Jahrelang habe ich sie von Bord der AIDA-Flotte gesehen: riesige Kreuzfahrtschiffe von MSC, Costa, TUI Cruises und Royal Caribbean. Jahrelang habe ich zur Familie gesagt: „Da will ich mal drauf!“ Schließlich schwärmen Hunderttausende Urlauber von den modernen Schiffen.
Jetzt sind auf Worte endlich Taten gefolgt: Ich hatte eine Woche Mittelmeer mit MSC gebucht – die viel gepriesene Weihnachtsreise!

Die sogenannte Promenade auf MSC. Hier erlebt Robin Halle kurz nach dem Einschiffen eine böse Überraschung. (Foto: roh)
Kein Reisebüro im Vorfeld, fix im Internet über Check 24.de gemacht. Zeitraum: 21. bis 28. Dezember 2025. Route: Genua (Italien), Civitavecchia/Rom (Italien), Messina (Sizilien), La Valletta (Malta), Barcelona (Spanien), Marseille (Frankreich), Genua. Schiff: MSC World Europa. Kosten bei eigener Anreise, zwei Erwachsene, Balkonkabine: 2584 Euro.
Kosten: 3321 Euro für sieben Tage
Klar, dabei bleibt es nicht. Zusatzkosten, gebucht über das MSC-Bordportal: Getränkeflat „Easy“ 242 Euro, also 15 alkoholische Getränke p. P. und Tag. Wlan-Flate 145 Euro. Fahrtkosten von/nach Ravensburg 350 Euro (Benzin, Maut, Valet Parking). Insgesamt 3321 Euro für sieben Tage. Nicht preiswert, aber okay. AIDA kostet bei eigener Anreise ungefähr das Gleiche.

Noch liegt das Schiff im Hafen. Bei der Weihnachtsreise sind später 6774 Gäste an Bord. (Foto: roh)
Natürlich hatten mich in Deutschland einige Fragen beschäftigt: Wie gestaltet sich der Alltag auf MSC? Wie wird Weihnachten gefeiert? Wie viele Deutsche sind wohl an Bord? Allerdings wollte ich im Vorfeld bewusst nicht googeln. Ich wollte mir vorurteilsfrei ein Bild machen, ohne Vergleiche zu meinen 54 AIDA-Reisen anzustellen. Und ich hatte richtig Lust auf das Schiff. 2022 in Dienst gestellt, 13 Restaurants, großer SPA-Bereich, Einkaufszone – das klang alles gut.
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Lob für das Einschiffen
Traurig, aber wahr: Es hat keine Stunde gedauert, da wollte ich nur noch eins: runter von dem Kutter!
Fairerweise muss man sagen: Das Einschiffen war perfekt. Keine Schlange am Kreuzfahrtterminal, kurz den Pass vorgezeigt, kein Warten auf die Bordkarten (hängen bei MSC an der Kabinentür), Koffer werden gebracht – besser geht’s nicht!

Die neuen Gäste betreten das Einkaufszentrum. Musik dröhnt aus den Boxen, es wird rasch voll. (Foto: roh)
Doch der erste Eindruck macht den Spitzen-Check-In sofort zunichte. Um es im Präsens zu erzählen: In der Einkaufszone, die sich über drei Decks erstreckt, dröhnt Musik aus allen Boxen. So laut, dass man sich förmlich anschreien muss. Zusätzlich tanzen Kellner mit Nikolausmützen über die Gänge, was zwei Minuten nach dem Einschiffen ziemlich albern wirkt.
Lange Wartezeiten vor jedem Fahrstuhl
Wer den Fahrstuhl nutzen will, muss von außen das gewünschte Deck anwählen. Weil das jeder macht, dauert es ewig, bis der Fahrstuhl kommt. (Foto: roh)
Und es folgt Schock auf Schock. Hunderte Menschen schieben sich in Richtung der Fahrstühle. Entspannte Urlaubsatmosphäre gleich null. Vor den Fahrstühlen fehlt der übliche Knopf „Fahrstuhl anfordern“. Jeder Gast muss seine gewünschte Decknummer eingegeben, danach wird ein Fahrstuhl mittels Buchstabe zugewiesen. Es dauert fünf Minuten, bis unser Fahrstuhl kommt. Ein schlechter Witz!
Tolle Kabine, aber …
Schock in der Kabine: Der gebuchte Balkon befindet sich innen oberhalb der Promenade, nicht an der Meerseite. (Foto: roh)
Der größte Schock jedoch: Angekommen in der Kabine traue ich meinen Augen kaum. Die (schöne) Kabine verfügt zwar über den gewünschten Balkon, aber: Der Balkon befindet sich innen! Man sieht die Promenade, nicht das Meer. Ich schaue sofort in die Reiseunterlagen, ob das sein kann. Tatsächlich steht dort „Balkon BB“. Auf die Idee, dass es „BB“ Innen bedeutet, bin ich beim Buchen nicht gekommen. Mein Fehler also. Und doppelt frustrierend: Auf dem Innen-Balkon ist das Rauchen verboten. Spätestens jetzt ist meine Laune komplett im Keller.

