Freitagmittag macht es sich der junge Mann mit dem Undercut, der sich Benji nennt, auf einem der Ledersitze im oberen Stock bequem. Von den Decken hängen Vogelkäfige und wunderlich viele Diskokugeln. Benji ist jetzt seit elf Stunden in der Wilden Renate, sagt er, meistens unten im Erdgeschoss, wo der Dancefloor noch düsterer ist und die Bässe noch durchdringender wummern.

Eigentlich war das hier als Abschiedsparty geplant. Nach 18 Jahren würde der Club an der Elsenbrücke schließen müssen, hieß es. Angeblich werde der Mietvertrag nicht verlängert. Die Renate drohte das nächste Opfer im langsamen Verschwinden der Berliner Clublandschaft zu werden.

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Also wollte man sich Silvester mit einer Party verabschieden, die in Erinnerung bleibt. Und zwar 86 Stunden lang. Es sollte ein letzter langer Rausch werden, und da wollte Undercut-Benji unbedingt mit von der Partie sein. Er hatte sich damals geärgert, als Ende 2024 das Watergate schloss und er nicht in Berlin war. Weil sich die Betreiber der Wilden Renate nun doch noch mit dem Eigentümer des Grundstücks einigten, heißt die Marathonparty jetzt nicht mehr „Final Round“, sondern „It’s not over“. Ein Mann kommt vorbei, er sucht seine Sonnenbrille.

Die Renate steht für das Berlin der letzten zwei Jahrzehnte: für improvisierte Freiräume, für Orte, die nie schick sein wollten, sondern offen. 

© IMAGO/Berlinfoto

Die Renate in Friedrichshain ist ein Paradebeispiel für die Berliner Clubszene im Jahr 2026. Vor allem wegen des auslaufenden Mietvertrags von Verdrängung bedroht, hält der Club sich dennoch seit Jahren – und erfindet sich immer wieder neu. Vieles, was lange funktionierte, klappt seit der Pandemie nicht mehr. Probleme, die vorübergehend erschienen, haben sich zementiert. Gleichzeitig entsteht Neues. Wo steht die Berliner Clubszene heute? Wir sind auf der Suche nach Antworten durch Clubs in ganz Berlin gezogen.

„It’s not over“

Die Wilde Renate steht für ausschweifenden Hedonismus. Für Lebensbejahung. Dafür, sich im Moment zu verlieren, umgeben von Menschen in unterschiedlichen Kosmen und Aggregatzuständen. Die Renate ist ein unsaniertes, unansehnliches Berliner Mietshaus mit grauer Fassade. Die Dancefloors sind über verschiedene Treppenaufgänge erreichbar, ein verwinkeltes Labyrinth für Erwachsene.

Im Erdgeschoss hängt ein weißer Zettel, auf dem steht, wann welcher DJ auflegt und wo. Morgen, also am Samstag, dem 3. Januar, spielt um 19 Uhr Gelbes Pep aus Düsseldorf.

Die Renate steht für das Berlin der letzten zwei Jahrzehnte: für improvisierte Freiräume, für Orte, die nie schick sein wollten, sondern offen. Für ein Nachtleben, das nicht nur auf Rendite aus war. Dass ausgerechnet solche Orte immer wieder um ihre Existenz kämpfen müssen, erzählt viel über eine Stadt, in der Boden und Mietpreise steigen, Aufwertung Zwischennutzungen beendet und Kreative in die Peripherie drängt. Eine Stadt, in der Kultur zunehmend erklären muss, warum sie bleiben darf.

Am Eingang der Renate werden, wie bei allen guten Berliner Clubs, die Kameras der Smartphones abgeklebt. Nicht, weil hier ständig wilde Dinge passieren. Sondern um Menschen überhaupt erst den Raum zu geben, so zu sein, wie sie sind – oder in diesem Moment sein möchten. Der Club als Safe Space.

