Berlin – Es wird das Jahr der Tarifverhandlungen. In vielen wichtigen Branchen stehen bereits zum Jahresauftakt Gespräche über Gehälter und Arbeitszeiten an. Es geht um die Bedingungen für mehr als 10 Millionen Beschäftigte bundesweit. Damit ist auch die Streik-Gefahr besonders hoch.
Im Tarifstreit im öffentlichen Dienst der Länder (außer Hessen) steht am 15./16. Januar die zweite Verhandlungsrunde an. Verdi-Bundeschef Frank Werneke (58) erhöht im Vorfeld den Druck auf die Landesfinanzminister. Er erwarte von den Arbeitgebern ein „realitätstaugliches“ Angebot. „Andernfalls ist es schwer vorstellbar, dass es in der dritten Verhandlungsrunde im Februar zu einem Ergebnis kommen kann“, sagt er zu BILD.

Frank Werneke (58), Bundesvorsitzender der Gewerkschaft Verdi, erwartet in den Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst ein „realitätstaugliches“ Angebot der Arbeitgeber
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Und er wird konkret: „Wie umfangreich wir zu Protesten und Streiks aufrufen, hängt sehr davon ab, was in der zweiten Verhandlungsrunde passiert. Dass wir grundsätzlich in der Lage sind, die Arbeitgeber mit Streiks unter Druck zu setzen, sollte allgemein bekannt sein.“ Anfang 2025 hatten Warnstreiks den öffentlichen Dienst bei Bund und Kommunen über Monate beeinträchtigt.
Verdi fordert mehr als Inflationsausgleich
Die Gewerkschaft Verdi und Beamtenbund fordern ein Gehaltsplus von sieben Prozent, mindestens aber 300 Euro mehr im Monat, für die 2,2 Millionen Beschäftigten – darunter Pflegepersonal an Uni-Kliniken, Straßenwärter, Schulsozialarbeiter und Verwaltungsangestellte.
Werneke: „Unsere Mitglieder erwarten zu Recht mehr als nur einen Inflationsausgleich. Die Menschen müssen wieder über mehr Kaufkraft verfügen.“ Das helfe auch aus der Wirtschaftskrise heraus. Zudem seien hunderttausende Stellen im öffentlichen Dienst unbesetzt, „weil die Bezahlung nicht konkurrenzfähig ist“.
Auch für chemische Industrie (585.000 Beschäftigte), Metall- und Elektroindustrie (3,9 Mio. Beschäftigte), Einzelhandel (2,4 Millionen Beschäftigte) und Gastgewerbe wird verhandelt. Und bei der Deutschen Bahn fordert die kleine, aber streikerprobte Lokführer-Gewerkschaft GDL aktuell mindestens 3,8 Prozent mehr Gehalt. Ohne eine zügige Einigung könnte es dort bereits ab März zu Bahn-Streiks kommen.