„John Wick“ gelang dem Regie-Duo Chad Stahelski und David Leitch 2014 ein unverhoffter Action-Hit, der mit Keanu Reeves, eleganter Inszenierung und einer Prise Humor begeisterte. Anfang 2026 ist er für kurze Zeit wieder im Kino zu sehen.
Es war Mitte der 2010er Jahre und Fans von großen Abreibungen konnten sich in Sachen Actionfilmen eigentlich nicht beklagen: Liam Neeson schickte sich an, im dritten Teil der „Taken“-Reihe erneut seine „ganz besonderen Fähigkeiten“ gegen mörderische Entführer einzusetzen, Tom Cruise stürzte sich für „Mission: Impossible – Rogue Nation“ zum bereits vierten Mal in waghalsige Stunts und Matt Damon schnürte sich die Schuhe, um seine „Jason Bourne“-Saga zu vollenden.
Angesichts dieser endlosen Reihe an wuchtigen Franchise-Fortsetzungen mit den immergleichen markigen Helden stellte sich aber auch etwas Müdigkeit im Action-Genre ein, das zuhauf von schnellen Schnitten, Wackelkamera-Einstellungen und ausladenden Materialschlachten geprägt war. Etwas Neues musste her, um diese Sehgewohnheiten zu durchbrechen…
Es kam in Form eines Actionfilms, dem nur wenige einen Durchbruch vorausgesagt hätten: Nach einigen Budgetquerelen, kräftezehrenden Dreharbeiten und Schwierigkeiten, überhaupt einen Verleih zu finden, erreichte „John Wick“ im Herbst 2014 die US-Kinos. Innerhalb weniger Monate spielte der Film wider Erwarten das Doppelte seines geschätzten Budgets von 20 bis 30 Millionen US-Dollar ein – ein Überraschungserfolg für die Stunt-Experten Chad Stahelski und David Leitch, die bei „John Wick“ zum ersten Mal Regie führten.

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Auf Rachefeldzug für einen Welpen: John Wick (Keanu Reeves)
Ironie statt Beweihräucherung
Was „John Wick“ zum Geheimtipp machte, war eine reizvolle Mischung aus temporeicher, aber gleitend gefilmter Kampf-Action, einem einfallsreichen Realität/Unterwelt-Konstrukt und einem trotz aller Gewalt hervorlugenden Humor. Dieser fängt schon bei der Umschreibung der bewusst klischeehaft anmutenden Prämisse an: John Wick (Keanu Reeves) ist seit kurzem verwitwet und hat Mühe, seine immense Trauer zu bewältigen. Sein einziger Trost ist der niedliche Beagle-Welpe Daisy, den ihm seine Frau Helen (Bridget Moynahan) vor ihrem Tod hinterlassen hat.
Doch als Iosef Tarasov (Alfie Allen), anmaßender Spross eines New Yorker Großkriminellen, auf John trifft, ist bald auch dieser Trost dahin. Nachdem John sich weigert, seinen Mustang an Iosef zu verkaufen, wird er brutal überfallen und Daisy vor seinen Augen totgetreten. Was Iosef und seine Kumpanen nicht ahnen: John ist in der New Yorker Unterwelt als legendärer ehemaliger Auftragskiller bekannt. Und den Verlust von Daisy nimmt er sehr persönlich…
Im Folgenden ist zu sehen, wie sich John Wick, versiert in allerlei Nahkampftechniken wie Judo, Jiu-Jitsu, Sambo, Aikido, Karate, sowie zielsicherem Schuss- und Stichwaffengebrauch, zurück in die ihm vertraute Parallelgesellschaft hochausgebildeter Auftragsmörder begibt und die Verfolgung von Iosef aufnimmt.
Der besondere Humor von „John Wick“ speist sich dabei zum einen aus der scheinbaren Maßlosigkeit des Vergeltungsschlags (am Ende werden rund 80 Widersacher für den toten Welpen gestorben sein) und zum anderen aus dem immer wieder hervorscheinenden Legendenstatus von John Wick.
So erklärt Iosefs Vater Viggo (Mikael Nyqvist) ihm an einer Stelle mit was für einem Schreckgespenst er es bei John Wick, alias „Baba Jaga“, zu tun hat: „Ich habe einmal gesehen, wie er in einer Bar drei Männer getötet hat – mit einem Bleistift!“

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Tritt, sticht, schießt im Neon-Schein: John Wick (Keanu Reeves)
Tempo ohne Hektik
Das Drehbuch von Derek Kolstad hat das Regie-Duo aus Chad Stahelski und David Leitch in einen in atemberaubender Geschwindigkeit schwelgenden, aber niemals hektisch wirkenden Gun-Fu-Actionfilm überführt. Eine gleitende Kamera fängt die langen Kampfsequenzen ein, in denen es Keanu Reeves meist mit mehreren Bewaffneten zugleich aufnehmen muss. Schnelle Schnitte haben Leitch und Stahelski dabei aber bewusst begrenzt, um ein möglichst immersives Action-Erlebnis zu bieten.
Hinzu kommt die zwischen Noir- und Neon-Tönen changierende Farbgebung, die „John Wick“ eine edle Kälte verleiht. Zugleich markiert sie den Punkt, ab dem John aus der realen Welt wieder hinab in eine Unterwelt steigt, in der andere Regeln gelten, geheime Organisationen das Sagen haben und mit einer eigenen Währung bezahlt wird. Schon hier zeichnete sich ab, dass „John Wick“ noch sehr viel mehr zu erzählen und vor allem eine Bandbreite an weiterer Action zu inszenieren hatte.
Und so umfasst das „John Wick“-Franchise inzwischen vier Spielfilme, das Spin-off „From the World of John Wick: Ballerina“ und die Mini-Serie „The Continental“, weitere Produktionen werden folgen. Zuvor noch lohnt es sich aber, auf der großen Leinwand (erneut) mitzuerleben, wie einst alles begann – ab dem 6. Januar 2026 habt Ihr dazu die Gelegenheit, wenn „John Wick“ ins Kino zurückkehrt.
FILMSTARTS präsentiert „Best Of Cinema“
StudioCanal und weitere Verleiher bringen in der Programmreihe „Best Of Cinema“ mit Unterstützung von FILMSTARTS Kult-Klassiker zurück auf die Kinoleinwand. Welche Titel nach „John Wick“ in Jahr 2026 noch auf die Leinwand zurückkehren werden, erfahrt ihr im folgenden Artikel: