
Russlands T-14-Panzer gelten als die besten des Landes, scheinen in der Ukraine jedoch nicht eingesetzt worden zu sein.
Sean Gallup/Getty Images
Das britische Militär hatte damit gerechnet, in der Ukraine mehr russische „Prestige“-Ausrüstung zu sehen, sagte ein Offizier.
Dazu zählen auch Russlands moderne T-14-Panzer, die in der Ukraine offenbar nicht im Kampfeinsatz waren.
Die schwache Leistung der eingesetzten Hightech-Waffen stärkt Großbritanniens Vertrauen im Umgang mit den bislang fehlenden Systemen.
Ein Offizier der britischen Armee sagte, das Militär sei überrascht gewesen, in der Ukraine kaum moderne russische Waffensysteme zu sehen – darunter einige der besten Panzer Russlands.
„Wir hätten erwartet, mehr von ihrem Prestige-Gerät zu sehen“, sagte Major Maguire gegenüber Business Insider. Er sprach unter der Bedingung, dass nur Dienstgrad und Nachname genannt werden. Zuvor half er bei der britisch geführten Ausbildung ukrainischer Soldaten. Außerdem erstellte er Berichte für Großbritannien und seine Verbündeten über die Taktiken in der Ukraine und die Lehren, die westliche Streitkräfte daraus ziehen können.
Ein Beispiel für eine russische Waffe, die bislang nicht zum Einsatz gekommen sei, ist ihm zufolge der T-14 Armata. Er gilt als Russlands modernster Panzer.
Solche Waffensysteme gelten im britischen Militär als eine „maßgebliche Bedrohung“, gegen die es seine Truppen ausbildet.
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T-14 bislang nicht im Einsatz
Der T-14, dessen Kosten auf fünf bis neun Millionen Dollar geschätzt werden, gilt als einer der besten Panzer Russlands. Westliche Analysten befürchteten, er könne mit den modernsten Panzern der NATO konkurrieren. Russische Staatsmedien priesen den Armata häufig als „hochmodern“.
Doch diese Waffen sind im Krieg bislang nicht zu sehen. Sergei Tschemesow, der Chef von Rostec, dem Hersteller des Armata, sagte früher, die Panzer seien womöglich nicht gut für den Einsatz in der Ukraine geeignet.
„Der Armata ist insgesamt etwas teuer“, sagte er. „Von den Fähigkeiten her ist er bestehenden Panzern natürlich deutlich überlegen, aber er ist zu teuer. Deshalb wird ihn die Armee derzeit vermutlich nicht einsetzen.“
Großbritannien habe mit dem Einsatz eines solchen Prestige-Geräts gerechnet, sagte Maguire. Umso überraschender sei es, dass diese Panzer praktisch nicht zum Einsatz kamen – mehr noch als die Tatsache, dass Russland bisher stattdessen auf große Teile seiner vorhandenen Bestände zurückgriff.
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Russland greift auf Lagerbestände zurück
Russland stützt sich stark auf Panzer wie den T-90 und den T-80 sowie auf teils jahrzehntealte Ausrüstung, von der manche erstmals in den 1940er-Jahren eingesetzt wurde. Statt seine leistungsfähigsten Systeme – zumindest auf dem Papier – an die Front zu schicken, holt das Land alte Panzer aus den Depots.
Die Lagerbestände sind riesig und umfassen zahlreiche Panzer, die für einen Konflikt im Kalten Krieg konzipiert wurden. Der Bau neuer Panzer ist ein langwieriger Prozess – selbst bei der hochgefahrenen Produktion der russischen Rüstungsindustrie. Hochentwickelte Technik braucht Zeit in der Herstellung, und die westlichen Sanktionen, die die Branche schwächen sollen, machen dies nicht einfacher.
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Sowohl Russland als auch die Ukraine haben schwere Panzerverluste erlitten.
Peter Druk/Xinhua via Getty Images
Maguire spekulierte nicht darüber, warum Russland den T-14 nicht einsetzt. Das britische Verteidigungsministerium hat sich dazu jedoch bereits geäußert.
Es erklärte im vergangenen Jahr, das Ausbleiben des Armata sei „höchstwahrscheinlich auf den möglichen Reputationsschaden zurückzuführen, den der Verlust eines ‚Prestige-Fahrzeugs‘ im Gefecht verursachen würde, sowie auf die Notwendigkeit, größere Stückzahlen von Kampfpanzern zu produzieren, die nur mit anderen Varianten erreicht werden kann.“
In einem früheren Geheimdienstbericht des Ministeriums hieß es zudem, russische Truppen in der Ukraine hätten gezögert, die erste Lieferung von T-14 anzunehmen, „weil sich die Fahrzeuge in einem sehr schlechten Zustand befanden“.
