Die EU-Kommission will Ausfuhren von Aluminiumschrott mit Zöllen oder Quoten begrenzen, um die heimische Industrie zu stärken und Klimaziele zu erreichen.

Die Europäische Union will den Export von Aluminiumschrott eindämmen. Mit geplanten Zöllen oder Quoten will Brüssel strategische Rohstoffe für die eigene Industrie sichern.

Brüssel – Die EU-Kommission bereitet Handelsbeschränkungen für Aluminiumschrott vor. Ein Konsultationsverfahren mit der Industrie läuft bis Ende Januar 2026. Ziel ist ein Gesetzesvorschlag im zweiten Quartal, der Ausfuhrzölle oder -kontingente einführen soll. Dahinter steht ein strategischer Kurswechsel: Aluminium gilt als kritischer Rohstoff, den Europa für seine grüne Industrie dringend benötigt.

Konsultation zu Exportbeschränkungen läuft

Die Generaldirektion Handel der EU-Kommission hat die Industrie offiziell um Stellungnahme gebeten. Bis zum 31. Januar 2026 können sich Produzenten, Recycler und Händler zu den geplanten Maßnahmen äußern. Die Rückmeldungen fließen in einen Gesetzesentwurf ein, der im Frühsommer 2026 vorgelegt werden soll.

Der Schritt markiert eine Wende in der EU-Handelspolitik. Bisher setzte Brüssel auf offene Märkte. Doch der Critical Raw Materials Act stufte Aluminium als strategischen Rohstoff ein. Das gibt der Kommission jetzt das rechtliche Werkzeug an die Hand, um die Ausfuhr zu regulieren. Es geht nicht mehr nur um Handel, sondern um die Versorgungssicherheit für die europäische Industrie.

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US-Zölle und asiatische Nachfrage als Treiber

Warum der plötzliche Handlungsdruck? Die Ursachen liegen in verzerrten globalen Handelsströmen. Die USA erheben auf Primäraluminium einen Importzoll von 50 Prozent, auf Aluminiumschrott dagegen nur 15 Prozent. Diese Kluft hat dramatische Folgen.

Asiatische Abnehmer – vor allem aus Indien und China – weichen seither vermehrt auf europäischen Schrott aus. Die EU-Exporte schnellten in den Jahren 2024 und 2025 auf Rekordniveau: über 1,26 Millionen Tonnen pro Jahr. Das ist ein Plus von 50 Prozent im Vergleich zu vor fünf Jahren.

Für Brüssel ist das ein doppeltes Problem. Die heimischen Recycler verlieren den Wettbewerb um das Material oft an subventionierte ausländische Konkurrenz. Gleichzeitig fehlt der europäischen Industrie der kohlenstoffarme Rohstoff für die eigene Produktion. Etwa 15 Prozent der EU-Recyclingkapazitäten stehen derzeit still – aus Mangel an Schrott.

Industrie gespalten: Produzenten gegen Recycler

Die Pläne spalten die Branche. Der Verband European Aluminium, der Primärhersteller vertritt, befürwortet die Beschränkungen deutlich. Man spricht von einem „Marktversagen“: Europäische Firmen müssten ihren eigenen Abfall von subventionierten Ausländern zurückkaufen. Nur durch eine Bevorratung im Binnenmarkt seien Überleben und Investitionen in grüne Technologien gesichert.

Die European Recycling Industries’ Confederation (EuRIC) hingegen lehnt Exportzölle ab. Die Recycler warnen vor künstlich gedrückten Inlandspreisen. Das untergrabe die Wirtschaftlichkeit der Sammlung und Aufbereitung. Die hohen Exporte seien auch ein Zeichen dafür, dass die EU-Nachfrage nach bestimmten gemischten Schrottqualitäten zu gering sei. Handelsbarrieren könnten den Anreiz für hochwertiges Recycling sogar mindern.

Klimaziele im Fokus

Für die EU-Kommission wiegt das Klimaargument schwer. Die Wiederaufbereitung von Aluminiumschrott verbraucht 95 Prozent weniger Energie als die Neugewinnung aus Bauxit. Ohne eine massive Steigerung der Kreislaufwirtschaft sind die europäischen Klimaneutralitäts-Ziele nicht zu erreichen.

Die Branche hat bereits investiert: Rund 700 bis 800 Millionen Euro flossen laut jüngsten Daten in den Ausbau von Recyclingkapazitäten. Diese modernen Anlagen laufen jedoch Gefahr, unterausgelastet zu bleiben, wenn der Rohstoff weiter ins Ausland fließt. Die geplante Verordnung soll daher Handelspolitik und European Green Deal in Einklang bringen. Die Energieersparnis des europäischen Abfalls soll der europäischen Industrie zugutekommen – und nicht Wettbewerbern mit höherem CO₂-Fußabdruck.

Ausblick: Striktere Kontrollen ab Mitte 2026

Nach Ende der Konsultationsphase analysiert die Kommission die wirtschaftlichen Auswirkungen. Der Entwurf für eine Verordnung wird für das zweite Quartal 2026 erwartet. Handelsexperten rechnen mit einem gestaffelten System: Die Höhe von Abgaben oder die Genehmigung von Exporten könnte von der Schrottqualität und den Umweltstandards des Ziellandes abhängen.

Unternehmen im Metallschrotthandel sollten sich auf schärfere administrative Kontrollen und mögliche Kostenanpassungen in der zweiten Jahreshälfte einstellen. Die EU setzt mit dem Schritt ein klares Signal: Im globalen Wettrennen um kritische Rohstoffe wird strategische Autonomie immer öfter mit handelspolitischen Werkzeugen durchgesetzt.

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