Januar: Jörg Schmadtke muss sich erst an die 2. Liga gewöhnen. Auf dem Flugticket in die Türkei, das ihm sein Vorgänger Marcus Mann bei der Geschäftsübergabe in die Brusttasche gesteckt hat, kann er das Wort Business nicht finden. Hannover 96 fliegt Wood-Class, und in der Holzklasse klemmt es für einen wie Schmadtke ganz schön, er ist ja ein Kerl wie ein Baum. Auch das für den schmalen Mann gebuchte Einzelzimmer im Hotel Cornelia Diamond in Belek erinnert nicht an Schmadtkes Reisezeiten mit Liverpool und Wolfsburg, auf Nachfrage bekommt er aber ein Upgrade in die Sultan-Suite, mit Kingsize-Betten und einem Haufen roter Samtkissen. Nach dem Frühstück muss die Mannschaft vor der Suite antreten, Schmadtke schätzt mindestens 30 Mann und erinnert sich an die sparsamen Worte des Hauptgeldgebers: Weniger ist mehr. Mehrere Spieler sollen gehen im Winter, Schmadtke macht mit dem Handy 30 Fotos, ohne frische Bilder geht ja nichts bei kleinanzeigen.de. Bis zu drei Neue sollen kommen, Mann hat vorgearbeitet, mit dem Stürmer Silas kann Schmadtke sogar was anfangen, den Namen hat er aus einer Weihnachtsserie der frühen 80er-Jahre in guter Erinnerung. Der Silas-Traum platzt schnell, in seiner Kontaktliste schaut Schmadtke sicherheitshalber, ob die Nummern von Didi und Moa noch gespeichert sind, die beiden kennt er auch von früher.

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Februar: Schmadtke sitzt im veganen Feinschmecker-Lokal „Rüpel“ in Linden und stößt mit seinem Trainer an: Sein alter Freund und Weggefährte Mirko Slomka schaut ihm glücklich in die Augen, er ist noch vor dem 96-Spiel Ende Januar gegen Düsseldorf als Coach eingesprungen und hat seither alle Spiele gewonnen. Schmadtke, der alte Herzens-Düsseldorfer, war auf eine geniale Idee gekommen: Christian Titz, der dicht neben Düsseldorf wohnt, soll die kriselnde Fortuna auf Leihbasis vorm Abstieg retten und danach in Hannover den 96-Aufstieg perfekt machen. Titz, der als Sonderprämie ein handsigniertes T-Shirt der Toten Hosen ausgehandelt hat, will es mit Düsseldorf wie bei 96 machen: Auswärts 2:2 und nur in jedem zweiten Heimspiel drei Gegentore, das müsste reichen.

Mailand, Madrid, Maschsee – Hauptsache 1. Liga …

März: Niclas Füllkrug köpft am 27. Spieltag das 4:3 gegen Eintracht Braunschweig in der 96. Minute, es ist der zehnte Sieg in Folge für Hannover, das jetzt mit 59 Punkten auf dem ersten Platz steht. Schmadtke hatte den Stürmer aus Ricklingen knapp vorm Schließen des Transferfensters nach dem Intermezzo-Missverständnis beim AC Mailand heimgeholt. Fülles Motto: Mailand, Madrid, Maschsee – Hauptsache 1. Liga. Didi und Moa sind schon wieder weg – Trainer Slomka hat herausgefunden, dass die beiden ein bisschen geschrumpft und auch schon 40 und 41 Jahre alt sind. Germania Grasdorf freut sich: Marcel Halstenberg hat jetzt zwei neue Abnehmer für seine langen Diagonalbälle.

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Einer, der gut zu Hannover passen würde: Nick Woltemade, er spielt für Newcastle und die deutsche Nationalmannschaft.

April: Henning Bindzus bucht für Montag, den 18. Mai, den hannoverschen Rathausbalkon. Der 96-Geschäftsführer für Marketing und Finanzen will auch einen Anteil am Aufstieg haben, er ist es leid, zusammen dem 96-Partner Üstra auf mit Öffis gut erreichbaren Spielplätzen Fußbälle für mobile Fans zu verstecken. Bindzus will sich auch endlich mal mit diesem Schmadtke treffen, um erstens erstklassig essen zu gehen und zweitens die nächste Transferphase zu planen. Die KI schlägt ihm einen Harry vor, und irgendwo gehört hat Bindzus, dass in England ein gewisser Woltemarder auf Torejagd geht.

In Sevilla soll es 2027 losgehen

Mai: Christian Titz steht auf dem Rathausbalkon am Marktplatz, wo ihm ganz Düsseldorf zujubelt. Der Trainer hat überraschend wenig 2:2 gespielt, nie drei Gegentore kassiert und ist hinter 96 als Zweiter aufgestiegen. Schmadtke hat vor lauter Liebe zu Slomka einfach vergessen, Titz fristgerecht zurückzuholen. Der ist gar nicht sauer und unterschreibt in Düsseldorf einen Heimschläfer-Vertrag bis 2035. Schmadtke und Slomka planen die 1. Liga und auch schon das 96-Europa-Comeback in der Folgesaison. In Sevilla soll es 2027 losgehen, da kennen sie eine nette Bodega.

NP