Der Himmel über der vom Verfall gezeichneten Müngstener Brücke ist in ein bedrohliches gelbliches Licht getaucht. Darunter liegt das finstere Tal der Wupper. Allerlei schauerliche Gestalten tummeln sich auf dem stählernen Riesen und entlang des Flusses. Sie scheinen die Diener einer zombiehaften Figur zu sein, die vom kargen Hang hinabgestiegen ist und wie in einer Art Geisterbeschwörung die Arme ausbreitet.

Es ist eine wahrlich apokalyptische Szene, die den Konsumenten auf dem Flaschenetikett begegnet, bevor sie sich an den ersten Schluck „Wasteland Hell“ heranwagen. Was kurz darauf dem Gaumen begegnet, ist hingegen ein überaus süffiges Bier – ein klassisches Helles, wie das Wortspiel im Namen schon andeutet.

„Wir wollten ein Bier brauen, das möglichst jedem schmeckt“, erklärt Sven Funk, gewissermaßen der kreative Kopf hinter dem Gebräu. Das charakterisiert er als ein eher sommerliches Bier. Und die Resonanz ist offenbar gut: „Wir haben noch von niemandem gehört, dass es ihm nicht gefallen hätte.“

Der im Gegensatz dazu brachiale Name des Produkts orientiert sich am jüngsten musikalischen Werk der Bierbrauer: „Journey to the Wasteland“ heißt das neue Album der Solinger Heavy-Metal-Band „Wireless Frank.N.Stein“. Und auf dem von Bassist Kai Supianek gestalteten Cover findet sich auch die gleiche dystopische Darstellung des Brückenparks wie auf dem Bier-Etikett.

Entstanden ist der perlende Gerstensaft im Sommer in der Solinger Brauerei „Popedope“ und geht auf die persönliche Leidenschaft von „Wireless“-Sänger und Texter Sven Funk zurück: Er gilt innerhalb der Gruppe als „Biersommelier.“ „Ich bin mit den Betreibern von Popedope befreundet – und sie mögen unsere Musik“, erzählt Funk.

Er kreierte die Rezeptur. Und eines Vormittags traf sich schließlich die ganze Gruppe – dazu gehören noch Gitarrist Oliver Stein und Schlagzeuger Frank Fittgen – in den Räumen der Brauerei zum gemeinsamen Malzen, Schroten und Kochen, bevor man die Zutaten dem Gärprozess überließ. „Das war eine spannende Erfahrung“, schildert Kai Supianek. 700 Flaschen mit jeweils 0,33 Litern Inhalt kamen nach Angaben von Popedope letztlich zustande. Rund 400 davon übernahmen die Bandmitglieder für sich.

Eigentlich sei der Plan gewesen, das Bier als Teil eines Premiere-Bundles gemeinsam mit der Langspielplatte von „Journey to the Wasteland“ zu verkaufen, verraten die Bandmitglieder. Das habe man allerdings aus logistischen Gründen verworfen. „Und auf den Konzerten verkaufen die Veranstalter natürlich selbst ihre Getränke“, sagt Oliver Stein. In den Genuss von „Wasteland Hell“ sind in der Zwischenzeit dennoch einige Fans gekommen – entweder direkt über den Kontakt zu den Mitgliedern der Band oder über Popedope.

Und wer noch etwas ergattern haben will, sollte sich beeilen: „Es sind nur noch dreieinhalb Kästen da“, verrät Christian Papst, der gemeinsam mit Jens Malso die Brauerei führt. Er stellt dem Bier ebenfalls ein gutes Zeugnis aus. Als Merchandising-Artikel sei das Bier allein aufgrund der aufwändigen Herstellung nicht vergleichbar mit klassischen Produkten wie T-Shirts, gesteht Oliver Stein: „Aber wir haben damit anderen eine Freude gemacht.“

Aufgetreten sind „Wireless Frank.N.Stein“ in jüngerer Vergangenheit zum Beispiel in der Cobra. Auch das Merscheider Kulturzentrum findet sich in der Innenhülle der Langspielplatte in einem infernalischen Szenario wieder. Sie seien offen für verschiedene Stilrichtungen und in früheren Jahren teils auch mit anderen musikalischen Genres aktiv gewesen, erklären die Bandmitglieder.

Ihr gemeinsamer Nenner als „Wireless Frank.N.Stein“ sei aber Musik im Stil des 80er-Jahre-Heavy-Metal. Ihre Titel komponieren sie alle gemeinsam, während Sven Funk – auf seinen Nachnahmen spielt übrigens das „Wireless“ im Bandnamen an – im aktuellen Album das Monopol auf die Texte hatte. Einmal pro Woche trifft sich die Gruppe zum Proben in einem gemütlichen alten Werkstattraum hinter Oliver Steins Wohnung. „Hier stören wir niemanden“, sagt der Gastgeber.

An diesem Ort herrscht zweifellos die richtige Atmosphäre zum Kreativ-Sein: Konzertplakate hängen an der Wand, hinter dem Schlagzeug beobachtet eine Schaufenster-Puppe aus ihrer Boris-Karloff-Maske monsterhaft das Geschehen – und in zwei zugemauerten Fensternischen sind hinter einer hölzernen Bar dekorativ Getränkeflaschen drapiert. Auch ein Kasten „Wasteland Hell“ steht im Proberaum.

Die Band hat sich inzwischen wieder ans Werk gemacht: „Wir fangen jetzt an, neue Songs zu schreiben“, verrät Stein. Bis zum nächsten Album ist es freilich noch ein weiter Weg. Insgesamt rund zwei Jahre arbeitete die Band an „Journey to the Wasteland“. Auf den nächsten Auftritt werden die Fans indes nicht so lang warten müssen: Am Samstag, 14. Februar, ab 20 Uhr sind „Wireless Frank.N.Stein“ als eine von drei Bands im Rockin` Rooster Club an der Dieselstraße 5 in Haan zu Gast.

Ein weiterer Arbeitstag in der Brauerei, um neues Bier zu herzustellen, ist zwar derzeit nicht geplant – aber, wie die Gruppe betont, auch nicht ausgeschlossen.