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Die Ukraine gilt gemessen am Grad der Kontamination des Landes mit Sprengkörpern als gefährlichster Ort der Welt. Vor allem die Landwirtschaft leidet.
Kiew – Es sind erschreckende Zahlen: Mehr als 30 Prozent der Ukraine sind mit Minen und Blindgängern versehen, über 85.000 Hektar verseuchtes Gebiet sind seit dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs identifiziert worden, 375 Menschen starben in den letzten vier Jahren durch Minenexplosionen. Zusammengefasst: Die Ukraine ist das am stärksten verminte Land der Welt.
Die Ukraine ist das am stärksten verminte Land der Welt. © RetoxKlar/IMAGO
Und das wird auch nach Ende des Ukraine-Kriegs Bevölkerung, Umwelt und Wirtschaft schaden. Denn laut dem nationalen Zentrum für Minenräumung in der Ukraine (UANMAC) ist das Land infolge der russischen Aggression, gemessen am Grad der Kontamination des Territoriums mit Sprengkörpern, heute fast der gefährlichste Ort der Welt.
Folgen des Ukraine-Kriegs: Neben Bevölkerung auch globale Ernährungssicherheit in Gefahr
Laut der Hilfsorganisation Handicap International wurden in der Ukraine im letzten Jahr 293 Minenopfer registriert. Russland wird schon seit Beginn des Krieges im Februar 2022 vorgeworfen, in großem Umfang Antipersonen-Minen einzusetzen. Und weil Millionen Hektar ukrainischer Agrarfläche verseucht sind, ist ein wichtiger Pfeiler der globalen Ernährungssicherheit in Gefahr.
Die Ukraine war vor Russlands Invasion im Februar 2022 ein bedeutender Akteur auf dem globalen Agrarmarkt und stellte etwa zehn Prozent der weltweiten Weizenexporte sowie nahezu die Hälfte des international gehandelten Sonnenblumenöls bereit. Der überwiegende Teil dieser Agrarexporte – über 90 Prozent – wurde nach Afrika und Asien geliefert. Angesichts dieser wichtigen Rolle betont Jewhenij Biriukow, Leiter von UANMAC, gegenüber dem Tagesspiegel, dass die Entminung landwirtschaftlicher Flächen in der Ukraine höchste Priorität haben müsse.
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Fotostrecke ansehenEnorme Herausforderung: Vereinte Nationen koordinieren Entminungsprogramm der Ukraine
Oftmals sind es die Landwirte selbst, die während der Feldarbeit versehentlich Minen oder nicht explodierte Kampfmittel zur Detonation bringen. Manche Bauern versuchen sogar, gefundene Sprengkörper in Eigenregie zu entschärfen. Biriukow mahnt wiederholt, dass in solchen Fällen umgehend die ukrainischen Behörden kontaktiert werden sollten. Nach entsprechenden Meldungen rücken spezialisierte Entminungsteams aus, die das Gelände bereits technisch räumen.
Angesichts dieser enormen Herausforderung koordiniert das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) seit 2016 die internationale Minenräumung in der Ukraine. Das umfassende Fünf-Jahres-Programm wird von 14 Ländern finanziert und hat bereits über 35.000 Quadratkilometer Land zur produktiven Nutzung zurückgegeben. UNDP hat 202 Entminungsteams ausgerüstet und über 2000 Mitarbeiter lokaler Minenräumungsorganisationen ausgebildet.
Überblick: Zahlen und Fakten zu Minen und Blindgängern in der Ukraine
- Etwa 30 Prozent des Gebiets der Ukraine sind mit Minen und Blindgängern verseucht
- Mehr als 139.000 Quadratkilometer Land müssen von Minenräumeinheiten untersucht werden
- Seit Beginn des Ukraine-Kriegs wurden 85.797 Hektar gefährliches Gebiete identifiziert und 375 Menschen starben
- Die Ukraine ist das am stärksten verminte Land der Welt
Trotz Programm der Vereinten Nationen: Laut Experten wird Entminung der Ukraine Jahrzehnte dauern
Trotz dieser Erfolge warnen Experten, dass die vollständige Entminung der Ukraine Jahrzehnte dauern könnte – ein Wettlauf gegen die Zeit für ein Land, das als Kornkammer Europas galt. Weltbank und Vereinte Nationen schätzen die Kosten hierfür auf mindestens 34 Milliarden US-Dollar.
Um die Entminung künftig zu beschleunigen, kostengünstiger zu gestalten und gleichzeitig die Sicherheit der Minenräumer zu erhöhen, fördert die ukrainische Regierung gezielt einheimische Entwicklerteams und Start-up-Unternehmen. Der Fokus liegt dabei auf innovativen Technologien wie selbstständig operierenden Robotersystemen, fortschrittlichen Multisensor-Verfahren und dem Einsatz Künstlicher Intelligenz zur Aufspürung von Sprengkörpern und Kriegsresten berichtet der Tagesspiegel. (Quellen: Eigene Recherche, Tagesspiegel, dpa) (bg)