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Die Notaufnahme des ehemaligen Schifferkrankenhauses schließt zum 1. Januar. © Enrico Sauda/Enrico Sauda
Die Notaufnahme Sachsenhausen macht nach 100 Jahren dicht. Patienten müssen künftig andere Krankenhäuser aufsuchen.
Kein Schild weist darauf hin, dass die Notaufnahme des ehemaligen Schifferkrankenhauses in Sachsenhausen, das jetzt zur Uniklinik gehört, nur noch am Silvestertag geöffnet sein wird. Und doch schließt sie mit Dienstende am 31. Dezember nach rund 100 Jahren ihre Türen für immer. „Aber das geht doch nicht“, sagt ein älterer Mann, der die Nachricht am Sonntagmorgen beim Warten auf seine Behandlung hört, erschrocken. „Wo soll ich dann denn sonst hingehen?“
Räumlich am nächsten ist die Notaufnahme des Spitals zum Heiligen Geist, Lange Straße 4-6, auf der anderen Mainseite. Das Uniklinikum selbst verweist auf die – personell verstärkte – eigene Notaufnahme, Theodor-Stern-Kai 7, den Ärztlichen Bereitschaftsdienst und den Rettungsdienst. Die Rettungsleitstelle sei über die Schließung informiert, sagt eine Sprecherin der Uniklinik.
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Fotostrecke ansehenBetriebsübergang abgeschlossen
Gleichzeitig mit der Schließung der Notaufnahme endet auch eine Übergangsphase, in der der vorherige Betreiber, die in Marburg ansässige DGD-Stiftung, und die Uniklinik das Schifferkrankenhaus gemeinsam betrieben haben. Bereits als die Uniklinik die Übernahme zum 1. Januar 2025 bekanntmachte, hatte Jürgen Graf, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Uniklinikums, die Schließung der Notaufnahme für das laufende Jahr angekündigt. Vollziehen will die Uniklinik, zu der mittlerweile 33 Kliniken und Institute gehören, sie nun aber wohl möglichst unauffällig. Alle Mitarbeiter seien „im Rahmen des Betriebsübergangs“ übernommen worden, so die Sprecherin. Bei Bekanntwerden der Schließung war die Bestürzung groß gewesen, da viele von ihnen seit Jahren oder Jahrzehnten im Schifferkrankenhaus arbeiten. Es hat eine der niedrigsten Mitarbeiter-Fluktuationsraten Frankfurts.
Durch die Verlagerung an den „Kerncampus“ am Mainkai sollen „Ressourcen gebündelt“ werden, erklärt die Uniklinik-Sprecherin. Im letzten Halbjahr hätten sich rund 1000 Patienten in der Sachsenhäuser Notaufnahme vorgestellt, also knapp sechs pro Tag. Immer wieder hat Jürgen Graf bereits in der Vergangenheit betont, dass Frankfurt mit Notaufnahmen überversorgt sei und im Grunde vier genügen würden. Die kommende Klinikreform macht es jetzt noch einmal drängender, Ressourcen zu bündeln: Da das für die Krankenhausplanung zuständige Land Hessen kleinen Abteilungen keine Leistungsgruppe zuteilen wird, könnten diese ihre Arbeit künftig nicht mehr mit den Krankenkassen abrechnen. Das neue System soll die Behandlungsqualität erhöhen.
Uniklinik platzt aus allen Nähten
Die durch die Schließung der Notaufnahme frei werdenden Räume würden laut der Sprecherin „bei der derzeit laufenden Entwicklungsplanung für eine entsprechende Nachnutzung berücksichtigt“. Bei der Übernahme war angekündigt worden, die Augenklinik und zwei Abteilungen der Psychosomatik ins Krankenhaus Sachsenhausen zu verlagern: Deren Gebäude auf dem Kerncampus müssen saniert werden, zudem platzt die Uniklinik laut Graf aus allen Nähten. Außerdem sollen dort künftig vor allem planbare Eingriffe stattfinden. Die innere Medizin mit ihren Schwerpunkten Diabetologie und Endokrinologie soll genauso wie die gynäkologische und die Adipositas-Chirurgie erhalten bleiben.
Seit 1927 und bevor es die Uniklinik für eine zweistellige Millionensumme kaufte, wurde das Schifferkrankenhaus mit knapp 700 Mitarbeitern von der DGD-Stiftung betrieben. Bereits im Juli 2024 hatte diese die Abteilung für Geburtshilfe geschlossen. Beide, Geburtshilfe und Notaufnahme, gehören zu den unrentabelsten Abteilungen eines Krankenhauses. Auch der Verkauf an die Uniklinik hatte primär wirtschaftliche Gründe: Als einzelnes kleines Haus, hieß es damals von der DGD-Stiftung, könne das Krankenhaus auf dem hart umkämpften Frankfurter Gesundheitsmarkt nicht mehr bestehen.