Unter dem Motto „Let’s dance!” dirigiert der Karlsruher Generalmusikdirektor Georg Fritzsch sein Orchester und liefert immer wieder interessante Details zu den Musikstücken.
Der Karlsruher Generalmusikdirektor Georg Fritzsch (Archivbild) führte höchstpersönlich als Dirigent und Moderator durch den musikalischen Auftakt im Karlsruher Staatstheater.
Foto: Chris Frühe
Wie in jedem Jahr konnte man am Neujahrsmorgen beim Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker in Walzern, Galopps und Polkas schwelgen.
Das Neujahrskonzert der Badischen Staatskapelle stand zwar auch unter dem Motto „Let’s dance!”, doch hier ging es um ganz andere Spielarten des Tanzes.
Schon immer bereicherten Tänze die klassische Musik und die Beispiele aus Oper, Ballett und Konzertsaal reichten von Carl Maria von Webers „Aufforderung zum Tanz“ aus dem Jahr 1819 bis zu Aaron Coplands „Hoedown” von 1942.
Karlsruher Generalmusikdirektor dirigiert selbst
Generalmusikdirektor Georg Fritzsch dirigierte höchstselbst die bestens aufgelegte Badische Staatskapelle und brachte in seiner launigen Moderation viele interessante Details über die präsentierten Werke und über Bildung im Allgemeinen unter. Webers „Aufforderung zum Tanz” ist eigentlich ein Rondo für Klavier, das jedoch recht bald auch für Orchester bearbeitet wurde.
Badische Staatskapelle liefert Opern, Bühnen- und Ballettmusik
Mit am bekanntesten wurde die auch hier zu hörende Orchestrierung durch Hector Berlioz. Von Johannes Brahms’ Ungarischen Tänzen hätte man neben der Nr. 10 auch gerne die beiden anderen von Brahms selbst orchestrierten Tänze Nr. 1 und Nr. 3 gehört.
Amilcare Ponchiellis Ballett-Einlage „Tanz der Stunden” aus der Oper „La Gioconda” kann man heute kaum mehr ohne die Erinnerung an Walt Disneys Animationsfilm „Fantasia” genießen. Zu sehr haben sich die ikonischen Bilder mit tanzenden Nilpferden, Elefanten, Straußen und Alligatoren ins Gedächtnis eingebrannt.
Seit Langem fehlt im Spielplan auch Smetanas Oper „Die verkaufte Braut”. Deren „Tanz der Komödianten” brachte pure böhmische Lebensfreude auf die Bühne und mit dem „Danse finale“ aus Manuel de Fallas Ballett „Der Dreispitz” ging es in die Pause. Dieses war übrigens letztmals von 1982 bis 1987 in einer Choreographie Germinal Casados zu sehen.
Mit der Polonaise aus „Eugen Onegin” hatten die Musiker quasi ein Heimspiel, steht die Oper doch ab Februar wieder auf dem Spielplan. Zu den bekanntesten Werken von Jean Sibelius gehört der melancholische Konzertwalzer Valse triste. Er ist ein bearbeiteter Auszug aus der Bühnenmusik zu Arvid Järnefelts Schauspiel „Kuolema”. Sibelius trat übrigens die Rechte für sehr wenig Geld an einen Verleger ab, der damit ein Vermögen verdiente.
Folk-Elemente erklingen im Karlsruher Staatstheater
Der amerikanische Komponist Aaron Copland wird hierzulande noch immer zu wenig gewürdigt. Besonders seine Ballette „Billy the Kid”, „Appalachian Spring” und „Rodeo” wären eine Entdeckung wert. Aus dem Letzteren gab es den „Hoedown” zu hören, ein fröhlicher Satz mit vielen Folk-Elementen, der zudem von den Mitgliedern der Schlagzeuggruppe tänzerisch untermalt wurde.
Aram Chatschaturjans Säbeltanz dagegen fand in vielfältigster Weise Eingang in die populäre Kunst. Ältere kennen ihn noch aus der Kosaken-Kaffee-Werbung, anderen ist er unvergesslich durch Lilo Pulvers Tanz auf dem Tisch in Billy Wilders Film „Eins, zwei, drei“. Das zugehörige Ballett „Gayaneh” indes kennt außerhalb Russlands kaum noch jemand.
Und schließlich Maurice Ravels „Bolero”: Kaum ein anderes Stück kommt mit so wenig musikalischem Material aus und fasziniert dennoch durch seine absolut unwiderstehliche Sogwirkung. Ein Meisterwerk der Instrumentierung, das nach Aussage des Komponisten selbst „leider keine Musik” enthält. Der weltweiten Begeisterung für das Stück tat dies keinen Abbruch und auch im Staatstheater rief es frenetischen Beifall hervor.
Lob an den Solisten des Neujahrskonzerts
Ein besonderes Lob den hoch konzentrierten Solisten des Orchesters, ganz besonders den sensibel agierenden Perkussionisten. Und: Nein, auch als Zugabe gab es keinen Johann Strauss; Jacques Offenbachs rasanter Höllengalopp aus dem „Orpheus in der Unterwelt“ rundete stattdessen das mitreißende Programm gelungen ab.