Direkt neben dem about blank am Ostkreuz wurde im Sommer 2025 ein Hotelneubau mit 240 Betten genehmigt. Im Bezirk Friedrichshain gibt es Widerstand gegen den Plan.

© IMAGO/dts Nachrichtenagentur

In der Wilden Renate trifft man keine aggressiven Menschen, sagt Benji. Keine Macker. Ein Grund dafür könnte sein, dass niemand betrunken ist. Weil Alkohol von allen Drogen, die in Clubs wie diesem konsumiert werden, den dumpfesten Rausch verspricht. Unangenehmer als Betrunkene seien eigentlich nur Kokser, sagt Benji. Wer in der Wilden Renate auf dem Dancefloor aus Versehen einem anderen Gast auf die Füße tritt, hat gute Chancen, dass der Getretene sich entschuldigt.

Partytourismus

Der Mythos von Berlin als Technostadt ist eng verknüpft mit Tourismus. Gerade die großen Namen, Berghain und Tresor, und auch die Renate, leben zu einem großen Teil von Touristen. In einer Freitagnacht vor dem Tresor, der als Touri-Club bekannt ist, lässt sich das beobachten. Gegen 1.30 Uhr ist die Schlange mal 20 Meter lang, mal fünf. Kürzer wird sie nicht.

Drei Griechen Anfang 20 wurden gerade abgewiesen. Sie sind für ein paar Tage in Berlin, erzählen sie auf Nachfrage, nicht nur zum Feiern. Sie haben Verständnis für die Türpolitik. „Ich denke mal, sie haben einen Grund“, sagt einer von ihnen. Welchen, das wissen sie allerdings nicht. Um die Ecke ist das Kitkat, ebenfalls international bekannt, vor allem für seine ausschweifenden Sexpartys, sie wollen es jetzt dort probieren.

Mal ist die Schlange vor dem Tresor fünf Meter lang, mal zwanzig. Kürzer wird sie so gut wie nie.

© imago images/F. Anthea Schaap

Auch vor dem Club: eine Gruppe Wiener im Millennial-Alter, sie wohnen in Berlin. Ein 19-jähriger Australier. Zwei hippe Amerikaner mit einem irischen Freund.

Halb auf dem Bürgersteig, halb auf der Straße liegt ein bewusstloser junger Mann. Neben ihm sitzt eine junge Frau, Noa, 20 Jahre alt. Sie hat den Freund in die stabile Seitenlage gebracht, zwei weitere Freunde holen gerade Wasser am Späti. „Everything okay“, beruhigt Noa mehrfach besorgt dreinschauende Passanten. Auch sie wurden gerade am Tresor abgewiesen. Die Gruppe ist laut, sie kommt aus Barcelona. „Wir waren noch nie in Berlin und die Flüge waren billig, 50, 60 Euro.“ Sie wollen in Berlin Techno feiern gehen, sagt Noa. „Wir wollten eigentlich ins Berghain, aber wenn wir schon hier abgewiesen wurden, weiß ich nicht, ob wir es dort schaffen.“

Vor dem Tresor ist die alte Tresortür von der ursprünglichen Location aufgestellt. Der Club befand sich ab seiner Gründung 1991 im Tresorraum des ehemaligen Kaufhaus Wertheim in der Leipziger Straße. Seit 2007 liegt er in der Köpenicker Straße.

© Cristina Plett

Club und Community

Damit wirkt die Gruppe wie ein Klischee aus einer anderen Zeit: der des Easyjetsets. Der Journalist Tobias Rapp beschrieb das Phänomen 2009 in seinem Buch „Lost and Sound“. „Jedes Wochenende bevölkern junge Leute aus ganz Europa ein paar Kilometer am Berliner Spreeufer; sie kommen mit Billigfliegern.“ Das war damals. Wie ist es heute? Die Billigflieger sind nicht mehr so billig, Berlins Tourismus stagniert. Die absoluten Gästezahlen haben das Prä-Pandemie-Niveau von 13,9 Millionen Gästen nicht wieder erreicht. 2024 kamen immerhin wieder 12,7 Millionen Gäste, doch für 2025 zeichnet sich ab, dass es wieder weniger sein werden.

