Die Entscheidung über das gemeinsame Luftkampfsystem FCAS, das als grösstes europäisches Rüstungsprojekt in die Geschichte eingehen sollte, ist erneut vertagt worden. Dies berichtet die Welt. Deutschland und Frankreich haben sich laut Bundesregierung bislang nicht auf ein weiteres Vorgehen einigen können – ein neuer Termin für eine Entscheidung sei derzeit nicht absehbar.
«Entgegen der ursprünglichen Planung ist eine abschliessende Entscheidung zum Fortgang des FCAS-Projekts zum Jahresende noch nicht gefallen», erklärte ein Regierungssprecher auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Als Grund nannte er die «umfassende deutsch-französische Agenda in aussen- und sicherheitspolitischen Fragen», die bislang keine Befassung mit dem Projekt auf höchster Ebene erlaubt habe.
FCAS («Future Combat Air System») soll ein digital vernetztes Luftkampfsystem werden, das bemannte Jets mit Drohnenschwärmen kombiniert. Ziel ist es, ab 2040 den Eurofighter und die französische Rafale zu ersetzen. Die Projektkosten werden auf einen dreistelligen Milliardenbetrag geschätzt.
Die ursprüngliche Entscheidung war für den Ministerrat in Toulon Ende August 2025 vorgesehen, wurde dann jedoch auf Ende Jahr verschoben – mit dem erklärten Ziel, endlich Planungssicherheit zu schaffen. «Wir halten an dem Plan fest, bis zum Ende des Jahres eine Entscheidung zu treffen», sagte Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) noch im November. Daraus wurde erneut nichts.
Hintergrund der Verzögerungen sind offenbar tiefe Differenzen über die industrielle Aufteilung des Projekts. Frankreichs Dassault beansprucht 80 Prozent des Anteils, was in Berlin auf Widerstand stösst. Aus deutscher Sicht soll eine gleichberechtigte Beteiligung von Dassault, Airbus Deutschland und Indra (Spanien) gewährleistet bleiben.