Nach dem Militärcoup der USA in Venezuela zeigt sich der Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres, alarmiert. Die Aktion stelle einen gefährlichen Präzedenzfall dar und könne besorgniserregende Auswirkungen auf die Region haben, erklärte ein UN-Sprecher in New York. Guterres sei zutiefst besorgt darüber, dass die Regeln des Völkerrechts nicht eingehalten worden seien. Es sei wichtig, dass alle Beteiligten das Völkerrecht, einschließlich der Charta der Vereinten Nationen, uneingeschränkt achteten.

Venezuela selbst beantragte eine Sondersitzung des Weltsicherheitsrats – „im Angesicht der kriminellen Aggression durch die US-Regierung auf unser Heimatland“, wie Außenminister Yvan Gil sagte. Aufgabe des UN-Gremiums sei es, „das Völkerrecht aufrecht zu erhalten“.

„Rufen zur Zurückhaltung auf“

Auch Spitzenvertreter der Europäischen Union forderten die Achtung des Völkerrechts und der Charta der Vereinten Nationen. Die EU unterstütze einen „friedlichen und demokratischen Übergang“ in Venezuela, erklärte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auf der Online-Plattform X. 

„Wir rufen zur Zurückhaltung auf“, schrieb die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas. Nach eigenen Angaben hatte sie zuvor mit US-Außenminister Marco Rubio telefoniert. Die Sicherheit der EU-Bürger in Venezuela „hat für uns oberste Priorität“, fügte Kallas hinzu. 

Reisewarnung für Venezuela

Deutschlands Regierung verfolgt die Lage „weiter mit Sorge, fortlaufend und sehr genau“. Man stimme sich mit Partnern ab, hieß es aus Berlin. „Wir rufen alle Beteiligten auf, nichts zu tun, was zu einer Zuspitzung der Lage führen könnte und Wege zu einer politischen Beilegung zu suchen. Völkerrechtliche Normen sind einzuhalten.“ Die Venezolanerinnen und Venezolaner verdienten „eine friedliche und demokratische Zukunft“.

Auswärtiges Amt in Berlin (Archivfoto)Im Auswärtigen Amt in Berlin kam der Krisenstab zusammenBild: K-H Spremberg/Shotshop/IMAGO

Das Auswärtige Amt sprach nach einer Sitzung des Krisenstabs eine Reisewarnung für ganz Venezuela aus. Deutsche Staatsangehörige im Land seien aufgerufen, an einem sicheren Ort zu bleiben. Man stehe im engsten Kontakt mit der Botschaft in Caracas.

„Beunruhigend und verwerflich“

Russland verlangte von den USA, den venezolanischen Staatschef Nicolás Maduro wieder auf freien Fuß zu setzen. „Wir fordern die amerikanische Führung nachdrücklich auf, ihre Position zu überdenken und den rechtmäßig gewählten Präsidenten des souveränen Landes und seine Frau freizulassen“, erklärte das Außenministerium in Moskau. Das Vorgehen der Vereinigten Staaten sei „zutiefst beunruhigend und verwerflich“. Es gebe keine Rechtfertigung für diese „bewaffnete Aggression“. Russland stehe solidarisch an der Seite Venezuelas.

Auch Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva verurteilte den US-Angriff und Maduros Festnahme. „Die Bombardierungen von venezolanischem Gebiet und die Gefangennahme seines Präsidenten überschreiten auf inakzeptable Weise eine Grenze“, betonte der Linkspolitiker. „Diese Aktionen stellen eine schwerwiegende Verletzung der Souveränität Venezuelas dar und sind ein weiterer äußerst gefährlicher Präzedenzfall für die gesamte internationale Gemeinschaft.“

Argentiniens ultraliberaler Präsident Javier Milei feierte hingegen die Festsetzung von Maduro. „DIE FREIHEIT SCHREITET VORAN, ES LEBE DIE FREIHEIT VERDAMMT NOCHMAL“, schrieb Milei auf X in Versalien zu einer von ihm geteilten Nachrichtenmeldung.

wa/HF/haz/AR (dpa, afp, rtr)