Der erste Mitmach-Supermarkt Münchens will nicht der Einzige bleiben: In Schwabing, vielleicht auch in der Maxvorstadt oder an der Grenze zu Neuhausen, soll eine zweite Foodhub-Filiale entstehen. Tatsächlich ist das keine ganz neue Idee: Bereits seit gut eineinhalb Jahren denke man über diesen Schritt nach, sagt Kristin Mansmann, die im Vorstand der Genossenschaft sitzt. Eine Schwabinger Foodhub-Einkaufsgemeinschaft, die ihre Einkäufe im Café Metta in der Barer Straße abholt, gebe es deshalb schon und die Standortsuche laufe auf Hochtouren.
Schaut man auf der Foodhub-Homepage nach, sieht man, dass sich die Genossenschaft schon ein paar Locations angeschaut hat, die wohl nicht infrage kommen; in der Barer Straße 62 zum Beispiel oder in der Knorrstraße 81. Aktuell „in Prüfung“ ist demnach ein Laden in der Augustenstraße 96a, ein paar weitere sind noch „ungeprüft“, eine Fläche in der Knorrstraße 64 halten die Mitglieder demnach nur für „bedingt geeignet“. Abgeschlossen, das bestätigt Mansmann auf Nachfrage, sei die Suche zum jetzigen Zeitpunkt nicht – zuversichtlich, dass es mit einer Eröffnung im Jahr 2026 klappt, ist sie dennoch.
Und ganz utopisch sind ihre Ansprüche ja nicht: Gesucht wird eine Verkaufsfläche mit 350 bis 500 Quadratmetern im Erdgeschoss, kosten darf sie maximal 7500 Euro monatlich, wichtig wäre außerdem eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr. Und auch wenn sie noch kein konkretes Mietobjekt in Aussicht haben: Eine „grobe Finanzierungszusage“ von der Münchner und der GLS Bank gebe es bereits, sagt Mansmann.
Doch was unterscheidet Foodhub eigentlich von Supermärkten wie Lidl oder Edeka? Wer Mitglied sein und zu vergünstigten Preisen einkaufen möchte, der muss nicht nur Genossenschaftsanteile erwerben, sondern sich zudem engagieren: Alle vier Wochen schenkt man der Genossenschaft drei Stunden seiner Zeit, sei es, indem man im Laden mit anpackt, sei es, indem man etwas repariert oder Waren von einem der Lieferanten abholt. Zu tun gibt es genug.
Kristin Mansmann (links) und Quentin Orain sitzen im Vorstand von Foodhub. (Foto: Stephan Rumpf)
Die Mitglieder der Genossenschaft packen im Supermarkt selbst mit an, zum Beispiel indem sie Käse portionieren. (Foto: Stephan Rumpf)
Überdies ist Foodhub die Gemeinschaft wichtig: Der gleichnamige Verein organisiert Veranstaltungen für die Mitglieder, es gibt einen Literaturclub, einen Chor, es wird Aufklärungsarbeit an Schulen geleistet, immer wieder kochen Mitglieder für Mitglieder. Oder wie Mansmann es formuliert: „Es geht nicht nur darum, einen Laden zu haben.“ Aber klar, darum geht es schon auch, vor allem vermutlich jenen, die wenig Geld für Lebensmittel zur Verfügung haben: Durch den Kontakt zu Direkterzeugern können sie im Giesinger Foodhub Preise anbieten, die im Schnitt gut 20 Prozent unter denen herkömmlicher Supermärkte liegen – ohne dass deshalb das Angebot limitiert wäre. Foodhub versteht sich ebenfalls als Vollsortimenter mit vornehmlich Bio-Produkten.
Nur geht es den Initiatoren um mehr: Sie wollen zeigen, dass andere Handelsstrukturen möglich sind. Auch dafür wäre ein zweiter Standort sinnvoll, sagt Mansmann. In Deutschland ist das Konzept der Mitmach-Supermärkte nämlich anders als in Frankreich noch gar nicht verbreitet. Neben jenem in Giesing gibt es sonst nur noch den Supercoop in Berlin und in Bremen sowie das Köllektiv in Köln. Ein paar mehr Beispiele wären da schön.
Nicht zuletzt um noch mehr Mitglieder zu gewinnen: In München zählt Foodhub derzeit etwa 2600 Mitglieder, von denen zwar ein Großteil nur ein bis zwei Kilometer vom Supermarkt entfernt wohnt, einige kommen aber extra von Schwabing nach Giesing gefahren. Kapazitäten hätte man, schätzt Mansmann, für 5000 pro Standort.
Neben Schwabing wären weitere Filialen in Sendling und der Ludwigsvorstadt denkbar
Das Sortiment der Filialen solle sich jedenfalls im Wesentlichen nicht unterscheiden, sagt Mansmann. Für die Schwabinger Einkaufsgemeinschaft gibt es schon jetzt Backwaren von der Bäckerei Brotraum, Gemüse kommt dort zum Teil von der Gärtnerei Obergrashof aus Dachau. Denn auch das ist eine Idee von Foodhub, kleine Betriebe zu unterstützen. Damit die Regale aber trotzdem genauso voll sind wie etwa bei Rewe, steht der Großhandel als Backup immer zur Verfügung. Es ist ein Konzept, mit dem man offenbar gut fährt: Preissteigerungen, wie sie anderswo zu sehen gewesen seien, hätte man im Foodhub nicht in gleicher Intensität gespürt, so Mansmann.
Ob denn noch weitere Standorte in München folgen könnten? Das will Mansmann nicht ausschließen, die Anzahl wäre aber wohl begrenzt. Bei einer Standortanalyse wurden nämlich nur vier Viertel ermittelt: Neben Giesing und Schwabing kämen noch Sendling und die Ludwigsvorstadt beziehungsweise die Schwanthalerhöhe infrage.
Die nächsten Infoveranstaltungen zum geplanten neuen Foodhub finden am 10. Januar sowie 7. Februar 2026 jeweils um 10.45 Uhr am Blumenkiosk am Hohenzollernplatz oder um 11.15 Uhr im Laden in der Deisenhofener Straße 40 statt.