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In der Küche des Sozialen Bürgerzentrums mit dem neuen Konvektomaten (von links): Adjuta Kraus (Bindeglied zwischen Vorstand und Team) und das Kernteam mit Ingrid Oefenscheidt, Friedhelm Werner, Teamleiterin Ulrike Decker und Ursula Reyher. Es fehlt auf dem Bild Dieter Boeker. © Göran Isleib
15 Ehrenamtliche kochen monatlich für bis zu 50 Gäste. Wegen gestiegener Lebensmittelpreise musste das Team beim Essen in Gemeinschaft handeln.
Kierspe – Entspannte Ruhe, Besteck klappert, eine Gabel voll nach der anderen wandert in hungrige Münder – einmal im Monat heißt es im Sozialen Bürgerzentrum Hand in Hand an der Fritz-Linde-Straße „Essen in Gemeinschaft“. Es ist immer lecker, erfahren die insgesamt 15 Ehrenamtlichen um Teamleiterin Ulrike Decker (auch Kasse) jedes Mal – und freuen sich riesig über das Lob der bis zu 50 Esserinnen und Esser. Es sind nicht immer alle 15 Teammitglieder dabei. „Es gibt zwei Springerinnen und es sind nicht immer alle da“, erklärt Ulrike Decker. Sie weist auch darauf hin, dass das Durchschnittsalter innerhalb des Teams steige und der eine oder die andere auch mit altersbedingten Einschränkungen klarkommen müsse. Aber zehn bis 12 Leute kämen meistens doch zusammen, außerdem arbeite man in Schichten.
Nach zehn Jahren: Essen in Gemeinschaft wird teurer als 2,50 Euro
Verantwortlich für den guten Geschmack ist Friedhelm Werner. Er winkt aber ab, „nein als Küchenchef oder gar Chefkoch sehe ich mich nicht, wir sind ein Team und stemmen das gemeinsam“, betont er. Dennoch informiert er sich bereits einen Monat zuvor, was man denn auf den Tisch bringen könnte. „Ich recherchiere zum Beispiel im Internet, was sich gut umsetzen lässt und stelle das dann in der Gruppe vor“, berichtet er. Gemeinsam werde dann entschieden, was dann etwa vier Wochen später auf den Tisch kommt. Zumeist am ersten Samstag im Monat findet das gemeinsame Essen im großen Saal des Bürgerzentrums statt. Im Dezember fiel das Angebot aus – Personalmangel führte dazu.
Nein als Küchenchef oder gar Chefkoch sehe ich mich nicht, wir sind ein Team und stemmen das gemeinsam.
„Es ist ja nicht nur das Hauptgericht, das wir anbieten“, erklärt Ingrid Oefenscheidt, „es gibt ja auch immer eine Nachspeise.“ Sie zeichnet für den leckeren Abschluss des Essens verantwortlich. Wie viel Arbeit daran hängt, bis die 40 bis 50 Leute endlich an den Tischen sitzen, um sich das Mahl einzuverleiben, dürfte jedem klar sein, der für eine Familie kocht, nur dass diese Familie eben sehr viel größer ist. „Aber eigentlich ist es egal, ob ich für vier oder 40 Leute koche“, lacht Friedhelm Werner, das müsse einfach nur anders organisiert werden. „Ich fange direkt nach der Festlegung, was es zu essen geben soll an, nach Angeboten zu forschen“, erläutert Werner das Prozedere. „Wenn dann Platz ist in den Gefriertruhen im Keller des Sozialen Bürgerzentrums, nutze ich den, um die Nahrungsmittel aus den Angeboten zunächst einzulagern. Falls kein Platz ist, bringe ich auch schon mal was bei mir daheim unter.“ Oder andere Teammitglieder stellen bei sich zu Hause Platz zur Verfügung. Manchmal nämlich wird der Lagerplatz vom Team der Essensausgabe, die zweimal im Monat im Hand in Hand rund 500 Leute versorgt, in Beschlag genommen, dann muss das Team von ‚Essen in Gemeinschaft‘ ausweichen.
Am Essenstag selbst geht es schon frühmorgens um 8 Uhr für die Küchenbesatzung los, schließlich wird das Essen immer frisch zubereitet. „Manchmal bereite ich am Tag vorher aber schon einzelne Zutaten vor, die eventuell mehr Zeit benötigen“, berichtet Friedhelm Werner. Er freut sich besonders darüber, dass er seit einiger Zeit einen Kollegen hat, der regelmäßig aktiv mitkocht, „das entlastet etwas“, sagt er. „Und im November war eine Dame da, die auch Kocherfahrung hat und gerne mithelfen will“, fügt er an. „Wenn immer alles nur an mir hängen bleibt, ist das nicht gut.“ Aktiv ist Friedhelm Werner auch noch bei der Awo in Kierspe, fungiert dort als Vorsitzender. Außerdem ist er im Bürgerbusverein engagiert.
