45 Jahre waren sie aus der Mannheimer Neckarstadt nicht wegzudenken: Peter und Bina Greiser. In über vier Jahrzehnten haben die beiden in ihrem Studio rund 300.000 Tattoos gestochen. Jetzt haben sie ihr nur 50 Quadratmeter großes Kult-Geschäft an eine Nachfolgerin übergeben. Die Wände zieren unzählige Motive, wie zum Beispiel die „Roten Teufel“, Schlangen oder auch Drachen. Früher, sagt Peter Greiser, waren solche Bilder bei den Kundinnen und Kunden sehr gefragt, heute werden sie aber nur noch selten im Laden ausgewählt.
Wenn früher jemand ins Studio kam (…) hatten wir viele Motive zur Auswahl. Heute kommen unsere Kunden mit einem Bild auf dem Handy, dann müssen wir das Motiv erst zeichnen.

Peter und Bina Greiser haben in ihrem Berufsleben rund 300.000 Motive gestochen
Tätowierer mussten früher viel mehr können
Peter und Bina Greiser kamen 1980 von der Hamburger Reeperbahn nach Mannheim. Gemeinsam mit einem Partner eröffnete Peter Greiser das Tattoostudio in der Friedrich-Ebert-Straße. 1983 übernahmen er und seine Frau Bina das komplette Geschäft – damals das erste in Mannheim und nur eines von 18 in ganz Deutschland.
Als wir anfingen, waren wir nicht nur Tätowierer, sondern auch Schlosser und Feinmechaniker. Wir mussten unsere Maschinen selbst reparieren, Nadeln selbst herstellen und alles selbst sterilisieren. Heute kauft man alles fix und fertig.
Tattoos sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen
Inzwischen, sagt Peter Greiser, ist aus dem Tätowieren eine große Industrie geworden. Damals seien Tattoos auch noch lange nicht so akzeptiert gewesen wie heute. Und auch die Wünsche der Kunden hätten sich seither immer wieder geändert: Früher, erinnert er sich, waren zum Beispiel Wikinger-Motive beliebt. Inzwischen wünschen sich die Kunden eher realistische Motive, zum Beispiel Abbildungen ihrer Haustiere.
Emotionen zum Abschied: Aus Kunden wurden Freunde
Einige ihrer treuen Kunden sind an diesem Nachmittag in das Geschäft gekommen – und inzwischen zu Freunden geworden. Sie wollen sich bei Sekt und Salzstangen von den beiden verabschieden. Einige bringen auch Blumensträuße und Geschenke mit. Claudia zum Beispiel ist eine ihrer Stammkundinnen. Für sie war die tolle Atmosphäre im Studio immer besonders wichtig – und die hat sie ausgiebig genießen können: Sie hat sich im Laufe der Jahre bei Peter und Bina rund 40 Tattoos stechen lassen. Aber auch andere Kunden haben sich fast ihren ganzen Körper bei den beiden Mannheimern verschönern lassen. Ein Mann, erzählt Bina, kam zum Beispiel jeden Monat zu ihr – und das über einen Zeitraum von siebeneinhalb Jahren. Auch dadurch habe sich mit der Zeit eine fast familiäre Beziehung entwickelt.

„Peter’s Tätowierstudio“ gibt es schon seit über vier Jahrzehnten
Peter und Bina gehen – das Tattoo-Studio bleibt
Aber auch, wenn sich Peter und Bina zur Ruhe setzen: Ihr Studio wird es auch weiterhin geben. Zum Jahreswechsel hat die gelernte Grafikdesignerin Riccarda Lothring das Geschäft übernommen. Die Stammkunden kennen sie schon lange, denn sie arbeitet seit 2009 in „Peter’s Tätowierstudio“.
Komplett verabschieden wollen sich Peter und Bina Greiser aber vorerst nicht. Sie seien in den letzten 45 Jahren fast jeden Tag vor Ort gewesen, sagen beide. Deshalb freuen sie sich zwar, nach so langer Zeit wieder mehr Zeit für ihre Hobbys zu haben. Immer freitags will Peter Greiser aber weiterhin in seinem früheren Studio stehen und für seine Kunden die Nadel in die Hand nehmen. Die ersten Termine für das neue Jahr wurden an diesem Nachmittag schon vereinbart.