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Veränderungen im alltäglichen Fahrverhalten können schon Jahre vor einer möglichen Demenz-Diagnose auf kognitive Beeinträchtigungen hinweisen. Das hat die Auswertung von GPS-Daten älterer Autofahrer ergeben.

Fulda – Dass ältere Autofahrer dazu neigen, Nachtfahrten zu meiden, sich die Anzahl ihrer Fahrten generell reduziert und auch ihr Fahrtumkreis kleiner reduziert, klingt zunächst nicht ungewöhnlich. Eine Langzeitstudie der American Academy of Neurology deutet allerdings darauf hin, dass solche kleinen Veränderungen im Alltag frühe Anzeichen kognitiver Probleme sein könnten – und zwar lange bevor Ärzte eine kognitive Beeinträchtigung feststellen.

Kleine Veränderungen im Fahrverhalten können frühe Anzeichen kognitiver Probleme sein - und zwar lange bevor Ärzte kognitive Beeinträchtigungen feststellen. Kleine Veränderungen im Fahrverhalten können frühe Anzeichen kognitiver Probleme sein – und zwar lange bevor Ärzte kognitive Beeinträchtigungen feststellen. © dpa/Wolfram Kastl

Für diese Erkenntnis nutzten Forscher sogenannte GPS-Datenlogger, die das Fahrverhalten älterer Fahrer für bis zu 40 Monate aufzeichneten. Wie fr.de berichtet, begleitete das Team um Ganesh M. Babulal von der Washington University School of Medicine in St. Louis 298 ältere Autofahrer über mehr als drei Jahre. Die Teilnehmer, die im Durchschnitt 75 Jahre alt waren, fuhren mindestens einmal wöchentlich und waren zu Beginn der Studie noch aktiv im Straßenverkehr. 56 Probanden hatten bereits eine leichte kognitive Beeinträchtigung, während 242 als geistig gesund galten.

Veränderungen beim Auals Frühwarnzeichen für Demenz

Die Fahrzeuge der Teilnehmer wurden mit GPS-Datenloggern ausgestattet, die jede Fahrt automatisch erfassten, einschließlich Streckenlänge, Dauer, Tageszeit, Geschwindigkeit, Bremsverhalten und Routenabweichungen. Parallel dazu unterzogen sich die Teilnehmer regelmäßig Tests zur Denk- und Gedächtnisleistung. Anfangs unterschieden sich die Fahrmuster kaum. „Doch im Verlauf der Jahre fuhren die Studienteilnehmer mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen seltener, kürzer und meist auf vertrauten Wegen. Sie verzichteten häufiger auf Nachtfahrten und änderten ihre gewohnten Routen kaum noch“, so fr.de.

Mithilfe der aufgezeichneten GPS-Daten konnten die Forscher in 82 Prozent der Fälle korrekt vorhersagen, ob jemand eine leichte kognitive Beeinträchtigung entwickelt hatte. In Kombination mit Alter, Testwerten und genetischen Merkmalen erhöhte sich die Genauigkeit sogar auf 87 Prozent. Ohne die Fahrdaten lag die Trefferquote lediglich bei 76 Prozent. „Wir konnten mit einem GPS-Daten-Tracking-Gerät genauer bestimmen, wer kognitive Probleme entwickelt hatte, als mit Alter, Gedächtnistests oder genetischen Faktoren allein“, erläutert der Forscher Babulal.

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Die Studie verdeutliche, dass auch alltäglich erscheinende Veränderungen im Fahrverhalten ein frühes Warnsignal für kognitive Probleme sein können. Sogar lange bevor sich Gedächtnisprobleme im Alltag bemerkbar machen. Typische Veränderungen, bei denen man den Forschern zufolge hellhörig werden sollte, sind: weniger Fahrten pro Monat, die spürbare Abnahme von Nachtfahren sowie eine geringer werdende Routenvielfalt, bei der längere Strecken oder spontane Umwege immer seltener werden.

„Das tägliche Fahrverhalten zu beobachten, ist eine relativ einfache und unaufdringliche Möglichkeit, kognitive Fähigkeiten einzuschätzen“, so Babulal. Dadurch könnten gefährdete Fahrer frühzeitig erkannt werden, bevor es zu Unfällen oder Beinahe-Kollisionen komme, was im späteren Verlauf der Erkrankung häufig passiere. Auch aus gesundheitspolitischer Sicht sei eine frühzeitige Erkennung der gefährdeten Fahrer von großer Bedeutung.

Besser als Demenz-Tests? GPS-Daten als Indikator für Gehirnveränderungen

Durch die Früherkennung sei es möglich, den Betroffenen zeitnah Unterstützung anzubieten, was wiederum dabei helfe, die Sicherheit und Mobilität möglichst lange zu erhalten. Gleichzeitig sei ein sensibler Umgang mit diesen Daten erforderlich, der die Privatsphäre der Menschen schützt und Datenschutz gewährleiste.

Generell sei die „Fahreignung“ bei beginnender Demenz laut der Deutschen Alzheimer Gesellschaft oft noch in hohem Maße vorhanden. Das berichtet die Alzheimer Gesellschaft unter Berufung auf Forschungsstudien und praktische Fahrtests. Allerdings treten im Verlauf der Erkrankung zunehmend Beeinträchtigungen der geistigen Leistungsfähigkeit auf. Auch Sehstörungen, die ebenfalls häufig erstmals beim Autofahren auffallen, können ein frühes Indiz für Demenz sein.

Eine Fahrverhaltensprobe auf der Straße könne eine aussagekräftige Bewertung der Fahreignung erbringen. Laut der Alzheimer Gesellschaft sollte diese von einer fachkundigen Person, beispielsweise einem Fahrlehrer, durchgeführt werden. Der ADAC bietet beispielsweise einen „Fahr-Fitness-Check“ sowie Beratung und Fahrsicherheitstraining für ältere Autofahrer an.

Autofahren: Diese Empfehlungen gelten für Demenz-Patienten

Zu empfehlen sei zudem eine individuelle ärztliche Abklärung, die regelmäßig wiederholt werde, so die Experten. „Ärzte sind im Rahmen des Arzt-Patienten-Vertrags dazu verpflichtet, ihre Patienten darauf hinzuweisen, dass eine Fahruntauglichkeit vorliegt beziehungsweise im Verlaufe der Erkrankung eintreten wird.“ Wenn Angehörige unsicher sind, ob der oder die Betroffene noch sicher fahren kann, könnten sie sich fragen: „Würde ich mein Kind oder Enkelkind bei ihm beziehungsweise ihr im Auto mitfahren lassen?“ Wenn diese Frage verneint werde, solle man darauf dringen, dass das Autofahren eingestellt werde, heißt es in einem Infoblatt der Deutschen Alzheimer Gesellschaft.

Auch ein bestimmtes Verhalten im Schlaf kann ein frühes Anzeichen für Demenz sein. und somit schon Jahre vor einer Diagnose auf die Erkrankung des Gehirns hindeuten.

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