
Viele Kubaner blicken gebannt nach Venezuela, wo die USA die Regierung des autoritären Präsidenten Maduro massiv unter Druck setzen. Der Konflikt hat Auswirkungen auf den Inselstaat.
Die USA greifen regelmäßig mutmaßliche Drogenboote in der südlichen Karibik und im Pazifik an. US-Präsident Trump droht Venezuela unverhohlen mit Krieg, will den autoritär regierenden Präsidenten Nicolás Maduro stürzen. Um ihn und das Regime zu destabilisieren, steigert Trump stetig den Druck, hat im Dezember den Luftraum über Venezuela für geschlossen erklärt und eine Seeblockade für sanktionierte Öltanker verkündet, die Venezuela ansteuern oder verlassen.
Ein Bedrohungsszenario, das auch Folgen für andere Karibikstaaten hat. Ganz konkret Kuba: Denn das sozialistische Land ist existenziell auf Ölimporte aus Venezuela angewiesen. Schon jetzt prägen Stromausfälle, Treibstoffmangel und Wirtschaftskrise den Alltag. Viele Kubaner fürchten, dass eine weitere Eskalation sie direkt trifft.
Auch Kubas Gesundheitswesen auf Venezuela angewiesen
Jeden Dienstag schwingt Jose Antonio seine steife Hüfte beim Senioren-Aerobic für betagte Kubaner am Rande Havannas. Der 71-Jährige ist Diabetiker. Insulin bekommt er zum Glück noch, aber Medikamente für seinen Bluthochdruck, Augentropfen für seine beschädigte Netzhaut nicht – in einem Land des gravierenden Mangels Fehlanzeige. Das inzwischen prekäre Gesundheitswesen sei auf Hilfe aus Venezuela angewiesen, sagt Jose Tiene.
„Unsere Beziehung ist seit Beginn der Revolution gut. Das erste Land, was Fidel Castro damals besuchte, war Venezuela. Uns verbindet auch die Vision, dass eine bessere Welt möglich ist. Wir haben viele Verbindungen, Handelsbeziehungen, aber auch im Gesundheitswesen. Da wurden Zentren zum gegenseitigen Wohl eröffnet“, sagt der Senior.
Jose lebt allein. Die Kinder sind im Exil. Wie so viele Kubaner haben sie wegen der wirtschaftlichen und politischen Krise die Karibikinsel verlassen. Laut dem in Spanien ansässigen Kubanischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte OCDH leben 89 Prozent der Kubaner unterhalb der Armutsgrenze mit nicht mehr als 1,90 Dollar täglich. Zu ihnen gehört auch Marta, eine Händlerin in Havanna. Ihr Leid habe auch mit Maduros Regime zu tun, findet sie.
Mir ist Trump lieber als Maduro
Unter Hugo Chavez hätte es dieses Defizit, diese große Energiekrise nicht gegeben. Es wäre besser, Maduro würde gestürzt werden, meint die Händlerin. Für ihre Äußerung könnte sie in Kuba große Schwierigkeiten bekommen. Kritik wird rigide bestraft. Deshalb wurde ihr Name geändert. Sie wird noch deutlicher.
Touristen bleiben aus
Es wäre schön, die USA würden nach Venezuela auch Kuba helfen. „Unsere Regierung, wie die in Venezuela, kümmert sich nicht um das Volk. Aber ich will, dass es trotzdem friedlich bleibt ohne Krieg“, sagt die 48-Jährige, die Holzfiguren an Touristen verkauft. Doch Touristen bleiben aus, weil die USA gezielt Druck auf Kuba ausüben und ausländische Besucher abschrecken.
Sorge in Kuba wegen der Entwicklung im Konflikt zwischen den USA und Venezuela
US-Amerikanern verbietet Washington die touristische Reise nach Kuba, Europäern wird nach einem Kuba-Aufenthalt kein leicht zu bekommendes ESTA-Visum mehr für die USA gewährt. Und: Ölimporte nach Kuba werden von den USA blockiert. Die aktuellen Seeblockaden venezolanischer Öltanker könnten die Lage existenziell verschlimmern, sorgt sich der kubanische Politikwissenschaftler Carlos Alzugaray.
„Ich halte es nicht für sehr wahrscheinlich, aber sollte Trump Maduro stürzen und die Opposition kommt in Venezuela an die Macht, dann wird sie natürlich alle Beziehung zu Kuba abbrechen. Das wird kein einfacher Prozess ohne venezolanisches Öl.“
Der kubanische Gastronom Johan Machín Morales hat nicht nur Angst vor den indirekten Folgen. „Trump kündigt ja immer an, dass nach Venezuela Nicaragua und Kuba kommen. Nicaragua und Kuba! Die Situation ist heikel und kann jederzeit eskalieren!“
Schon jetzt gibt es fast täglich Stromausfälle in Kuba, bedingt durch die marode kubanische Infrastruktur und Misswirtschaft der Regierung. Viele Kubaner befürchten, dass die schwierige Lage, die sie bereits durchleben, noch schlimmer werden könnten.