Stolz sind alle auf den modernen Konvektomaten. Ein professionelles Kombinationsgerät, das mehrere Garmethoden in einem Gerät vereint und seit rund zwei Monaten zur Verfügung steht. Mit Heißluft lässt sich gleichmäßig backen und braten, mit Dampf lässt sich Gemüse, Fisch und Fleisch schonend garen und mit der Kombination von beidem gibt es zum Beispiel saftiges Fleisch mit knuspriger Kruste. „Wir haben eine Schulung von einem Chefkoch dazu bekommen“, erklärt Ulrike Decker, „das Gerät hat mit dem gewohnten Herd von Zuhause absolut nichts mehr zu tun“, erläutert sie weiter, „es schon einigermaßen kompliziert zu bedienen.“ Friedhelm Werner ergänzt: „Das ist ein Profigerät und wir sind ja alles Laien.“ Sicher sind sich aber alle: „Die Premiere mit Kohlrouladen ist in dem neuen Gerät geglückt!“
Wie alles anfing
Vor Hand in Hand wurde das ‚Essen in Gemeinschaft“ vom evangelisches Familienzentrum Felderhof organisiert, gekocht wurde im Jugendcafé Da Capo. Da wurden die Töpfe noch von daheim aus mitgebracht, die Küche war klein. Das war im Jahr 2009. Im Jahr 2014 hat dann das Hand in Hand das Angebot übernommen, ab dann stand eine richtige Küche im ehemaligen Gemeindezentrum zur Verfügung – ein echter Gewinn für das Angebot, das sich großer Beliebtheit erfreut – Monat für Monat.
Besonders wichtig ist den Ehrenamtlichen, einen gewissen Qualitätsstandard aufrechtzuerhalten. Und genau da ist der Knackpunkt. Bislang kostete das Essen – wir sprechen von einem Hauptgericht, einer Nachspeise, Kaffee und Mineralwasser – 2,50 Euro. Jeder, der einkaufen geht, weiß, wie schwierig es ist, für diesen Preis ein hochwertiges Menü anzubieten. „Wir schaffen das aber trotzdem jedes Mal“, sind Friedhelm Werner und das gesamte Team zu recht stolz auf ihr ehrenamtliches Wirken. Betrachtet man die Preisentwicklung auf dem Markt, kann einem schwindlig werden. Und so hat man sich denn auch entschlossen, den Preis anzuheben. „Wir mussten das nach mehr als zehn Jahren machen“, erklärt Adjuta Kraus, die sich als Bindeglied zwischen dem Team „Essen in Gemeinschaft“ und dem Vorstand vom Hand in Hand versteht, „anders wäre das nicht mehr zu finanzieren gewesen, mit dem Qualitätsstandard, den wir anlegen. Geschuldet ist das auch den steigenden Lebensmittelpreisen.“ Billigst kaufen kommt für das Team absolut nicht infrage. Doch was bedeutet das?
Ab sofort werden es 4 Euro sein, die für das Essen bezahlt werden müssen. Das gilt bereits für das nächste Essen, das an diesem Samstag, 3. Januar, geplant ist. Aber mal Hand aufs Herz: Was kostet beispielsweise Grünkohl, Mettwurst, Kartoffeln, eine Nachspeise sowie Mineralwasser und Kaffee in einem gut bürgerlichen Restaurant? „Da werden schnell 15 Euro fällig“, schätzt Friedhelm Werner. Das gesamte Team hofft natürlich auf das Verständnis der Teilnehmer an den Essen.
Wie läuft es in der Regel? Und was gibt es beim nächsten Essen auf den Tisch? Das erfahren die Gäste bereits beim Essen vier Wochen zuvor. Dann liegen die Listen auch aus, wo man sich anmelden kann. Das geht auch telefonisch bis zu einem bestimmten Stichtag. Wenn dann klar ist, wie viele Gäste zum Essen kommen, kann geplant werden. Wie viel Gemüse, wie viel Fleisch, wie viele Beilagen sind nötig? Und falls jemand absagen muss, ist das auch kein Problem, „wir führen eine Warteliste“, erklärt Ulrike Decker.
Dass das „Essen in Gemeinschaft“ ein Erfolgsrezept ist, spornt das Team an. „Es ist immer ausgebucht, die Menschen treffen sich dort, sprechen miteinander und genießen die gemeinsame Zeit“, erklärt Ulrike Decker. Und eines steht fest: „Wir würden auch keinem das Essen verweigern, der es sich nicht leisten kann“, unterstreicht Friedhelm Werner den gemeinsamen Anspruch. „Und wenn einer mal nur weniger geben kann, als die geforderten vier Euro, gibt es auch dafür eine Lösung.“