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Am Landgericht Frankfurt stehen spektakuläre Prozesse an. Darunter der Awo-Skandal um das Ehepaar Richter mit 262 Straftaten.
Frankfurt – Skurille und bemerkenswerte Taten und Fälle wird das Frankfurter Landgericht auch in diesem Jahr entscheiden. Einige, wie der Awo-Skandal, sind aus den Medien bereits bekannt; nun gehen die Fälle vor Gericht oder werden weiter aufgerollt. Obwohl konkrete Termine noch nicht festgelegt sind, kann das Landgericht bei einigen Anklagen und Tatvorwürfen absehen, dass diese 2026 verhandelt werden.
Dazu gehört etwa der Verdacht des versuchten Mordes in einem Pflegeheim in Bad Vilbel. Ein 37-jähriger Pfleger soll im September 2025 zwei Heimbewohnerinnen eine nicht indizierte Medikation gegeben haben. Beide 84-jährigen Seniorinnen schwebten daraufhin in Lebensgefahr und mussten im Krankenhaus behandelt werden. Der Tatverdächtige wurde zwei Tage später der Ermittlungsrichterin vorgeführt, die einen Haftbefehl erließ.
Skurille und bemerkenswerte Fälle kommen in Frankfurt vor Gericht
Der nächste Tatverdächtige wird wegen Mordes in zwei Fällen vor Gericht stehen. Dem 82-Jährigen wird vorgeworfen, im März 2025 seine 72-jährige Ehefrau und zwei Tage später seinen 49-jährigen, geistig behinderten und gehörlosen Sohn im Schlaf erstickt zu haben. Die Leichname bahrte der Senior eine Woche im Haus auf. Anschließend soll er einen seiner weiteren Söhne über die Leichen informiert haben, der darauf hin die Polizei rief.
Acht Angeschuldigte werden sich im Laufe des Jahres wegen der Schießerei im Frankfurter Hauptbahnhof im August 2025 verantworten müssen. Dabei kam ein 27-jähriger Mann ums Leben, der mit mehreren Schüssen getötet wurde.
Im Frankfurter Landgericht werden wieder spektakuläre Fälle verhandelt. © Helmut Fricke/picture alliance/dpa
Ein mögliches Tatmotiv ist eine Familienfehde zwischen dem 55-jährigen türkischen Staatsangehörigen und dem ebenfalls türkischen Opfer. Die Anschuldigungen lauten in sieben Fällen gemeinschaftlich begangener Mord; in einem Fall Verabredung zu einem Verbrechen. Einige der Angeschuldigten waren etwa am Hauptbahnhof Mainz, um das Opfer dort zu erschießen, sollte er dort aussteigen. Andere überwachten das Opfer über die Sozialen Medien.
Anklage in Frankfurt wegen „Pädo-Hunting“
Die Prozesse rund um die Arbeiterwohlfahrt (Awo) werden in diesem Jahr weiter fortgesetzt. Die Anklage gegen das Geschäftsführer-Ehepaar Jürgen und Hannelore Richter ist zur Hauptverhandlung zugelassen.
Zur Erinnerung: Die Stadt fordert von der Awo Frankfurt 2,6 Millionen Euro zurück, die die Stadt für zu hoch angegebene Personalkosten bezahlt hatte. Zu den insgesamt 262 Straftaten, die ihnen vorgeworfen werden, zählen Untreue, Betrug, Vereiteln der Zwangsvollstreckung, Bestechung und Begünstigung. Das Verfahren soll nun eröffnet werden.
Ein 23-Jähriger wird unter anderem wegen des Verdachts des erpresserischen Menschenraubes, der besonders schweren räuberischen Erpressung, des besonders schweren Raubes und der gefährlichen Körperverletzung angeklagt. Verhandelt werden sollen acht Taten von November 2024 bis Juli 2025; sieben davon fallen unter das Phänomen des „Pädo-Huntings“.
Der Angeklagte kontaktierte demnach Männer auf einer Datingplattform, gab sich als minderjährige Jugendliche aus und vereinbarte Treffen mit den Geschädigten. Bei diesen Treffen konfrontierte der Angeklagte die Männer mit ihrem Verhalten und forderte Bargeld und Wertgegenstände. Drei Geschädigte hoben auch Geld von ihren Konten ab. Dabei soll er ihnen mit einer Schusswaffe oder einem messerähnlichen Gegenstand gedroht haben.
Die Geschädigte erlitten teils Verletzungen, die behandelt werden mussten; etwa durch Stürze bei Fluchtversuchen.