Auf dem Killesberg macht der Perkins Park den Anfang: Aus Pietätsgründen verzichtet einer der bekanntesten Stuttgarter Clubs vorerst auf Feuerfontänen beim Servieren von Champagner. Damit reagieren die Betreiber auf die Brandkatastrophe im Schweizer Ferienort Crans-Montana, bei der nach bisherigen Erkenntnissen Feuerfontänen auf Schampusflaschen als Brandursache gelten. Auch im Stuttgarter Nachtleben sowie auf dem Cannstatter Wasen war Pyrotechnik bei teuren Bestellungen bisher weit verbreitet – und wird nun grundsätzlich hinterfragt.
„Aus Pietätsgründen empfehlen wir unseren Mitgliedern, die Feuerfontänen bei Champagnerflaschen wegzulassen“, sagt Michael Presinger, Mitbetreiber des Perkins Park und Vertreter des Diskothekenverbands im Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga). Ein dauerhaftes Verbot sei damit zwar noch nicht beschlossen, doch das Signal ist klar: Die Branche zeigt sich betroffen und sensibel.
Dehoga-Geschäftsführer verweist auf strenge Regelungen in Deutschland
Ein reflexhaftes Verbot hält Jochen Alber, Geschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) in Stuttgart, für nicht zielführend. „Ich denke, dass die baulichen Umstände ebenfalls kausal waren. Am Tischfeuerwerk allein wird es nicht gelegen haben. Da dürften sich mehrere Faktoren unglücklich verkettet haben“, sagt Alber.
Zugleich verweist der Dehoga-Geschäftsführer auf die vergleichsweise strengen Regelungen in Deutschland. „Ich gehe davon aus, dass die brandpolizeilichen Bestimmungen hierzulande eine höhere Sicherheit bieten. Der Brandschutz wird im Rahmen der baurechtlichen Genehmigungsverfahren tatsächlich großgeschrieben.“ Einschränkend fügt er jedoch hinzu: Das gelte nur für genehmigte Veranstaltungsflächen. Alber: „Wie wir alle wissen, bewegt sich in der Stadt so manche Veranstaltung außerhalb von Genehmigungen. Dafür möchte ich meine Hand dann buchstäblich nicht ins Feuer halten.“
Muskulöse Schampus-Boys servieren auf dem Cannstatter Volksfest teure Flaschen mit Feuerglanz. Foto: Schwabenwelt Clubbetreiber zeigen sich betroffen
Auch Stuttgarter Betreiber reagieren betroffen, sehen die Ursache des Unglücks aber nicht allein bei den Feuerfontänen. Denis Gugac, Betreiber des Comodo und des Zubrovka, sagt: „Ich denke, die Hauptursache war eine andere. Wir achten alle schon sehr enorm auf Brandschutzmaßnahmen.“ In einem Video, das er in sozialen Medien gesehen habe, scheine sich Schallschutzmaterial an der Decke entzündet zu haben. Gugac: „Die Frage ist natürlich, welches Material dort verwendet wurde. Das gilt es zu prüfen.“
Für den Gastronomen schmerzt das Unglück emotional sehr. „Das ist natürlich das Schlimmste, was einem Betreiber passieren kann“, sagt er, „uns nimmt das alles sehr mit.“ Natürlich könne man Champagner auch ohne Feuershow genießen. Doch ein Club lebe vom Erlebnis, betont Gugac.
Pyrotechnik bei teueren Flaschen ist auch in Stuttgart weit verbreitet. Es gibt wohl viele Gäste, die zeigen wollen, dass sie sich etwas leisten können. Der Service mit Feuerregen animiert andere ebenfalls zu großzügigen Bestellungen. In Stuttgart seien die Auflagen besonders streng, betont der Comodo-Chef, was sehr gut sei: „Wir dürfen keinerlei entflammbares Material verbauen und achten extrem auf schwer entflammbare Materialien. Die Stadt prüft das sehr genau.“
Strenge Vorgaben als Sicherheitsnetz
Ähnlich äußert sich Tim Bemsel, Betreiber des vor einigen Wochen neu eröffneten Havana-Clubs in der früheren Dixieland-Hall, der sich im Keller befindet und über eine schmale Treppe erreichbar ist – auch dort gehören Feuerfontänen zum Angebot. „In deutschen Discotheken und in der Gastronomie gilt, dass alles verbaute Material dem B1-Standard entsprechen muss“, sagt Bemsel. „Wäre das in der Schweiz der Fall gewesen, wäre nie und nimmer etwas passiert.“ Bemsel ruft zu einem bewussten Umgang mit Sicherheit auf: „Man sollte sich beim Ankommen ob im Club oder im Hotel erst einmal vergewissern, wo sich die Fluchtwege befinden.“
Sicherheitsexperten rät zur Differenzierung
Der Sicherheitsexperte Marc Wenger, der seit 30 Jahren im Stuttgarter Nachtleben tätig ist, hat mit einem Social-Media-Beitrag zur Katastrophe in der Schweiz binnen eines Tages etwa 2500 Kommentare ausgelöst. Er plädiert für eine differenzierte Betrachtung. Entscheidend seien baurechtliche Faktoren wie Deckenhöhe, Raumgröße und verbaute Materialien. „Man sollte das vom Einzelfall abhängig machen“, sagt Wenger, „es macht einen Unterschied, ob die Decke aus Beton oder Holz ist.“ Unverzichtbar sei die Vorbereitung: „Feuerlöscher sollten immer parat stehen.“ Auch die Frage, ob Feuerfontänen etwa in Bierzelten weiterhin zulässig seien, müsse anhand der Begebenheiten vor Ort untersucht werden.
Wasenwirt Michael Wilhelmer sagt, er habe überall „B 1- Ausstattung an den Decken“ und verwende nur geprüfte Fontänen mit CE-Kennzeichnung. Dies sei in Crans-Montana wohl anders gewesen.
Zwischen Erlebnis und Verantwortung
Für ein generelles Verbot von Feuerfontänen mag sich bisher im Stuttgarter Nachtleben niemand aussprechen. Der Schritt des Perkins Park zeigt aber, wie groß die Betroffenheit in der Szene ist. Die Brandkatastrophe von Crans-Montana hat die Debatte über Showeffekte, Sicherheit und Verantwortung neu ausgelöst. Clubbetreiber betonen: Das Erlebnis bleibe wichtig – doch die Sicherheit der Gäste habe Vorrang.