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Die neue Grippe-Mutation überfüllt die Notaufnahmen in Norditalien. Ärzte warnen vor gefährlichen Lungenentzündungen bei allen Altersgruppen.
Trient – Die Krankenhäuser in Norditalien ächzen unter einer Welle schwerer Lungenentzündungen. Was als normale Grippesaison begann, entwickelt sich zu einem medizinischen Notstand. Die neue Variante K des Influenza-Virus A(H3N2) treibt Tausende Menschen in die Notaufnahmen – und fordert bereits erste Todesopfer. Dr. Giuseppe Vassallo, Direktor der pneumologischen Abteilung im Krankenhaus Santa Chiara in Trient, schlägt bei Il Dolomiti Alarm: „Das Krankenhaus ist voll und wir sind gezwungen, einige Patienten, die weniger schwer erkrankt sind, auch außerhalb der Station zu behandeln.“ Seit Anfang Dezember explodierten die Einweisungen wegen viraler Lungenentzündungen.
Ein Krankenwagen in Italien (Symbolbild). © IMAGO / ZUMA Press Wire/Victoria Herranz
Die Zahlen aus der Provinz Treviso zeigen laut Treviso Today das ganze Ausmaß der Krise: In nur einer Woche seien 13 ältere Menschen an den Folgen der Grippe-Komplikationen gestorben. 198 Patientinnen und Patienten lägen derzeit wegen Atemwegserkrankungen in den Krankenhäusern – das seien fast 20 Prozent aller Patientinnen und Patienten. Die Leichenhäuser in Castelfranco Veneto und Montebelluna seien zeitweise so überfüllt gewesen, dass fünf Tage keine weiteren Verstorbenen hätten aufgenommen werden können.
Variante K greift alle Altersgruppen an
Trotz der geringeren Schwere im Vergleich zu COVID-19 trifft die Variante K Menschen aller Altersgruppen hart. „Wir können 18-jährige Patienten haben, wie die beiden Mädchen, die letzte Woche eingeliefert wurden, bis hin zu 80-Jährigen“, erklärt Dr. Vassallo. Die Krankheit führt zu schweren Atemproblemen, die oft eine Beatmungsunterstützung erfordern.
Die Variante H3N2 Klade K zeigt laut WHO „eine größere Übertragungsgeschwindigkeit“ als frühere Varianten und ist bereits für bis zu 90 Prozent aller bestätigten Grippefälle in Europa verantwortlich.
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Fotostrecke ansehenVariante K: Warnsignale ernst nehmen
Dr. Vassallo drängt die Bevölkerung zur Wachsamkeit: „Keine Atemsymptome vernachlässigen und sich frühzeitig untersuchen lassen. Besonders wenn Fieber auftritt, das nicht nachlässt und nicht auf fiebersenkende Mittel anspricht.“ Gefährlich wird es, wenn die Sauerstoffsättigung im Blut sinkt oder die Atemfrequenz 30 Züge pro Minute überschreitet.
Die Variante K verursacht typischerweise hohes Fieber, trockenen Husten, extreme Müdigkeit und Atemnot. Bei schweren Verläufen entwickelt sich eine beidseitige Lungenentzündung, die eine sofortige Krankenhausbehandlung erfordert.
Co-Infektionen als neues Risiko – Impfschutz begrenzt wirksam
Die gleichzeitige Zirkulation von Influenza und COVID-19 erhöhe laut Rai News die Wahrscheinlichkeit von Komplikationen und Co-Infektionen. Besonders betroffen seien demnach über 65-Jährige mit Vorerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Leiden oder chronischen Atemwegserkrankungen.
Obwohl in der Provinz Treviso laut Treviso Today bereits über 130.000 Impfdosen verabreicht worden sind, bietet die Impfung gegen die neue Variante nur begrenzten Schutz. Erste internationale Studien zeigen zwar weiterhin Schutz vor schweren Verläufen, die Wirksamkeit gegen die Erkrankung selbst bleibt jedoch unklar. Der Höhepunkt der Grippewelle wird erst in den kommenden Wochen erwartet – wie jedes Jahr im Januar. In ganz Italien wurden laut Rai News bereits 5,8 Millionen Fälle seit Saisonbeginn registriert, mit 950.000 neuen Fällen allein in der letzten Woche. (Quellen: Il Dolomiti, Treviso Today, WHO, Rai News) (cgsc)
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