Das spüren die Clubs. „Das Nachtleben lebt viel vom Tourismus, da macht sich das auf jeden Fall bemerkbar“, sagt Emiko Gejic, die Sprecherin der Clubcommission, der Interessenvertretung der Berliner Clubs. Dazu kommt: Im Vergleich zu vor der Pandemie klagen viele Clubs über weniger Besucher. Gejic von der Clubcommission habe das von vielen Clubbetreibenden gehört, aber: „Es ist sehr unterschiedlich, je nach Veranstaltung, Club und Community.“ 

Das Berghain steht für das Berliner Clubleben wie kein anderer Club, unverändert ein Magnet für Touristen und Einheimische.

© imago/Marius Schwarz

Das Stichwort Community und damit Veranstaltungskollektive sind seit der Pandemie deutlich wichtiger geworden: Partyreihen, die sich einen Namen gemacht haben, ihre DJs und ihr Publikum mitbringen. Die Promo für die Party übernehmen sie in den meisten Fällen auch. Statt selbst das Musikprogramm DJ für DJ zusammenzustellen, setzen viele Clubs daher auf Kollektive. Weil diese oft aus mehreren Menschen bestehen, die das ehrenamtlich machen, reduziert das ein Stück weit den finanziellen Druck. Die Kehrseite liegt auf der Hand: Das kann mit Selbstausbeutung einhergehen.

Ab in die Randbezirke

Während mit dem Watergate und dem SchwuZ im vergangenen Jahr zwei große, etablierte Clubs schließen mussten, ist an den Rändern der Stadt Neues entstanden. Ende November erfreute sich ganz Berlin und auch die überregionale Presse daran, dass im Westen der Stadt zwei neue Clubs eröffneten: der AM Club in Spandau und das C115 auf der ehemaligen Avus-Tribüne im Westend. Was aus beiden wird, bleibt abzuwarten. In Spandau fanden erst zwei Partys statt. Das C115 möchte der Betreiber nicht im Dauerbetrieb als Club nutzen, sondern auch als Eventlocation. Businesslunch, Dinnerpartys oder Filmscreenings seien möglich, sagte er der „taz“.

Neuerdings befindet sich auf der Tribüne der Stadtautobahn Avus, ehemals eine Rennstrecke, der Club C115.

© imago/Schöning

Es ist eine Mischung, die man angesichts steigender Kosten – Mieten, Energie, DJ-Gagen, Personal – immer häufiger antrifft. Die Eventlocation Coco Boule etwa, Anfang 2025 in zentraler Lage am Moritzplatz eröffnet, veranstaltet manchmal Technopartys, aber auch die Weihnachtsfeier von Netflix fand dort statt.

Gerade Clubs mit einem großen Außenbereich, wie dem Yaam oder dem about blank, setzt auch noch die Grundsteuerreform zu. Die gilt seit einem Jahr: Wenn Kulturorte oder Gewerbe in einer Gegend liegen, in der sonst überwiegend Wohnungen stehen, wird die Fläche hoch besteuert. Grundsteuer wird für das verlangt, was finanziell aus der Fläche herauszuholen wäre – egal, wie sie gerade tatsächlich genutzt wird. Die Mehrkosten sind teilweise so hoch, dass sie laut der Clubcommission für einige Standorte das Aus bedeuten könnten. Das Yaam etwa müsse über 1300 Prozent mehr zahlen, sagte Marcel Weber, Vorsitzender der Clubcommission, dem Tagesspiegel im Dezember

Durch die Bank weg sind die Eintrittspreise gestiegen, 25 bis 30 Euro zahlt man heute in den großen Clubs von Berghain bis RSO. Doch es gibt Kollektive und Gruppierungen, die der Kostenspirale etwas entgegensetzen wollen. Dafür muss man an den Stadtrand fahren, wo es noch Platz und erschwingliche Mieten gibt. Dort findet man ihn: einen Do-it-yourself-Spirit, 15 Euro Eintritt und Bier für 3 Euro.

