Seine Mission beim Zweitliga-Letzten ist heikel. Aber Sören Gonther (39) versprüht den Mut und Optimismus, Dynamo Dresden wieder in ein besseres Licht zu stellen.

Freitagnachmittag wurde der Ex-SGD-Profi offiziell vorgestellt. „Ich habe gleich eine gute Geschichte. Das Plakat im Geschäftsführer-Büro ist von einer Fan-Choreografie aus dem Magdeburg-Spiel damals“, legte Gonther los und musste schmunzeln: „Ich habe gleich den zentralen Abwehrspieler dort erkannt. Der ist heute etwas grauer geworden, aber ich hänge da tatsächlich auf dieser Pinnwand klein mit drauf, wo die Spieler mit der Planung darüber angebracht sind. Das war ein lustiges Ding.“

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Was bedeutet es ihm emotional, zurück zu Dynamo Dresden zu kehren? „Schon einiges, es ist etwas Besonderes. Ich habe mit meiner Familie hier sechs Jahre gelebt, hatte immer einen Bezug zum Klub, eine DFB-Lizenz hier mitgemacht und war immer noch oft im Stadion.“

Auch mit seinem Abgang zu Lokalrivale Erzgebirge Aue räumte er gleich nochmal richtig auf: „Ich würde nicht ganz sagen, dass ich im Groll gegangen bin, aber Trainer Cristian Fiel und ich waren unterschiedlicher Auffassung über meine zukünftigen Einsatzzeiten. Dann war ich nie ein Spieler, der ein Jahr Vertrag irgendwo abgesessen hat.“

So war das mit dem Wechsel nach Aue

Genau diese Konsequenz bei Entscheidungen ist bei den Schwarz-Gelben notwendig, um Probleme nicht zu verschleppen, sondern im Ansatz anzugehen. Gonther ist einer, der das kann.

Während ihm viele Dresden-Fans den Wechsel damals übel nahmen und an manchen alten Aussagen aus Auer Zeiten hängen, macht er noch eine klare Ansage: „Ich war es damals nicht und bin nie fertig gewesen mit Dynamo, das habe ich gespürt!“

„Ich war nie fertig mit Dynamo“

Einfach wird das Projekt nicht. Der gebürtige Hesse kam erst mitten in die bereits vorbereitete Transferphase hinein. Ihn daran zu messen, ob der Klassenerhalt diese Saison bei katastrophaler Ausgangslage noch gelingt, wäre schon fast vermessen.

Viel mehr wird es für den bisherigen Zweitliga-Experten von Sky dauerhaft entscheidend, den Ostklub nach den internen Streitigkeiten des vergangenen Halbjahrs wieder zu einen und die Scoutingabteilung neu zu strukturieren. Sein Team an Mitarbeitern zu formen, die gemeinsam das Potential des schlafenden Riesen endlich wecken können.

Von 2017 bis 2019 kickte der Ex-Verteidiger für Dynamo, wobei ihn ein Kreuzbandriss lange ausbremste

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Foto: picture alliance / ZB

Bei der Wahl seiner Ziele bleibt Gonther realistisch: „Wir wollen uns mittelfristig in der 2. Liga etablieren und auch mal nichts mit dem Abstieg zu tun haben. Aber aktuell ist kurzfristiges Denken gefordert. Für mich ist das Glas immer halbvoll. Wir müssen den Glauben an den Klassenerhalt haben – den, der die berühmten Berge versetzen kann.“

Den Umbau des Kaders treibt der neue Sportchef vehement voran, was sich nach den bereits vier Winter-Neuzugängen auch an diesen Worten erkennen lässt: „Wir sind ein paar Spieler mehr. Wenn Unzufriedenheit bei jemandem herrscht und sich eine neue Möglichkeit für ihn ergibt, werden wir Lösungen finden.“

Weitere Abgänge nicht ausgeschlossen

Heißt: Weitere Abgänge sind nicht ausgeschlossen. Mindestens ein Torwart und ein zweiter Innenverteidiger sollen noch kommen.

Ein hohes Stresslevel ist der vierfache Papa von zuhause gewöhnt und kennt es, die ein oder andere Diskussion schlichten zu müssen und trotzdem zusammenzuhalten.

Ein Vorteil für seine Tätigkeit bei der chronisch unruhigen „Sportgemeinschaft“? „Bei uns daheim ist nie Langeweile, aber so habe ich nicht gedacht“, grinst Gonther. „Ich werde mir in aller Ruhe erstmal mein Bild bei Dynamo machen.“ Zuletzt bezog er mit seiner Familie ein neues Eigenheim in seiner Heimat bei Kassel. Plötzlich kam das Job-Angebot, weshalb er diesmal nach Dresden pendelt.