Crans-Montana (Schweiz) – Nach der tödlichen Brandkatastrophe in Crans-Montana kämpfen zahlreiche Verletzte weiter um ihr Leben – auch in deutschen Krankenhäusern. Deutschland übernimmt zunehmend schwer verletzte Brandopfer aus der Schweiz.
Am Samstag werden drei weitere Patienten im Unfallkrankenhaus Berlin erwartet. Insgesamt liegen deutschlandweit 50 Hilfegesuche für schwer verletzte Brandopfer aus Crans-Montana vor. Ein Teil der Betroffenen wird bereits in Kliniken unter anderem in Stuttgart, Tübingen, Halle (Saale), Leipzig und Ludwigshafen versorgt.

Ein Ambulanzflug aus der Schweiz bringt ein schwer verletztes Brandopfer nach Halle. Die Übergabe des Patienten erfolgt wegen starken Winds und dichten Schneefalls in einer Probetriebwerkhalle
Foto: Michael Strohmeyer
Bereits in den Tagen zuvor sind mehrere Schwerverletzte nach Deutschland verlegt worden. Nach BILD-Informationen aus Regierungskreisen wurden am Donnerstag vier Patienten aus der Schweiz übernommen. Einer von ihnen wird im Marienhospital Stuttgart intensivmedizinisch behandelt, wie eine Kliniksprecherin bestätigt. Am Freitag folgten sieben weitere Verlegungen per Flugzeug und Hubschrauber.
Die Lage in der Schweiz bleibt angespannt. Die Intensivstationen sind stark belastet, Patienten werden bereits innerhalb des Landes nach Zürich, Genf, Lausanne und Sion verlegt. Weitere Übernahmeanfragen aus der Schweiz liegen vor, teilt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe mit.
Brand in Schweizer Bar: Schreie! Panik! Die Sekunden, als das Feuer ausbrach
Quelle: X@Tyroneking36852, TikTok@ladzdrive92101.01.2026
Darum greift jetzt ein internationales Notfall-Instrument, das Leben retten soll: der sogenannte Kleeblatt-Mechanismus.
So funktioniert der Kleeblatt-Mechanismus
Wenn Krankenhäuser überfüllt sind, können Staaten ein internationales Hilfeleistungsersuchen stellen. Andere Länder übernehmen dann Patienten. Die Betroffenen werden gezielt auf Kliniken verteilt, die freie Kapazitäten haben.

Im Marienhospital Stuttgart wird eines der Brandopfer behandelt
Foto: Michael Hahn
Der Mechanismus wurde im Frühjahr 2020 während der Corona-Pandemie entwickelt, um regionale Überlastungen zu verhindern. Seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine ist er international angebunden. Seit März 2022 werden darüber auch Patienten aus dem Ausland nach Deutschland gebracht. Jetzt auch aus der Schweiz.

Bereits am Donnerstag wurden die Flüge der Rettungshelikopter auf Flightradar24 oft getrackt
Foto: Flightradar24
Nach dem Ersuchen erfolgen die Übernahme, der Transport und die Verteilung auf deutsche Krankenhäuser. Das Ziel: Zeit gewinnen. Leben retten.
Die Katastrophe in der Silvesternacht
Beim Feuer in der Bar „Le Constellation“ im Luxus-Skiort Crans-Montana in der Neujahrsnacht wurden rund 40 Menschen getötet, 115 wurden verletzt, etwa 80 davon kritisch. Die meisten Schwerverletzten sind zwischen 16 und 26 Jahre alt.

Ein Schweizer Ambulanz-Hubschrauber landet in Sion
Foto: Lisa Leutner/REUTERS
Die Ermittler gehen von einem Unglück aus. Die Kantonsregierung spricht von einem Flashover – einem extrem schnellen Brandphänomen, bei dem sich der Raum schlagartig entzündet. Die Identifizierung der Toten kann noch Tage dauern. Ob Deutsche unter den Opfern sind, ist weiter offen. Das Auswärtige Amt steht in Kontakt mit den Behörden.
Internationale Hilfe läuft an
Weitere Verlegungen ins Ausland sind im Gange. Frankreich hat bereits Patienten aufgenommen. Zur Versorgung der Verletzten wurden zehn Hubschrauber und 40 Krankenwagen mobilisiert. Viele Opfer erlitten schwere Brandverletzungen.