Eine Nacht im Tresor in den 1990ern. Damals war es dort billig, heute kostet allein der Eintritt 25 Euro.

© imago/Christian Ditsch

Eine Party im Süden Berlins. Das Bürogebäude aus den Siebzigerjahren betritt man über den Hinterhof. Vorne ein Möbel-Laden. Im Obergeschoss des Seitenflügels ein großer, zum Club umgebauter Raum. Die selbst gebaute Anlage hat Wumms. Seit dem vergangenen Sommer wird der Ort bespielt, erzählt der Mann an der Garderobe. „Ihr habt noch nicht viel verpasst“, das sei hier gerade noch am Beginnen, gibt er uns verschwörerisch mit auf den Heimweg. Die Party wird noch bis 12 Uhr mittags laufen.

Oder einige Kilometer weiter östlich, wenige Wochen später, in Britz. Um 1 Uhr nachts sitzen an einem Samstagabend noch Leute im „Zum Netzroller“, dem Lokal eines Tennisclubs. Gegenüber leuchtet ein blaues Schild, darauf steht in gelber Schrift „Blue Velvet – Party-Insel der reiferen Jugend“. Das Gebäude mutet wie das Gemeinschaftshaus eines Schrebergartenvereins an. Hier sei mal ein Swingerclub gewesen, erzählt Julian Martin, Mitglied des gemeinnützigen Vereins, der das Blue Velvet betreibt, am Telefon. „Heute ist es ein DIY-Space und Clubraum.“

Das Blue Velvet befindet sich in Britz gegenüber von einem Tennisclub. Auf dem Schild steht: „Blue Velvet – Party-Insel der reiferen Jugend“.

© Cristina Plett

Drinnen gibt es auch hier eine sehr gute Anlage, dazu ein professionelles Lichtkonzept. Und trotzdem einen barackigen Charme, abgewetzte Sofas und Sekt für fünf Euro Spendenempfehlung. Zwei bis drei Mal im Monat finden hier Partys statt, im Rest des Gebäudes sind Probenräume und Ateliers. Der Garten ist 1600 Quadratmeter groß, im Sommer steigen dort Open Airs.

Die Gruppe um das Blue Velvet hatte ursprünglich einen Probenraum und Community Space an der Karl-Marx-Straße. Dort mussten sie raus. Dann bekamen sie vom Bezirk die Aussicht auf diesen Ort am Britzer Garten, wie Martin erzählt. 2023 eröffneten sie im „soft opening“. „Ich merke, dass es vonseiten der Stadt ein Wohlwollen gibt, dass so etwas passiert, dass man so was ins Leben rufen kann.“ Der Bezirk und der Kultursenat hätten ihnen nun einen Erbbaurechtsvertrag über 60 Jahre angeboten. Bevor das Blue Velvet einzog, stand das Gebäude lange leer. Nun sind hier Menschen, die den Ort instand setzen und weiterentwickeln wollen, so sieht es Martin. Sie überlegen, es zu machen, sagt Martin, „die Veranstaltungen bei uns laufen immer professioneller“. Noch stünden sie erst am Anfang der Verhandlungen.

Es hat auch Positives, wenn sich Clubkultur verbreitet und neue Räume dort entstehen, wo es bisher noch kein ausgeprägtes Nachtleben gibt.

