Nahverkehr im Strohgäu: Gleiche VVS-Tarife für alle: „Eine Spaltung wäre peinlich und unangemessen“ Im Strohgäu gelten weiter für alle Fahrgäste von Bus und Bahn die gleichen Preise, unabhängig vom Wohnort. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Fahrgäste aus Heimerdingen und Münchingen zahlen für Bus und Bahn weiterhin den gleichen Preis wie die Menschen aus den anderen Stadtteilen. Die Gleichbehandlung stand auf der Kippe.

Die Gerechtigkeit und Gleichbehandlung beim Bahnfahren bleibt doch erhalten: Anders als vorgehabt steigen Ditzingen, Hemmingen und Korntal-Münchingen nicht aus dem Vertrag mit dem Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) aus, der regelt, dass die Kommunen die günstigere Tarifzone finanzieren. Die Kündigung hätte bedeutet, dass die Heimerdinger wie Münchinger für eine Bus– oder Bahnfahrt nach Ludwigsburg oder Stuttgart wieder mehr Geld hätten zahlen müssen als die Menschen aus Hirschlanden, Schöckingen, der Ditzinger Kernstadt oder Korntal.

Bis zum Jahr 2020 galten verschiedene Tarife abhängig vom Wohnort. Die Verschiebung der Tarifzonen durch den VVS ermöglicht gleiche Tarife für alle Fahrgäste: Seitdem liegen Heimerdingen und Hemmingen auf der Zonengrenze 2/3. Heimerdingen war bis dato der Zone 3 zugeordnet – was die Heimerdinger nicht fair fanden. Vor allem Pendler wollte man entlasten, indem sie weniger Geld fürs Ticket zahlen müssen – eine Zone weniger spart einiges Geld. Ebenso den Münchingern, der Stadtteil wurde auf die Grenze der Tarifzonen 1/2 verschoben. Mit dem Ausstieg wäre Münchingen wieder in die Tarifzone 2 gerutscht.

Kommunen sind in Geldnot und wollten deshalb den VVS-Vertrag kündigen

Die Verschiebung hat für die Kommunen ihren Preis: Für die damit verbundenen Einnahmeausfälle des VVS müssen nämlich sie aufkommen. Ditzingen zahlte zuletzt knapp 32 000 Euro, Hemmingen 72 000 Euro, Korntal-Münchingen rund 63 500 Euro im Jahr. Weil die Kommunen allesamt in Geldnot sind und massiv sparen müssen, beschlossen sie, den Vertrag mit dem VVS zu kündigen.

Jetzt hat sich der Wind gedreht, nach Gesprächen mit der Geschäftsführung des VVS, wie Hemmingens Bürgermeister Thomas Schäfer (CDU) im Gemeinderat verkündete. Ziel sei gewesen, die wegen der Einführung des Deutschlandtickets geänderte Grundlage im Hinblick auf die Nutzung von Einzeltickets und daraus entstehender Mehrkosten „kritisch zu überprüfen“. Mit Erfolg, denn nun ist es günstiger für die Kommunen. Laut Schäfer macht der neue Vorschlag es nach Ansicht der Verwaltung „attraktiv, die bisherige Zonenverschiebung beizubehalten“. So zahlt Hemmingen künftig noch 24 500 Euro, Ditzingen etwa 12 000 Euro.

„Die Kündigung ist nicht mehr geboten“: Neues Angebot des VVS überzeugt

Ähnlich äußerte sich der Korntal-Münchinger Bürgermeister. „Die Kündigung ist nicht mehr geboten, weil wir ein neues Angebot bekommen haben“, sagte Alexander Noak (parteilos). Jetzt zahlt die Stadt dem VVS noch rund 13 000 Euro.

Laut dem VVS-Sprecher Niklas Hetfleisch sah „unser Angebot und die Absprache mit den betroffenen Kommunen ab dem Jahr 2025 jeweils einen sachgerecht reduzierten jährlichen Kostenausgleich für die Kommunen vor“. Vorgenommen worden sei eine „Konkretisierung der vorab pauschal genannten Beträge auf Basis aktualisierter Auswertungen“.

Deutschlandticket verändert Fahrverhalten und bringt Gutschriften

Hintergrund ist das Deutschlandticket. Die Einführung im Mai 2023 habe zu Änderungen im Kaufverhalten der Fahrgäste geführt, sagt Niklas Hetfleisch: „Fahrgäste mit preisstufenabhängigen VVS-Zeittickets wechselten fast vollständig ins deutlich attraktivere Deutschlandticket. Dieses ist preisgünstiger und umfasst einen größeren Geltungsbereich.“ Auch Käufer von preisstufenabhängigen Tickets des Gelegenheitsverkehrs hätten gewechselt – zumindest die, die nicht nur ganz sporadisch mit Bus und Bahn unterwegs seien. Das habe dazu geführt, dass spürbar weniger Fahrten von beispielsweise Münchingern mit preisstufenabhängigen Tickets gemacht würden. Da das laufende Jahr immer im Sommer abgerechnet wird, hat der VVS eine Gutschrift veranlasst.

Die Korntal-Münchinger Gemeinderäte sind froh, dass für alle Fahrgäste weiter die gleichen Preise gelten. Harald Wagner, der Fraktionschef der Grünen, sagte, er hätte auch bei einer höheren Summe am Vertrag festgehalten. „Eine Spaltung nach 50 Jahren wäre peinlich und unangemessen.“ Anno 1975 entstand im Zuge der Gemeindereform die Stadt Korntal-Münchingen. Die Fusion der bis dahin unabhängigen Orte wurde im Oktober groß gefeiert.