Leipzig. Sieben Monate nach einem Kellerbrand im Leipziger Nordwesten kehrt in einem Mehrfamilienhaus in Wahren langsam wieder Normalität ein. Das warme Wasser fließt wieder, die Heizungen laufen. Für die Mieterinnen und Mieter endet damit eine monatelange Ausnahmesituation. So schreibt René Dorbert in einer E-Mail: „Bei mir funktioniert die Versorgung seit Anfang Dezember wieder.“ Kein Kanisterschleppen mehr, keine improvisierten Lösungen.

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Vor gut zweieinhalb Monaten hatte er öffentlich gemacht, dass er nach dem Brand Ende April 2025 über Monate ohne fließendes Wasser und ohne Heizung in seiner Wohnung ausgehalten hatte. Bei dem Feuer im Keller waren zentrale Versorgungsleitungen beschädigt worden, das Haus galt zeitweise als unbewohnbar. Von der Hausverwaltung hieß es damals, die Mieterinnen und Mieter müssten sich selbst um Ersatzunterkünfte kümmern.

Mieter René Dorbert im Keller des Hauses. Hier hatte es im April 2025 gebrannt.Einige Mieter gaben ihren Wohnungen ganz auf

Viele zogen vorübergehend aus, einige gaben ihre Wohnungen ganz auf. Dorbert blieb. Er schleppte Wasserkanister in den dritten Stock, wusch sich mit einer Gartendusche und arbeitete weiterhin aus seiner Wohnung heraus. Abfinden wollte er sich mit den Zuständen nicht. Er suchte den Kontakt zur Hausverwaltung, fühlte sich alleingelassen, machte den Fall öffentlich, versuchte auf verschiedenen Wegen, Bewegung in die Sache zu bringen. Doch die Sanierung ließ lange auf sich warten.

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Die Hausverwaltung verwies auf komplexe Abläufe. Die Dauer der Arbeiten sei durch Abstimmungen innerhalb der Wohnungseigentümergemeinschaft, Vorgaben der Gebäudeversicherung sowie durch die Einbindung von Gutachtern und Fachfirmen geprägt gewesen. Zudem hätten einzelne Maßnahmen nur nacheinander erfolgen können, teils abhängig von der Verfügbarkeit spezialisierter Handwerksbetriebe.

Nachbarin fordert Lösungen

Auch andere Bewohnerinnen und Bewohner versuchten, Druck aufzubauen. Dorberts Nachbarin Lisa Trzebinsky wandte sich im Herbst an Leipziger Bundestagsabgeordnete und Stadträte, eine Rückmeldung erhielt sie jedoch nicht. Lediglich die Stadtverwaltung habe reagiert und mitgeteilt, in diesem Fall nicht helfen zu können, berichtet sie.

Ich bin erleichtert, aber auch noch wütend, denn ich musste mein ganzes Leben umstrukturieren.

Lisa Trzebinsky

Mieterin

In ihrem Schreiben schilderte Trzebinsky die aus ihrer Sicht unzumutbaren Zustände. In den vergangenen Monaten lebte sie bei ihrem Partner in Nordrhein-Westfalen und pendelte mehrfach zu ihrem Arbeitsplatz nach Leipzig. Eine Homeoffice-Lösung aus Kulanz ist befristet bis zum Jahresende. Entsprechend groß war ihre Sorge, den Job zu verlieren. Inzwischen kann auch sie in ihre Wohnung zurückkehren.

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Verdacht, die Mieter zum Kündigen zu drängen

„Ich bin erleichtert, aber auch noch wütend, denn ich musste mein ganzes Leben umstrukturieren“, erzählt Trzebinsky am Telefon. Die Unsicherheit, das ständige Hin und Her und die Angst um den Arbeitsplatz seien irgendwann zu viel geworden. Sie kam ins Krankenhaus, die Belastung sei schlicht zu hoch gewesen.

Zudem beschlich sie der Verdacht, dass Mieterinnen und Mieter durch die Verzögerungen zermürbt und zum Kündigen gedrängt würden. Mehrmals im Monat habe sie bei Eigentümer und Verwaltung angerufen, doch niemand habe sich aus ihrer Sicht verantwortlich gefühlt. Besonders enttäuscht zeigt sie sich von der Hausverwaltung.

Hausverwaltung erklärt Zustand der Sanierung

Die technische Grundversorgung sei inzwischen weitgehend wiederhergestellt, teilt die Immobiliengruppe Rhein-Neckar mit, die mit der Verwaltung der Immobilie beauftragt ist. Heizung, Wasser und Strom funktionierten, der Keller sei vollständig saniert und sämtliche Versorgungsleitungen erneuert worden. Auch Treppenhaus und Allgemeinbereiche seien instandgesetzt.

Die meisten Mietparteien hätten ihre Wohnungen bereits wieder beziehen können. In wenigen Einheiten dauerten Arbeiten aufgrund baulicher Besonderheiten noch an, diese sollten bis Ende 2025 abgeschlossen sein. Über den Verlauf der Sanierung und notwendige Anwesenheit seien alle Mieterinnen und Mieter schriftlich informiert worden.

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Unabhängig davon bleibt bei vielen Betroffenen ein Gefühl der Ohnmacht. Der Fall zeigt, wie begrenzt der Einfluss von Mieterinnen und Mietern ist, wenn Versicherungen, Eigentümergemeinschaften und Sanierungsabläufe sich abstimmen – und wie schnell aus einem akuten Schadensfall ein monatelanger Ausnahmezustand werden kann.

LVZ