Emiko Gejic von der Berliner Clubcommission

Doch nimmt das Partyvolk den Weg auf sich? Die nächste Bushaltestelle ist zehn Minuten Fußweg entfernt, die nächste U-Bahn-Station eine halbe Stunde. Aus Kreuzberg zahlt man samstagnachts rund 30 Euro für die Fahrt in einem Taxi. Viele andere Clubs liegen deutlich zentraler. Solange es sie noch gibt. „Es gibt Partys, die voll sind und wo die Hälfte der Gäste mit’m Taxi kommt“, sagt Martin. „Dann gibt es Partys, die eigentlich eine stabile Followerschaft haben und halb leer sind. Für beide Fälle müssen wir einen Weg finden, damit umzugehen und gleichzeitig finanziell stabil zu bleiben.“

Emiko Gejic von der Clubcommission findet die Bewegung an den Rand erst mal gut. „Es hat auch Positives, wenn sich Clubkultur verbreitet und neue Räume dort entstehen, wo es bisher noch kein ausgeprägtes Nachtleben gibt.” Aber: „Die Verlagerung der Szene in die Außenbezirke ist in dem Sinn problematisch, dass sich nicht alle Personen nachts sicher auf der Straße in weniger belebten Bezirken bewegen können. Vor allem queere Personen sind hier betroffen, besonders vor dem Hintergrund vermehrter Angriffe im vergangenen Jahr auf queere Personen und Orte.“ Für sie seien Touristenmagnete wie das Berghain genauso relevant wie ein DIY-Space in Britz. „Es ist wichtig, diese Vielfalt zu erhalten.“

Keine Feier ohne den Fiskus

Sonntagabend, kurz vor Mitternacht. Der Kater Blau liegt direkt am Spreeufer. In dem Raum, den sie „Acid Bogen“ nennen, lehnt Mariana an der Bar. Bisschen Pause machen. Sie ist Kolumbianierin und arbeitet eigentlich in der Schweiz. Den Kater, sagt sie, habe sie seit dem Vorabend nicht verlassen. Zuerst habe sie sich hier ein bisschen unwohl gefühlt, weil sie mit dunkler Bluse und Stoffhose gekommen ist, Business-Look, und sich das komisch anfühle zwischen all den Jogginghosenträgern. Doch dann habe sie gemerkt, dass es niemanden stört außer sie selbst.

Das Kater Blau hieß auch schon mal Bar 25. Der Nachfolger vom Kater Holzig ist es auch noch.

© IMAGO/dts Nachrichtenagentur

Der Kater Blau steht wie kein anderer Club in Berlin für die vielen Metamorphosen der Szene. In den Nullerjahren befand sich auf dem Gelände die Bar 25, immer knallvoll, ein Hotspot der Hedonisten und der Easyjetter. Doch die Betreiber verfügten über keinen langfristigen Mietvertrag, das Gelände gehörte der BSR, die es an den Höchstbietenden verkaufen wollte. Die Bar 25 stellte den Betrieb ein, ihre Macher starteten direkt auf der anderen Spreeseite in einem heruntergekommenen Backsteinbau das Kater Holzig und planten die baldige Rückeroberung des alten Areals. Sie gründeten eine Genossenschaft, überzeugten eine Schweizer Pensionskasse, das Grundstück zu kaufen, es ihnen per Erbbaurecht zu überlassen, und ließen ein ganzes Stadtquartier entstehen. Künstler und andere Kreative wohnen und arbeiten hier, es gibt Bars und Restaurants und eben den Kater Blau.

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Von der Terrasse aus kann man direkt auf die Spree schauen. Eine Italienerin mit rot gefärbten Haaren fragt, ob sie sich das Feuerzeug ausleihen darf. Sie ist ganz verschwitzt vom Tanzen. Sie blickt in den Nachthimmel und auf die Bahngleise nebenan. Ein Zug fährt vorbei, ICE steht drauf. Die Italienerin rollt mit den Augen, sagt: „Fuck ICE“, und jeder in der Runde hier weiß, dass sich die Frau hier nicht über die Deutsche Bahn aufregt, sondern die amerikanische Einwanderungsbehörde.

Die Stadt ändert sich, doch die Clubs scheinen zu überleben. So wie das Kater Blau, so wie die Renate. Nur werden sie nicht geballt in der alten Mitte bleiben können, die die Berliner Clubszene weltberühmt gemacht hat.