Im Buffet-Restaurant „Mercato“ ist jeder Platz besetzt. Gegessen wird von Plastiktellern. (Foto: roh)
Und es wird nicht besser. Es dauert 15 Minuten, bis wir um 16 Uhr im Buffetrestaurant „Mercato“ einen freien Tisch ergattern. Weitere zehn Minuten, bis wir uns durch die Schlangen am (guten) Buffet wühlen. Wohlgemerkt: Mit Plastiktellern in der Hand. Geschirr gibt’s später nur beim Abendessen an gesetzten Tischen.
Überall herrscht Krach
Statt Geschirr gibt’s allerdings eins: Krach! An den Tischen sitzen Hunderte Italiener, die unfassbar laut sprechen. Neben Italienern sind hauptsächlich Spanier, Asiaten und Amerikaner an Bord. Deutsche sind kaum auszumachen. Die erste Durchsage tätigt ein Italiener, dessen gebrochenes Englisch kaum zu verstehen ist.
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Die traurige Wahrheit: Wir liegen immer noch im Hafen von Genua, sind eine Stunde an Bord – und komplett genervt. Ich sage tatsächlich zu meiner Freundin: „Lass uns zurückfahren. Wir feiern Weihnachten zu Hause.“ Sie erwidert: „Nein! Wir haben bezahlt, jetzt ziehen wir das durch. Es ist bestimmt nicht alles schlecht.“
Gute Auswahl beim Abendessen
Die tägliche Speisekarte muss von einem QR-Code gescannt werden. Aber das Essen ist lecker. (Foto: roh)
Tatsächlich hat sie recht. Das Abendessen an den zugewiesenen Plätzen im Restaurant „Hexagon“ schmeckt lecker (übrigens während der gesamten Reise). Unser persönlicher Kellner Abdulatif ist freundlich, kompetent und zuvorkommend.

Im Restaurant „Hexagon“ wird den Gästen ein Tisch zugewiesen. Gegessen wird immer zur gleichen Uhrzeit am gleichen Platz. (Foto: roh)
Tischbesetzung nervt
Aber: Die Tischbesetzung nervt. Rechts vier Griechen, die kein Wort sagen. Links drei Italiener, die kein Wort Englisch verstehen. Langweiliger geht’s kaum. Umsetzen geht nicht, weil alle Tische besetzt sind. Das Schiff ist mit 6774 Gästen komplett ausgebucht. Wir müssen jeden Abend um 18.30 Uhr an unserem Tisch erscheinen – oder im Buffet-Restaurant Schlangestehen.
Wieder ein Minuspunkt: Das Auslaufen.
Beim Auslaufen werden keine Lieder gespielt. Auf AIDA verfolgen bekanntlich Hunderte Gäste jedes Auslaufen, während „Sail away“ von Enya erklingt. Auf MSC interessiert die Abfahrt aus den Häfen kaum. Deshalb lautet mein Fazit am ersten Tag: „Das Schiff ist beeindruckend, aber es fehlt das Herz.“

