Camille Rast im Riesenslalom in kranjska Gora

Stand: 03.01.2026 14:53 Uhr

Beim ersten Weltcup-Rennen im neuen Jahr hat sich Camille Rast ihren ersten Sieg im Riesenslalom geholt. Die Schweizerin triumphierte vor der Österreicherin Julia Scheib (+0,20 Sekunden) und Paula Moltzan aus den USA (+0,47s). Lena Dürr war als einzige Deutsche im zweiten Durchgang dabei und landete auf Platz 18.

Camille Rast hatte am Freitag noch gesagt, sie sei in Gedanken bei den Menschen in ihrer Heimat. Rast ist aus dem Wallis, unweit von Crans-Montana, wo in der Silvesternacht 40 Menschen in einer Bar gestorben waren und über 100 Menschen teils schwer verletzt wurden. „Ich denke an alle Betroffenen und Helfer. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie es zu Hause ist. Ich werde in den Rennen mein Bestes geben“, sagte sie im SRF.

Für ihre Heimat, für die Opfer und Helfer von Crans-Montana fuhr die 26-Jährige beim Riesenslalom dann tatsächlich zum Sieg und klopfte sich im Ziel auf das schwarze Trauerflor, das alle Swiss-Ski-Athletinnen am Samstag auf dem Arm trugen. „Es war sicher nicht einfach. Aber der Sport bringt so viele Emotionen mit sich – ich hoffe, ich konnte heute den Familien ein kleines Lächeln aufs Gesicht zaubern“, so Rast nach dem Rennen im ORF.

Rast in beiden Läufen stark

Rast war mit Startnummer eins ins Rennen gegangen und hatte zur Halbzeit geführt. Und auch mit dem komplett anders gesteckten Kurs im zweiten Lauf kam die Technik-Spezialistin grandios klar: Bei dem deutlich schnelleren und rhythmischeren Lauf carvte Rast den Vorsprung problemlos über die Ziellinie.

Die 26-Jährige bewies am Samstag einmal mehr, in welch bestechender Form sie sich wenige Wochen vor den Olympischen Spielen in Cortina d’Ampezzo befindet. Die letzten drei Weltcup-Rennen belegte sie jeweils auf Rang zwei und bewirbt sich damit als Topfavoritin für eine Slalom- wie auch Riesenslalom-Medaille.  

Mikaela Shiffrin erleichtert

Erfreulich war der Tag auch für Mikaela Shiffrin. Die US-Amerikanerin zeigte einen guten ersten Lauf und lag zwischenzeitlich auf Rang vier. Beim Zieleinlauf riss sie die Arme nach oben. Nach ihrem folgenschweren Sturz im November 2024 in Killington hatte Shiffrin mit einer Posttraumatischen Belastungsstörung zu kämpfen, nach ihrem Comeback knüpfte sie im Slalom zwar schnell wieder an alte Erfolge an, im Riesenslalom aber, der Disziplin, in der sie gestürzt war, hat sie noch zu kämpfen.

Im ZDF sagte Shiffrin erleichtert: „Letztes Jahr habe ich bei dem Rennen noch zugeschaut und mir gedacht: Ich glaube, das kann ich nicht. Es ist cool, dieses Jahr hier zu sein und mithalten zu können.“ Im zweiten Lauf ging sie etwas zaghaft ins Rennen und landete am Ende auf Rang fünf (+1,05s).

Aicher verpatzt Start ins neue Jahr

Die deutschen Athletinnen waren schon zur Halbzeit weit abgeschlagen: Einzig Lena Dürr konnte sich für den zweiten Durchgang qualifizieren, doch auch sie ließ noch Luft nach oben. „Es war solide, würde ich sagen, da wäre sicherlich noch mehr gegangen. Es war unglaublich drehend und ich war oben schon beim dritten, vierten Tor einen Tick zu spät“, analysierte die Bayerin im ZDF.

Emma Aicher hatte beim ersten Rennen im neuen Jahr große Probleme und schien nicht in den Rhythmus zu kommen. Mit 3,78 Sekunden Rückstand verpasste sie die Qualifikation für den Entscheidungslauf deutlich. Bei Jana Fritz hingegen war es knapper: Der 20-Jährigen fehlten am Ende nur elf Hundertstelsekunden auf Rang 30. (33.,+3,10s). Fabiana Dorigo reihte sich nach dem ersten Lauf auf dem 37. Platz ein (+3,25s).

Top-Favoritin Robinson scheidet aus

Die Top-Fahrerin Alice Robinson war schon im ersten Durchgang ausgeschieden. Ausgerechnet ihr Trainer hatte den Lauf gesetzt – stark drehend, damit die Edeltechnikerin ihre Stärken ausspielen kann. Doch die 24-Jährige hatte schon bei den ersten Zwischenzeiten Rückstand und schied im letzten Drittel der Strecke aus. Robinson verpasste damit erneut die Chance, zu punkten.

Nach zwei Riesenslalom-Siegen in dieser Saison (Copper Mountain, Tremblant) hatte sie sich mit Scheib zuletzt noch ums Rote Trikot gematcht. Doch zwei Ausfälle in Serie – in Semmering und nun in Kranjska Gora – mischen die Karten neu. Scheib baute am Samstag mit ihrem zweiten Platz den Vorsprung im Riesenslalom-Gesamtklassement aus, Rast drängte sich vor Robinson auf Platz zwei.