passieren zu lassen. Mit seinem LNG-Eistanker ist Russland nun aber weitgehend unabhängig von den Bedingungen.

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Der Zeitpunkt könnte nicht besser sein: Zuletzt musste der LNG-Tanker Buran unter russischer Flagge Berichten zufolge umkehren, nachdem er das LNG-Terminal in der Arktis mehrfach nicht erreichen konnte. Grund dafür war die frühe und starke Eisbildung in diesem Jahr, die Russland bei LNG-Lieferungen beeinträchtigte. Die Arktis rückte zuletzt auch geopolitisch deutlicher in den Fokus. Die Weltmächte Russland, China, die USA ringen dort um die Erschließung von Handelsrouten, Bodenschätzen und die Kontrolle von Seewegen. Während die Nordostpassage für den Welthandel eine Nischenroute bleibt, scheint die Durchfahrt für Moskau jetzt gesichert. (Quellen: Interfax, Reuters, Maritime Executive, Novatek, Science Direct, World LNG Report) (bme)