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Aussicht vom Riesenrad auf die sehr volle Wiesn – die Eingänge wurden zeitweise geschlossen. Foto: Achim Schmidt, aufgenommen am 27.09.2025 © Achim Frank Schmidt
Das Oktoberfest erlebte extreme Tage mit Terroralarm und Massenandrang. Die Wiesn 2025 wird in die Geschichte der Stadt München eingehen.
München – Was war das für eine Wiesn! 31 Grad am Anstich-Wochenende, später nur noch frostige vier und ein mehrfach geschlossenes Festgelände. Janina und Thomas Roiderer haben dieses Auf und Ab noch gut im Kopf. Die überfüllte Wirtsbudenstraße – und ihr gespenstisch leeres Hacker-Zelt wenige Tage drauf. „Das hat uns auf die Probe gestellt“, sagt Janina Roiderer. Das Paar blickt zurück, äußert sich zur Kritik an seinem Zelt – und blickt nach vorn.
Traumwetter zum Wiesn-Start. © Oliver Bodmer
Der unheimliche zweite Mittwoch begann für Thomas Roiderer routinemäßig. „Ich hatte um 9.30 Uhr einen Termin in der Brauerei und saß im Auto.“ Im Radio hörte er die Meldung von der Terrorgefahr. Fast zeitgleich ploppte eine SMS auf, in der die Stadt alle Wirtsleute informierte. Mitarbeiter mussten das Zelt verlassen, nur die Wirte selbst sollten dableiben, um den Einsatzkräften Zutritt zu allen Räumen verschaffen zu können. „Das war ein ungewohnter Tag“: Roiderer wählt nüchterne Worte. Erst habe einer seiner Sicherheitsdienstmitarbeiter die Stellung gehalten, gegen Mittag sei er dann zur Wiesn gefahren – und wurde erst einmal nicht reingelassen.
Bombendrohung stoppte die Wiesn-Gaudi
Die Sicherheitsvorkehrungen waren streng, das Areal abgeriegelt. Nachdem morgens in der Lerchenau tödliche Sprengsätze explodiert waren und es Hinweise auf eine Gefährdung der Wiesn-Besucher gab, suchten Spezialisten stundenlang das Festgelände mit Sprengstoff-Spürhunden ab. Bis zu 500 Polizisten waren in ganz München im Einsatz. „Stadt und Polizei haben gewaltig gut gearbeitet“, sagt Roiderer. Nach einigem Hin und Her durfte er dann doch rein. Er fotografierte unter anderem hunderte leere Bänke im „Himmel der Bayern“ und die verwaiste Wirtsbudenstraße. Er habe noch Mathias Reinbold im Schützen-Festzelt besucht, sagt Roiderer, für eine Runde Luftgewehr-Schießen. Um 17.30 Uhr durften die Besucher dann zurück auf die Theresienwiese.
Das Festgelände wird nach der Bombendrohung abgesucht. © Matthias Schrader/AP/dpa
Roiderer wischt weiter durch seine Handy-Fotos und findet ein völlig gegensätzliches Bild. Das Ereignis dazu schlug ebenfalls hohe Wellen: die Überfüllung der Wirtsbudenstraße wenige Tage vorher am mittleren Wiesn-Samstag. An diesem späten Nachmittag wurde es voller und voller, teils ging es weder vor noch zurück. Manche Leute bekamen Angst. Über Lautsprecher wurde durchgesagt, das Gelände sei dicht. Besucher wurden ohne weitere Infos zum Verlassen der Festwiese aufgefordert. Manche fürchteten einen Anschlag. Laut Wiesn-Chef Christian Scharpf waren zu dem Zeitpunkt 300 000 Leute gleichzeitig auf dem 35-Hektar-Gelände. Zur Einordnung: An guten Wiesn-Tagen kommen 500 000, aber über den ganzen Tag verteilt.
Bis 17.30 Uhr blieb das Oktoberfest nach einer Drohung geschlossen. © Michael Faulhaber/dpa
Die Festleitung musste Kritik einstecken. Und bei der Aufarbeitung des Chaos-Samstags durch die Sicherheitsbehörden sei auch sein Zelt im Fokus gestanden, erzählt Hacker-Wirt Thomas Roiderer – gemeinsam mit dem Schottenhamel-Zelt direkt daneben sowie mit der gegenüberliegenden Bräurosl und der Augustiner Festhalle. Denn dort an der Wirtsbudenstraße, im Bereich der vier beliebten Zelte, habe es sich sehr gestaut.
Wiesn-Wirt weist Kritik zurück
Das Augenmerk auch auf sein Zelt ärgert ihn immer noch, und er weist Kritik entschieden zurück. „Dass es sich gestaut hat, hat nichts mit unseren Abläufen zum Reservierungswechsel abends zu tun“, betont Roiderer. Eine Menschenmenge bewege sich eben selten gleichmäßig. Um Staus zu minimieren, würden seine Gäste das Zelt nach und nach verlassen und die Neuen seitlich am Zelt eingelassen. „Ich glaube nicht, dass wir etwas an den Reservierungszeiten ändern werden.“ Es werde Anfang 2026 ein Gespräch mit der Stadt und den anderen Wirten geben. „Die Stadt schaut und kümmert sich.“ Das sei gut und vermeide hoffentlich ein vergleichbares Chaos 2026. O‘zapft wird am 19. September.