Das Southern Command schien mit wenig Gegenwehr gerechnet zu haben. Der Kräfteansatz war nicht auf eine Invasion Venezuelas ausgerichtet, sondern auf einen konzentrierten Enthauptungsschlag.

 The president of Venezuela, Nicolas Maduro C, together with the head of the National Constituent Assembly ANC Diosdado Cabello R and the first lady Cilia Flores L, arrives at the Federal Legislative Palace to give his Annual Message of Memory and Account, in Caracas, Venezuela, 14 January 2020. Maduro asked the National Electoral Council CNE to invite the European Union EU and the United Nations UN to observe the legislative elections planned for this year, although not yet dated, but not to the Organization of American States OAS. That the European Union, the UN Secretary General, the African Union and all organizations be invited extensively to come and see how the people of Venezuela, a free people, elect their new Assembly National AN, Parliament, Maduro said during the presentation of his 2019 balance. Maduro inv PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright: xRaynerxPenax JJPANA9579 20200114-637146252684964140 The president of Venezuela, Nicolas Maduro C, together with the head of the National Constituent Assembly ANC Diosdado Cabello R and the first lady Cilia Flores L, arrives at the Federal Legislative Palace to give his Annual Message of Memory and Account, in Caracas, Venezuela, 14 January 2020. Maduro asked the National Electoral Council CNE to invite the European Union EU and the United Nations UN to observe the legislative elections planned for this year, although not yet dated, but not to the Organization of American States OAS. That the European Union, the UN Secretary General, the African Union and all organizations be invited extensively to come and see how the people of Venezuela, a free people, elect their new Assembly National AN, Parliament, Maduro said during the presentation of his 2019 balance. Maduro inv PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright: xRaynerxPenax JJPANA9579 20200114-637146252684964140

Rayner Pena / Imago

Die amerikanischen Chinook-Helikopter fliegen bereits wenige Minuten nach den ersten Luftangriffen unbehelligt über Caracas. Die venezolanische Luftverteidigung scheint bereits ausgeschaltet zu sein. Selbst die Nahverteidigung der Führungseinrichtungen in der Hauptstadt mit schultergestützten Boden-Luft-Lenkwaffen, sogenannten Manpads, bleibt aus.

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Die ersten Berichte und Videos lassen erste Rückschlüsse auf das amerikanischen Vorgehen zu: Kurz nach drei Uhr Lokalzeit griffen die US-Streitkräfte gleichzeitig die wesentlichen Führungs- und Kommunikationseinrichtungen der venezolanischen Armee an. Mit einer hohen Intensität von Feuer paralysierten sie die Gegenwehr des Regimes und gewannen innerhalb von Minuten die Luftüberlegenheit.

Smoke rises near Fort Tiuna during a full blackout, following explosions and loud noises, after U.S. President Donald Trump said the U.S. has struck Venezuela and captured its President Nicolas Maduro, in Caracas, Venezuela, January 3, 2026. REUTERS/Leonardo Fernandez ViloriaSmoke rises near Fort Tiuna during a full blackout, following explosions and loud noises, after U.S. President Donald Trump said the U.S. has struck Venezuela and captured its President Nicolas Maduro, in Caracas, Venezuela, January 3, 2026. REUTERS/Leonardo Fernandez Viloria

Leonardo Fernandez Viloria / Reuters

Flugzeugträgergruppe plus Landungsverband im Einsatz

Offensichtlich wendet die Amerikaner eine ähnliche Methode an wie im Irak-Krieg 2003: Mit «Shock and Awe», Schock und Ehrfurcht, wird der Gegner überrascht, eingeschüchtert und überwältigt. Damit öffnet sich ein Zeitfenster, um die eigenen Ziele durchzusetzen: Im Irak erfolgte der mechanisierte Grossangriff, in Venezuela scheint es sich um gezielte Aktionen von Spezialkräften gehandelt zu haben.

Nach den Angaben von Portalen, die öffentlich zugängliche Daten auswerten, konzentrierten die Amerikaner ihre Angriffe auf das Umfeld von Caracas. Zuvor hatten sie die Transponder aller ihrer Flugzeuge ausgeschaltet. Auf den einschlägigen Trackingseiten war nur ein sogenannter Strato-Tanker südlich von Puerto Rico zu sehen, ein Grossraum-Jet, der Treibstoff für die Kampfflugzeuge mitführt.

Der amerikanische Aufmarsch in der Karibik begann bereits im Spätsommer. Dem Süd-Kommando, das die Operation «Southern Spear» führt, stehen der Flottenverband um den Flugzeugträger «Gerald Ford» und die Amphibious Readiness Group «Iwo Jima» für Landungsaktionen des Marine Corps zur Verfügung, dazu weitere Kräfte der Air Force auf der Insel Puerto Rico, die rund 1000 Kilometer von Venezuela entfernt ist.

Dieser Kräfteansatz zeigt die Möglichkeiten, aber auch die Grenzen des amerikanisches Angriffs auf das Maduro-Regime: Der operative Kommandant von «Southern Spear», der Luftwaffen-General Evan Pettus verfügt vor allem über starke Feuermittel, darunter Kampfjets und Zerstörer mit Tomahawk-Marschflugkörpern. Die Expeditionseinheit der Marines, die 2nd MEU mit dem «Iwo Jima»-Flottenverband, entspricht einem verstärkten Bataillon, das an Land maximal einen Brückenkopf erkämpfen kann.

Operatives Konzept scheint aufgegangen zu sein

Anders als vor fast exakt 35 Jahren, als die Amerikaner in Panama das Regime von Manuel Noriega angriffen, verzichtet das Pentagon auf eine eigentliche Invasion Venezuelas. Dazu wären erheblich mehr Kräfte notwendig. Bisher gab es aber keine Anzeichen, dass etwa die 82. Luftlandedivision und ein grösserer Verband von Marines einsatzbereit wären. Doch die verhältnismässig kurzen Verschiebungs- und Versorgungswege von den Basen in den USA nach Puerto Rico erlaubte eine verhältnismässig rasche Mobilisierung zusätzlicher Kräfte.

Wenige Stunde nach dem Einsatz scheint eine Ausweitung der Angriffe allerdings wenig wahrscheinlich zu sein. Sollte sich die Aussage von Präsident Donald Trump bestätigen, wonach der venezolanische Diktator Nicholas Maduro im Verlauf der Nacht gefasst werden konnte, ist das operative Konzept von General Pettus ohne Zwischenfälle aufgegangen: Das Feuer aus Distanz ermöglichte es den Spezialkräften, den Zugriff zu machen. Die Marines dürften sich bereit gehalten haben, bei Gegenwehr einzugreifen und den Spezialkräften notfalls den Rückzug abzusichern.

Der venezolanische Verteidigungsminister Vladimir Padrino López scheint den amerikanischen Angriff überlebt zu haben und hielt eine Fernsehansprache. Seine Armee hat aber kaum Gelegenheit, Widerstand zu leisten. Wenn der Einsatz nach Plan abgelaufen ist, befinden sich bloss noch die verdeckten Elemente der amerikanischen Aufklärer und der CIA in Venezuela.