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Nirgends in Deutschland wurde in der Silvesternacht so viel Feinstaub gemessen wie in München. Die Partikel können die Atemwege der Menschen schädigen.

München – Die Feinstaubbelastung in der Silvesternacht hat in München deutschlandweit Höchstwerte erreicht. Wie den Daten des Bayerischen Landesamtes für Umwelt zu entnehmen ist, wurden an der Luftmessstation Landshuter Allee in der ersten Stunde des neuen Jahres 1458 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft gemessen – ein extremer Anstieg gegenüber den 22 Mikrogramm, die dort noch am Silvestertag um 12 Uhr mittags registriert wurden.

Die Feinstaubbelastung in der Silvesternacht in München war enorm.Die Feinstaubbelastung in der Silvesternacht in München war enorm. © Peter Kneffel / dpaStark belastete Messpunkte: extremer Anstieg von Feinstaub in der Silvesternacht in München

Bayerische Städte dominierten die Liste der am stärksten belasteten Orte. Neben drei Münchner Messstationen – abgesehen von der Landshuter Allee auch der Karlsplatz mit 796 und die Lothstraße mit 596 Mikrogramm – gehörte auch die Karlsstraße in Augsburg mit 524 Mikrogramm zu den zehn am stärksten belasteten Messpunkten. Zum Vergleich: In Berlin wurden an der Frankfurter Allee eine Stunde nach Mitternacht lediglich 462 Mikrogramm gemessen.

Auffällig sind die regionalen Unterschiede innerhalb Bayerns. Während in Ingolstadt, Nürnberg, Neu-Ulm und selbst in Lindau am Bodensee mit 269 Mikrogramm vergleichsweise hohe Werte registriert wurden, blieb die Luft in der Oberpfalz bemerkenswert sauber. In Sulzbach-Rosenberg wurden nur fünf Mikrogramm gemessen, in Tiefenbach im Kreis Cham lediglich acht Mikrogramm. Auch Andechs, Bad Hindelang und Kulmbach verzeichneten niedrige Werte.

Erhebliche gesundheitliche Risiken: Partikel des Feinstaubs können Atemwege schädigen

Die gesundheitlichen Risiken durch Feinstaub sind erheblich, da die Partikel die Atemwege schädigen können. Der gesetzliche Grenzwert liegt bei einem Tagesmittelwert von 50 Mikrogramm. Die Verweildauer des Staubs in der Luft hängt stark von lokalen Luftströmungen ab, die durch Bebauung und Wetterbedingungen beeinflusst werden.

Die Silvesterböllerei ist laut Bundesamt für Umwelt für etwa ein Prozent der jährlichen Feinstaubemissionen in Deutschland verantwortlich – rund 2050 Tonnen der Partikelgröße PM10. Zum Vergleich: Während der Corona-Pandemie zum Jahreswechsel 2021/22, als ein Verkaufsverbot für Böller galt, lag der Wert an der Münchner Landshuter Allee bei nur 62 Mikrogramm.

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Die Deutsche Umwelthilfe zieht angesichts der Messwerte, aber auch wegen schwerer Verletzungen, mindestens zwei Todesfällen und Ausschreitungen in der Silvesternacht eine „erneut verheerende Bilanz“. Gemeinsam mit 65 weiteren Organisationen im #böllerciao-Bündnis fordert sie Bundesinnenminister Alexander Dobrindt auf, ein bundesweites Böllerverbot zu Silvester einzuführen. Eine Repräsentativbefragung durch forsa GmbH vom Juli 2025 zeigt: 59 Prozent der in Deutschland lebenden Menschen sprechen sich für ein Verbot von Böllern und Raketen an Silvester aus. (Quelle: Bundesamt für Umwelt, Deutsche Umwelthilfe, forsa GmbH) (res)