In sozialen Medien kursieren Beiträge, wonach Wolodymyr Selenskyj ein luxuriöses Haus in New York City gekauft haben soll. Als Quelle für das Video wird ein angeblicher Bericht der amerikanischen Boulevardzeitung Page Six genannt. Demnach habe der ukrainische Präsident die Immobilie für 29 Millionen Dollar über eine Offshore-Firma erworben. Verkäufer sei der ehemalige US-Fernsehstar Bill Cosby, der von zahlreichen Frauen der sexuellen Nötigung und Vergewaltigung beschuldigt wird. Doch stimmt diese Geschichte?
Bewertung
Die Immobilie wurde zwar kürzlich verkauft, jedoch nicht an Wolodymyr Selenskyj. Das verbreitete Video ist eine Falschmeldung und stammt nicht von Page Six.
Fakten
Das Immobilienportal Realtor meldete, dass Bill Cosby sein New Yorker Stadthaus im November 2025 verkauft hat. Es gibt keine Hinweise darauf, dass der Käufer Wolodymyr Selenskyj oder die Firma Film Heritage Inc. sein könnte.
Das im Video gezeigte Haus liegt in der exklusiven Upper East Side, in der East 71st Street 18. Es wurde von der Immobilienagentur Corcoran Group für 28 Millionen US-Dollar (rund 24 Millionen Euro) angeboten und inzwischen als verkauft markiert.
Laut Dokumenten der Stadt New York, die BBC-Journalisten einsehen konnten, handelt es sich beim Käufer jedoch um ein US-Unternehmen namens Seven Manor Holding LLC – nicht um den ukrainischen Präsidenten.
Gefälschte Page Six-Website
Eine Suche nach dem Ursprung der Falschmeldung – von der BBC als russische Desinformationskampagne eingestuft – führt zu einem Artikel vom 2. Dezember 2025 auf einer Website, die optisch an Page Six erinnert. Ein Blick auf die URL (pagesix.now) zeigt jedoch, dass es sich um eine Fälschung handelt. Die echte Website pagesix.com enthält keinen solchen Artikel und verwendet den Adresszusatz „now“ nicht.
Whois-Daten zeigen zudem, dass die Fake-Seite erst am 27. November 2025 registriert wurde – nur wenige Tage vor Veröffentlichung des irreführenden Artikels. Die authentische Page-Six-Website, ein Promi-Ressort der New York Post, existiert seit 1996.
Das Online-Rechercheprojekt Gnida führt die gefälschte Seite auf den Desinformationsakteur „Storm-1516“ zurück, eine Gruppe, die regelmäßig prorussische Narrative verbreitet.
Gezielte Desinformationskampagne
Die Methode des Website-Spoofings wird seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine systematisch zur Diffamierung Selenskyjs eingesetzt. Immer wieder werden ihm vermeintlich luxuriöse Immobilienkäufe zugeschrieben – meist gestützt von gefälschten Webseiten und erfundenen Nachrichtenberichten. Die dpa hat bereits mehrere Faktenchecks dazu geschrieben (hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier).
Diese unbegründeten Vorwürfe knüpfen an Selenskyjs tatsächliche Nennung in den Pandora Papers 2021 an. Recherchen deckten auf, dass er vor seiner Präsidentschaft Anteile an der Offshore-Firma Film Heritage besaß. Während seines Wahlkampfs 2019 wurden diese Anteile laut den Recherchen auf seine Frau Olena Selenska übertragen.
Der jüngste Korruptionsskandal um einige ukrainische Beamte, der in dem manipulierten Bericht erwähnt wird, hat die Verbreitung der Falschmeldung zusätzlich begünstigt.
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Das Projekt „Augsburg checkt‘s“ erfolgt in gemeinsamer Zusammenarbeit der Stadt Augsburg, den Stadtwerken Augsburg, der Augsburger Allgemeinen und der Deutschen Presseagentur. Stadt und Stadtwerke stellen Gebäude, Liegenschaften sowie Fahrzeuge für die Initiative zur Verfügung. Auf Inhalte haben sie keinen Einfluss. Die Faktenchecks wurden von der Deutschen Presseagentur recherchiert und werden über die Augsburger Allgemeine publiziert.