Die Shows sind unterhaltsam und abwechslungsreich – wenn man denn einen Platz findet. (Foto: roh)
Um die positiven Aspekte der kommenden Tage hervorzuheben: Die Shows sind hochwertig, abwechslungsreich und teilweise spektakulär. Im Fitnessstudio können moderne Trainingsgeräte genutzt werden. Wer einkaufen möchte, findet in den Shops fast alles. Alle Mitarbeiter sind freundlich. Das Internet funktioniert rund um die Uhr. Das Essen ist reichhaltig und schmackhaft. Wer möchte, kann spätabends noch Hot Dogs, Burger oder Pizza essen. Und vor allem: Sämtliche Ziele der Reise sind mehr als sehenswert.
Vieles kostet extra
Negativ wiederum: Vieles kostet extra. Wellnessbereich, Kino, Spiele, Spezialitätenrestaurants, ein Kaffee in der Kaffeebar und sogar das Mineralwasser in der Minibar (trotz Getränkeflat). Wer kein weiteres Geld ausgeben will, kann faktisch nur in drei von 13 Restaurants essen: Hexagon, Mercato und beim Imbiss. Das ist ziemlich wenig bei einem Gesamtpreis von 2584 Euro (Cruise only).
Chaos rund um Barcelona
Der schlechteste Tag: MSC muss vor Barcelona im Kreis fahren, weil der Hafen aufgrund der Wetterlage bis 15 Uhr gesperrt ist. (Foto: roh)
Noch zum absoluten „Lowlight“ der Reise: Das Schiff sollte am zweiten Weihnachtstag ursprünglich um 7 Uhr in Barcelona ankommen. Die spanischen Behörden hatten den Hafen jedoch wetterbedingt bis 15 Uhr gesperrt. Höhere Gewalt natürlich – und großes Pech für viele Gäste, die in Barcelona ihre Heimflüge verpassten.

Nach dem Anlegen in Barcelona wollen Tausende Gäste gleichzeitig von Bord. Es herrscht dichtes Gedränge. (Foto: roh)
Ausschiffen eine Katastrophe
Was MSC allerdings komplett verbockt hat, war das Ausschiffen der Gäste. Wir mussten ca. 45 Minuten vor dem zugewiesenen Ausgang auf Deck 6 warten, bevor es hieß: „Sie dürfen nur von Deck 4 von Bord.“ So waren wir erst um 16 Uhr im Hafen und mussten um 17.30 Uhr zurück sein. Eineinhalb Stunden in Barcelona – ein Witz! Und vor allem: Trotz des „gestohlenen Tags“ hat MSC noch 9 Euro pro Person für einen Shuttlebus zu den Ramblas verlangt. Mehr als dreist!

Lange Schlangen auch bei der Rückkehr auf das Schiff im Hafenterminal von Barcelona. MSC muss mit zwei Stunden Verspätung ablegen. (Foto: roh)
Heiligabend „ganz nett“
Übrigens: Heiligabend an Bord war „nett“, mehr nicht. Gutes Abendessen (wie immer), weihnachtliche Lieder bei der Show, aber keine Gänsehautmomente wie auf AIDA, wenn Tausende Gäste „Stille Nacht“ singen. Gefühlt war Heiligabend auf MSC ein Tag wie jeder andere.

An Heiligabend wird auf der Promenade eine kleine Show veranstaltet. Die größere Weihnachtsshow folgt später im Theater. (Foto: roh)
Um 8.30 Uhr heißt es: Kabine räumen!
Besonders (im negativen Sinn) war dagegen der Abreisetag: Kabine verlassen bis 8.30 Uhr. Extrem früh also. Treffpunkt nach dem Frühstück um 9.10 Uhr an einer Sammelstelle. Bordkarte zeigen und das Schiff verlassen – unter Aufsicht einer Mitarbeiterin. Das fühlte sich an wie ein Rauswurf. Irgendwie passend zur Reise.
Unterm Strich: Mehr als vier Millionen Menschen buchen jedes Jahr eine Kreuzfahrt mit MSC. Demnach mögen viele das Konzept. Mir hat’s einfach nicht gefallen. Zu laut, zu voll, zu viele Extrakosten und vor allem: zu unpersönlich! Wie gesagt: Mir fehlt das Herz!

Robin Halle muss das Schiff um 9.10 Uhr verlassen. Er sagt: „Es fühlt sich an wie ein Rauswurf.“ (Foto: oh)