Was Kulturinteressierte das kommende Jahr in der Modernen Galerie in Saarbrücken erwarten können, das steht bereits fest. Wie die Stiftung Saarländischer Kulturbesitz in Saarbrücken mitteilte, wird es sechs Ausstellungen geben. Den Auftakt macht ab 7. Februar die Schau „Marthe Donas und Alexander Archipenko – Power-Paar der Avantgarde“.

Höhepunkte der frühen Moderne

Marthe Donas & Alexander Archipenko – Power- Paar der Avantgarde

Zusammen mit dem Königlichen Museum der Schönen Künste Antwerpen zeigt die Galerie die Werkschau des Künstlerpaars anhand von rund 120 Arbeiten.

Jahresvorschau 2026: Marthe Donas, Abstract Composition No. 6,  (Foto: Marthe Donas Foundation / VG Bild-Kunst, Bonn 2025, )

Marthe Donas, Abstract Composition No. 6, 1920, Öl auf Holz, 63 x 48 cm, Privatsammlung ©

Mit ihrem Schaffen leisten Dona und Archipenko einen entscheidenden Beitrag zur Wiederbelebung des kosmopolitischen Künstlerkreises La Section d’Or nach dem Ersten Weltkrieg. Die Ausstellung startet am 7. Februar und ist bis zum 17. Mai zu sehen.

Max Slevogt – „König der Illustration“

„Auf zu neuen Werken! Max Slevogt und sein Verleger Bruno Cassirer“

Parallel dazu ist ab dem 28. März die Max Slevogt-Ausstellung zu sehen. Noch bis zum 5. Juli zeigt die Moderne Galerie eine eher wenig bekannte Seite des impressionistischen Künstlers: sein Wirken als Illustrator.

 Max Slevogt, Der Hauptmann spricht zu den Räubern (Ali Baba), um 1898-1903 (Foto: Tom Gundelwein)

Max Slevogt, Der Hauptmann spricht zu den Räubern (Ali Baba), um 1898-1903, Gouache über Feder in Tusche, Deckweißhöhungen

Dabei wurde er von seinen Zeitgenossen als „König der Illustration“ hochgeschätzt. Dafür verantwortlich sind rund 500 illustrierte Bücher und druckgrafische Mappen, die Anfang 1900 unter Verleger Bruno Cassirer erschienen.

Flussfotografie – Wasser als verbindendes Element

Boris Becker „La ligne claire“

Die Meurthe, der Marne-Rhein-Kanal, der Saar-Kohlekanal und die Saar selbst – der bekannte deutsche Fotograf Boris Becker hat sich mit den Flüssen der SaarLorLux-Region beschäftigt. Ab dem 11. April zeigt die Moderne Galerie die Bildserie, die unter Titel „La ligne claire“ entstand.

Die Ausstellung bewegt sich zwischen Vergangenheit und Zukunft und ist ebenfalls bis 5. Juli zugänglich. Die Ausstellung wird in der Modernen Galerie des Saarlandmuseums sowie zeitgleich open-air im Archäologiepark Bliesbruck-Reinheim gezeigt.

Tanz als geteilte Form der Kommunikation

9. Mai 2026 bis 3. Januar 2027: Anouk Kruithof. Universal Tongue

Rund einen Monat nach den Fotografien von Boris Becker können Besucher das Schlüsselwerk der niederländischen Künstlerin Anouk Kruithof „Universal Tongue“ in der Modernen Galerie betrachten.

Dafür hat die Künstlerin über 8800 frei zugängliche Tanzvideos mit mehr als 1000 Tanzstilen erfasst und daraus eine achtkanalige Videoinstallation kreiert. Universal Tongue soll einen vielschichtigen Blick auf Tanz als global geteilte Form der Kommunikation und Körperkultur eröffnen.

Pop Art

Andy Warhol. Ikonen

Im Sommer zieht dann Andy Warhol in der Modernen Galerie ein. Ab dem 20. Juni beleuchtet die Ausstellung rund um den zentralen Protagonisten der Pop Art dessen Umgang mit bildlicher Wiederholung, serieller Produktion und dem Spannungsfeld zwischen Kunst und Konsumkultur.

Im Zentrum der Präsentation stehen die Siebdrucke des Künstlers, die die Arbeitsprozesse ebenso sichtbar machen wie seine gezielte Auseinandersetzung mit medialen Bildwelten. Die Warhol-Ausstellung können Besucherinnen und Besucher bis zum 28. Oktober erleben.

Anfänge der Nachkriegsfotografie

Ein Neubeginn für Europa. subjektive fotografie

Den Abschluss des Ausstellungsjahres 2026 macht eine außergewöhnliche Werkschau mit 150 Fotografien, die faszinierende Einblicke in die Anfänge der Nachkriegsfotografie bietet. Die von Otto Steinert initiierte Reihe gilt als Meilenstein der Fotografiegeschichte.

Die legendäre Ausstellungsreihe feiert 75-jähriges Jubiläum. 1951 erstmals in Saarbrücken gezeigt, zog sie anschließend durch Städte wie Köln, München, Paris, Tokio, Brüssel und Hamburg.

Für Saarbrücken hat „subjektive fotografie“ eine besondere historische Bedeutung: Schon sechs Jahre nach Kriegsende setzte die internationale Ausrichtung der ersten Ausstellung ein starkes kulturpolitisches Signal für ein friedliches geeintes Europa. Gleichzeitig war sie ein Aushängeschild des damals eigenständigen Europastaates Saar.

Über dieses Thema haben auch die SR info-Nachrichten im Radio am 19.12.2025 berichtet.