Pirouetten auf dem Eis drehen die Besucher schon seit vier Jahren an anderer Stelle. Ende September 2021 eröffnete der Neubau der Eissporthalle an der Kappeler Straße. Seitdem ist die an der Paulsmühlenstraße gelegene alte Einrichtung nicht mehr in Betrieb. Zwischenzeitlich war dort während Corona noch ein Testzentrum eingerichtet. Aber jetzt wartet das Gebäude nur noch auf seinen Abbruch.
Was dort entsteht, hatte Oberbürgermeister Stephan Keller Ende August etwas überraschend vom Zeitpunkt her bei einem städtischen Termin zur Zukunft des Reisholzer Hafens erzählt. So kurz vor der Kommunalwahl, bei der er in seinem Amt bestätigt wurde, wollte er wohl noch mal den Wählern deutlich machen, dass er das Wohnraum-Problem angeht. Rund 220 Wohnungen, so erzählte es Keller damals, sollen dort durch den Projektentwickler Sassenscheidt gebaut werden. Ein mittelständisches in Düsseldorf ansässiges Familien-Unternehmen, das in der vierten Generation von Eric Sassenscheidt geführt wird, der das Projekt damals auch gegenüber unserer Redaktion bestätigte.
Nun also doch Wohnungen. Dabei hatten sich die in der Bürgerinitiative „Lebenswerte Paulsmühle“ engagierten Anwohner dort schon vor dem Baubeginn der Paulshöfe direkt gegenüber der alten Eishalle mit den rund 550 neuen Wohnungen keine weitere Verdichtung gewünscht. Er sei mit den Mitgliedern der Initiative bereits im Gespräch, sagte Sassenscheidt bei einem Termin mit unserer Redaktion. Er hoffe, dass sein Unternehmen Anfang 2026 die gestellte Bauvoranfrage genehmigt bekomme. Die Hälfte des Wohnraums solle frei finanziert, die andere öffentlich gefördert sein, so Sassenscheidt. Er kann sich gut vorstellen, auf dem Gelände auch Wohnraum entstehen zu lassen, der sich explizit an Firmen wendet. Personal werde weiterhin gesucht und es sei für dieses oft schwierig, in der Nähe einer Arbeitsstelle eine Wohnung zu finden. Ein Vorreiterprojekt für Düsseldorf, wie er findet.
Bei einem anderen Projekt im Düsseldorfer Süden muss er allerdings trotz einer erteilten Baugenehmigung mehr oder weniger wieder bei Null anfangen. Auf dem Eckgrundstück Bonner Straße 117/Niederheider Straße wollte Sassenscheidt das Projekt „One 17“ umsetzen. Auf sechs Stockwerken und einer Bruttogesamtfläche von 20.000 Quadratmetern sollten sich nach Abschluss der Bauarbeiten sowohl etablierte Unternehmen als auch Start-ups ansiedeln. Im Erdgeschoss war außerdem Platz für Gastronomen. Ein Innenhof mit Sitzgelegenheiten sollte nach Wunsch der Entwickler dem Komplex einen Campuscharakter verleihen. 2021 hatte Sassenscheidt das Areal von Henkel gekauft und überplant mit einem auch architektonisch interessanten Büro-Komplex. So ist es noch auf der Website zu lesen.
Doch in den Zeiten von Homeoffice sowie der Wahl von Donald Trump zum US-amerikanischen Präsidenten und der dadurch offensiv betriebenen Verschlechterung in den Wirtschaftsbeziehungen zwischen den USA und Europa ging sein Geschäftsmodell den sprichwörtlichen Bach runter. Er habe einen Vorvertrag mit einem großen amerikanischen Unternehmen gehabt, das einen Großteil der Fläche hätte anmieten wollen; doch das habe seine Zusage nach der US-Wahl zurückgezogen, erläuterte Sassenscheidt.
Nun muss er dort umplanen und die Baugnehemigung verfallen lassen. Weil es sich dort um ein im Bebauungplan festgesetztes Gewerbe- und Industriegebiet handelt, ist das Schaffen von normalen Wohnraum nicht möglich. Seine Hoffnung ist es, in Gesprächen mit der Stadt eine Lösung zu finden. Seine Idee: dort gewerbliches Wohnen für Beschäftigte oder Auszubildende zu ermöglichen.
Gewerbliches Wohnen oder „Serviced-Apartments“ ist ein Oberbegriff für Mietmodelle, die zeitlich begrenzt sind. Sie können in Gewerbegebieten entstehen, wo langfristiges Wohnen eigentlich nicht gestattet ist.