Kiel. Eltern, aber auch Kinderkliniken in Kiel können ein Stück weit aufatmen: Der Piks zum Schutz von Babys vor einer schweren Erkrankung der Atemwege durch das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) zeigt offenbar Wirkung.
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Sowohl das Städtische Krankenhaus Kiel als auch das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) melden mit Blick auf den vergangenen Winter einen deutlichen Rückgang stationär behandelter Säuglinge und Kleinkinder mit RSV-Infektion. Die Entwicklung führen die Kliniken unter anderem auf die recht neue RSV-Prophylaxe für Neugeborene und Babys in den ersten Lebensmonaten zurück, die gut angenommen werde.
RSV – was ist das eigentlich?
Eine Infektion mit dem Erreger beginnt laut Robert Koch-Institut (RKI) oft mit Symptomen einer Erkältung wie Schnupfen und Husten, kann bei schwerem Verlauf jedoch vor allem für Babys gefährlich werden. RSV-Infektionen sind Kinderärzten zufolge die häufigste Ursache für Krankenhauseinweisungen bei Säuglingen in Deutschland.
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Für alle Neugeborenen und Babys empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) seit Juni 2024 eine einmalige Prophylaxe. Diese soll die Kleinsten vor schweren Atemwegsinfektionen durch RSV schützen und wird mitunter auch als RSV-Impfung bezeichnet. Tatsächlich handelt es sich um den monoklonalen Antikörper Nirsevimab, der laut RKI gut verträglich sein soll.
Aus Sicht des RKI ist die Immunisierungs-Quote nach der Einführung ein Erfolg – mehr als die Hälfte der zwischen April und September 2024 geborenen Säuglinge in Deutschland war demnach dank der Prophylaxe in der ersten RSV-Saison vor dem Erreger geschützt. Schleswig-Holstein liegt mit einer Quote von 58 Prozent sogar über dem Bundesschnitt (54), Kiel bei 56 Prozent.
Bundesweit hat sich laut RKI bereits in der Saison 2024/25 die Zahl der übermittelten RSV-Fälle bei Säuglingen mehr als halbiert. Das zeigte sich auch in Kliniken: Im selben Zeitraum habe sich die Anzahl der Krankenhausaufenthalte bei Säuglingen mit RSV halbiert, meldete das RKI vor Kurzem.
Entwicklung in Kiel bestätigt bundesweiten Trend
Die Entwicklung in Kiel bestätigt den Trend. Chefarzt Dr. Tobias Ankermann hat in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Städtischen Krankenhauses beobachtet, im Winter 2024/2025 seien weniger als zehn Kinder mit einer Erkrankung durch RSV-Infektion behandelt worden. „Kein Kind war schwer krank.“
Die kleinen Patienten waren demnach im Median älter als in den Vorjahren. Fazit von Ankermann: „Damit haben wir weniger als die Hälfte der Kinder im Vergleich zu den Vorwintern mit RSV-Infektion bedingten Atemwegserkrankungen behandelt.“
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Wir haben weniger als die Hälfte der Kinder im Vergleich zu den Vorwintern mit RSV-Infektion bedingten Atemwegserkrankungen behandelt.
Dr. Tobias Ankermann
Chefarzt Kinderklinik SKK
Das Städtische in Kiel bietet allen Eltern, bei deren Kindern noch im Krankenhaus eine U2-Untersuchung durchgeführt wird, eine passive Immunisierung gegen RSV mit Nirsevimab an – das betrifft rund 75 Prozent der dort geborenen Kinder. Alle Eltern würden über die Möglichkeit der Prophylaxe aufgeklärt. Ausnahme seien Mütter, die während der Schwangerschaft eine aktive RSV-Impfung zum Schutz der Kinder erhalten haben. „Die Impfung wird sehr gut angenommen“, sagt Ankermann. Nur wenige Elternpaare würden sich dagegen entscheiden.

Ähnlich sieht es am UKSH in Kiel aus. „Auch wir beobachten einen deutlichen Rückgang stationär behandelter Säuglinge und Kleinkinder mit RSV-Infektion“, berichtet Sprecher Maximilian Hermsen.
RSV-Prophylaxe: „Ablehnungen sind die Ausnahme“
Die RSV-Prophylaxe erfolge ebenfalls standardisiert im Rahmen der U2-Untersuchung und werde in der Regel sehr gut angenommen – sowohl bei Reifgeborenen als auch bei Frühgeborenen: „Ablehnungen sind die Ausnahme.“
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Ein zusätzlicher Effekt dürfte sich ihm zufolge durch die gestiegene Zahl von Impfungen bei Frauen in der Schwangerschaft ergeben. Diese ersetze in diesen Fällen die Immunisierung des Neugeborenen und werde in der Statistik nicht separat ausgewiesen.
Bei den Kindern mit Infektionserkrankungen war zuletzt ohnehin das Influenza-Virus der dominierende Erreger – als Grippe bekannt. Einzelne Kinder sind im SKK im Dezember mit Folgen einer Grippe auf der Intensivstation versorgt worden. Auch am UKSH wurden Kinder mit Influenza behandelt. Die Lage in den Kliniken galt jedoch als stabil.
KN