Die Flaute beim Wohnungsneubau nimmt kein Ende. Die Genehmigungszahlen sind laut einer neuen Studie im Zehnjahresmittel stark rückläufig. Was das für Stuttgart bedeutet.
Starker Anstieg der Angebotsmieten auch in Stuttgart
Ob solche und andere Maßnahmen greifen und die auch in Stuttgart herrschende Wohnkrise in diesem Land abmildern können, bleibt allerdings fraglich. Schließlich sind trotz aller bisherigen Regulierungsversuche in Deutschland die Bestandsmieten seit 2013 im Schnitt um 19 Prozent gestiegen, bei Neuvermietungen sogar um 50 Prozent, in Großstädten um rund 75 Prozent. Das ergab eine Studie des Münchner ifo-Instituts.
Die Forscher haben auch im Einzelnen die Zahlen für die Großstädte genannt: so war der Anstieg der Angebotsmieten seit 2013 zu 2025 in Berlin am höchsten (plus 108 Prozent); Hamburg, Frankfurt am Main, Stuttgart verzeichneten Zuwächse zwischen 55 und 60 Prozent: in Hamburg von 10,56 auf 16,37 Euro je Quadratmeter, in Frankfurt von 11,23 auf 17,65 Euro, in Stuttgart von 10,17 auf 15,91 Euro je Quadratmeter.
Geht manchmal doch: Wegen nachhaltiger Energieversorgung und guter Gestaltung preisgekrönt – von a+r Architekten entworfene Wohnhäuser im Rosensteinviertel, Nordbahnhofstraße in Stuttgart. Foto: a+r/Brigida González Laut Studie fehlen 1,2 Millionen Wohnungen im Land
Zugleich werden immer weniger Wohnungen neu gebaut. Laut dem Pestel-Institut fehlen allein in Westdeutschland 1,2 Millionen Wohnungen. Die endgültigen Zahlen für das vergangene Jahr stehen noch aus, doch das Forscherteam des ifo-Instituts erwartete für 2025 lediglich 205 000 neu gebaute Wohnungen, für das Jahr 2026 rechnete man mit nur noch 185 000, was deutlich unter den Zielen der Ampel liegt.
Die vorherige Ampelkoalition hatte das Ziel von 400 000 neuen Wohnungen pro Jahr ausgegeben. Die Gründe für diese Fehlleistung sind vielfältig, unter anderem sprechen Experten von einer regelrechten Explosion der Baukosten.
Träge Bautätigkeit in Stuttgart und Region
Eine direkte Folge ist eine träge Bautätigkeit. Was für das ganze Land gilt, entspricht auch der Realität in der baden-württembergischen Landeshauptstadt. Eine neue Analyse des Marktforschungsinstituts IVD dokumentiert eindrücklich, in welchem Ausmaß der Bau neuer Wohnungen in den vergangenen Jahren beständig zurückgegangen ist und die Krise im Wohnungsbau in Stuttgart und der Region zunehmend verschärft hat.
Die Betrachtung der jährlichen Genehmigungszahlen ergibt einen deutlichen Rückgang der Bautätigkeit, der sowohl Stuttgart als auch alle Landkreise der Region Stuttgart umfasst. Der Vergleich der prognostizierten Baugenehmigungen für 2025 mit dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre zeigt laut den Immobilienmarktforschern des IVD für Stuttgart klar: In der Landeshauptstadt wurden bis Ende 2025 schätzungsweise 1050 neue Wohneinheiten zum Bau freigegeben.
Baugenehmigungen gehen in Stuttgart um 20 Prozent zurück
Im Vergleich zum langfristigen 10-Jahresmittel von 2015 bis 2024 wird die Zahl nach Angaben der genehmigten Wohneinheiten um rund ein Fünftel zurückgehen. „Die Flaute im Wohnungsneubau hat sich im Jahr 2025 fortgesetzt – die Bautätigkeit wird weiterhin durch ein vergleichsweise hohes Zinsniveau, sehr hohe Baukosten, strenge energetische und baurechtliche Auflagen sowie fehlende Fördergelder gebremst“, beschreibt Stephan Kippes, Leiter des IVD-Marktforschungsinstituts, die anhaltend schwierige Lage.
Immerhin, das sollte man hier erwähnen, gab es bei den Baugenehmigungen 2025 im Vergleich zum Vorjahr in Stuttgart voraussichtlich ein Plus von 45 Prozent. Das Gesamtbild bleibt dennoch düster. Gerade in Ballungszentren wie Stuttgart ist günstiger Wohnraum kaum noch zu finden und der Druck auf die Mieten unvermindert hoch, von einem ausreichenden Angebot an Sozialwohnungen ganz zu schweigen. Der Wohnungsmangel in den Metropolen werde wohl noch Jahre andauern, prognostizieren Branchenexperten.