Modernisierung alter Panzer
Wie groß Russlands Vertrauen in den Panzer ist, bleibt unklar. Auffällig ist jedoch, dass Moskau seine eigenen Bestellungen reduziert und stattdessen auf die Modernisierung älterer Modelle gesetzt hat. Westliche Analysen bescheinigen dem Panzer zwar große Leistungsfähigkeit, halten ihn aber auch für verwundbarer, als Russland selbst angibt.
Der Krieg war für Panzer und andere gepanzerte Fahrzeuge insgesamt wenig gnädig. Keine der beiden Seiten hat die Lufthoheit erlangt, und günstige Drohnen sowie Minen bedrohen alles, was sich bewegt. Angesichts der hohen Verluste zählt kosteneffiziente Masse oft mehr als technisch hochentwickelte Kampfkraft.
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Weitere hochwertige Waffensysteme fehlen
Über den T-14 hinaus hat Russland auch seine Kampfjets der fünften Generation, die Su-57, nicht eingesetzt. Diese Flugzeuge sind genau für eine solche Art von Krieg gebaut, in dem starke Luftverteidigung den Einsatz älterer Jets der vierten Generation extrem gefährlich macht. Russland hat in der Ukraine nicht die erhofften Fortschritte erzielt – dennoch bleiben diese Maschinen weitgehend außen vor.

Russlands moderner Kampfjet Su-57 wurde in der Ukraine bislang kaum eingesetzt.
VCG/VCG via Getty Images
Das britische Verteidigungsministerium erklärte 2023, der Einsatz der Su-57 beschränke sich offenbar auf russisches Territorium sowie auf den Abschuss weitreichender Luft-Boden- oder Luft-Luft-Raketen in Richtung Ukraine. Russland priorisiere „mit hoher Wahrscheinlichkeit“, Reputationsschäden zu vermeiden, Exportchancen nicht zu gefährden und sensible Technologie zu schützen, die bei einem Verlust des Jets über der Ukraine kompromittiert würde.
Zudem wurden Zweifel an den Tarnkappen- und Kampffähigkeiten der Su-57 laut. Es gibt Spekulationen, dass es sich womöglich nicht um ein echtes Flugzeug der fünften Generation handelt. Ein früherer Offizier der britischen Luftwaffe, heute Analyst, sagte gegenüber Business Insider, Russland spare die Maschinen vermutlich für einen möglichen Konflikt mit der NATO auf.
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Der Westen zeigt sich zuversichtlich
Mit Blick auf die hochwertige Ausrüstung, die Russland nicht einsetzt, sagte Maguire: „Ich weiß nicht, warum sie diese Systeme nicht nutzen. Aber ich bin sicher, dass wir ihnen mit unseren vorhandenen Fähigkeiten gewachsen wären.“
Zwar hat Russland einige moderne Systeme in den Krieg gebracht. Doch die wenigen Waffen, die tatsächlich eingesetzt wurden, hätten „nicht besonders gut funktioniert“, so der Major.
Er verwies auf die Zerstörung des neu entwickelten russischen BMPT „Terminator“ durch die Ukraine. Das rund sieben Meter lange, gepanzerte Fahrzeug ist mit einer Vielzahl von Waffen ausgestattet. Zudem gelang es der Ukraine, die von Russland als unaufhaltsam gepriesenen Kinschal-Raketen mit Patriot-Systemen abzufangen. Auch das russische Luftabwehrsystem S-400 gilt zwar weiterhin als leistungsfähig, blieb jedoch teilweise hinter den Erwartungen zurück.
Insgesamt hat die russische Armee schlechter abgeschnitten, als westliche Staaten erwartet hatten. Das zeigt sich auch daran, dass es Russland nicht gelang, die Ukraine schnell zu überwältigen, sondern stattdessen in einen zermürbenden Abnutzungskrieg im Osten geraten ist. NATO-Vertreter sagen zudem, die Qualität der russischen Streitkräfte habe im Verlauf des Krieges gelitten. Andere verweisen jedoch darauf, dass Russland dazulernt – und damit eine Bedrohung bleibt, die der Westen aufmerksam beobachtet.
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