Sie hat ihn gehegt und gepflegt auf ihrem Balkon seit September. Aber ein Baum gehört in die Erde. Jetzt hat der Zierapfelbaum einen festen Platz in Cotta gefunden. Direkt neben einer jungen Eberesche. Zwei Bäume, eine Botschaft: Unternehmensnachfolge gelungen, zwei Dresdner Traditionsgeschäfte werden fortgeführt. Carolin Hauskeller pflanzte mit Melanie Apel-Albertus und Lysann Apel den Baum an der Hebbelstraße ein. Eigentlich am falschen Platz.

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Carolin Hauskeller hat mit ihrer Geschäftspartnerin Franziska Krauße den Sonderpreis der Jury Sächsischer Meilenstein gewonnen. Die Bürgschaftsbank Sachsen vergibt den Preis für gelungene Unternehmensnachfolgen. Die gelernten Buchhändlerinnen haben mitten in der Corona-Pandemie 2021 die Buchhandlung Bücherberg auf der Warthaer Straße übernommen. Inhaberin Roswitha Kober-Mallock hatte lange nach Nachfolgern gesucht, das sprach sich herum. Ausgerechnet im Friseursalon bekam Carolin Hauskeller den für sie entscheidenden Tipp, wie sie sagte.

Vor der Buchhandlung ist kein Platz

Die Frauen übernahmen die Buchhandlung, etablierten sie weiter im Viertel und gewannen jetzt den Sonderpreis. Inklusive Zierapfelbaum, der eigentlich vor dem Unternehmenssitz gepflanzt werden soll. Doch vor der Buchhandlung auf der Warthaer Straße ist kein Platz für einen Baum, und so kommt das Unternehmen Fliesenhandel Apel auf der Hebbelstraße ins Spiel, nominiert 2024 für den Sächsischen Meilenstein und mit der Eberesche gewürdigt.

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Melanie Apel-Albertus und Lysann Apel führen den Betrieb ihres Vaters Gert Apel weiter, der sich allmählich in den Ruhestand zurückzieht. Der gelernte Bauingenieur unterstützt seine Töchter noch bei Bauvorhaben wie den Anbau an das Lager und die Installation der Photovoltaikanlage. „Das hilft uns, weil wir uns auf das tägliche Geschäft konzentrieren können und er vom Fach ist“, sagt Melanie Apel-Albertus, die als Geschäftsführerin die Fäden in dem 1991 gegründeten Unternehmen zieht und von Schwester Lysann als Prokuristin unterstützt wird.

Verantwortung übernehmen ist mutig

Zwei Unternehmen fortgeführt in den Händen von Frauen in Cotta, Eberesche und Zierapfel auf der Hebbelstraße zeugen davon. „Es ist mutig, die Verantwortung für zahlreiche Beschäftigte zu übernehmen und sich nicht davor zu scheuen, ins finanzielle Risiko zu gehen“, sagt David Tobias, Landesgeschäftsführer des Handelsverbandes Sachsen, der den Sächsischen Meilenstein unterstützt. „Erfolgreiche Unternehmensnachfolge sichert den Fortbestand der Betriebe, Arbeitsplätze, regionale Wertschöpfung und Innovationskraft“, weiß Markus H. Michalow, Geschäftsführer der Bürgschaftsbank Sachsen.

„Wir sind auch Unternehmer, nicht nur die Chefs von großen Betrieben. Da gibt es manchmal ein falsches Bild in der Gesellschaft“, sagt Melanie Apel-Albertus. Kleine Betriebe würden die Wirtschaft genauso am Laufen halten wie die großen Konzerne, die viel öfter im Scheinwerferlicht stehen. Traditionsunternehmen funktionieren nur mit Menschen an der Spitze, die einmal Aufgebautes weiterführen. Zwei Bäume zeugen davon in Cotta, genau am richtigen Platz.

DNN