Das Handelsvolumen zwischen der Türkei und der EU erreichte 2025 ein Rekordhoch von über 220 Milliarden Euro. Getrieben wird der Boom von der Automobilindustrie und steigenden Rüstungsexporten.
Die Türkei festigt ihre Rolle als Schlüsselpartner Europas: Das Handelsvolumen mit der EU kletterte 2025 auf ein Rekordhoch von über 220 Milliarden Euro. Getrieben wird der Boom von Autos und Rüstungsgütern.
Die Zahlen sind ein politischer Erfolg für Ankara. Präsident Recep Tayyip Erdoğan und Handelsminister Ömer Bolat präsentierten am Samstag in Istanbul eine Außenhandelsbilanz mit historischen Werten. Der wichtigste Befund: Die Wirtschaftsverflechtung mit der Europäischen Union hat ein neues Rekordniveau erreicht. Das bilaterale Handelsvolumen summierte sich 2025 auf 232,7 Milliarden US-Dollar (rund 220 Milliarden Euro). Damit ist die Türkei mittlerweile der fünftgrößte Handelspartner der EU.
Exportmotor läuft auf Hochtouren
Die Gesamtexporte der Türkei stiegen um 4,5 Prozent auf einen Rekordwert von 273,4 Milliarden Dollar. Inklusive Dienstleistungen erreichte die Ausfuhr sogar fast 400 Milliarden Dollar – und übertraf damit die Regierungsziele. Besonders der Dezember sorgte für Schwung: Mit Exporten im Wert von 26,4 Milliarden Dollar wurde der stärkste Monat in der Geschichte der Republik verzeichnet.
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Die Struktur der Ausfuhren hat sich fundamental gewandelt. Über 93 Prozent entfallen heute auf das verarbeitende Gewerbe. Textilien und Agrarprodukte, einst die tragenden Säulen, spielen nur noch eine Nebenrolle. Diese Diversifizierung macht die türkische Wirtschaft krisenfester.
Euro verdrängt den Dollar im Handel
Ein bemerkenswerter Trend zeigt sich bei den Transaktionswährungen. Der Euro hat im Handel mit der EU massiv an Bedeutung gewonnen. In den ersten elf Monaten 2025 wurden bereits über 222 Milliarden Dollar an Geschäften in Euro abgewickelt. Seit 2021 wurde sogar die Schwelle von einer Billion Dollar im Euro-Handel überschritten.
Für türkische Unternehmen ist das eine kluge Absicherungsstrategie. Denn während Energieimporte in Dollar bezahlt werden müssen, generieren die Exporte in die EU Einnahmen in Euro. Dieser natürliche „Hedge“ schützt die Leistungsbilanz vor Währungsschwankungen.
Autobranche und Rüstung treiben das Wachstum
Zwei Schlüsselsektoren sind die Haupttreiber des Booms: die Automobilindustrie und die Verteidigungsbranche.
Die türkische Autoindustrie exportierte 2025 Güter im Wert von über 41 Milliarden Dollar. Mit einer Produktion von etwa 1,5 Millionen Fahrzeugen hat sich das Land als viertgrößter Hersteller Europas etabliert. Der Einstieg der heimischen Elektromarke Togg in den europäischen Markt und die Produktion internationaler Modelle in türkischen Werken befeuern den Erfolg.
Noch dynamischer wächst der Rüstungssektor. Die Exporte stiegen von lächerlichen 248 Millionen Dollar im Jahr 2002 auf beeindruckende 9,87 Milliarden Dollar im Jahr 2025. Europäische NATO-Partner gehören zu den wichtigsten Abnehmern türkischer Drohnentechnologie. Das zeigt den technologischen Sprung, den die Türkei vollzogen hat.
Ambitionierte Ziele für 2026 trotz Risiken
Die Regierung blickt mit großen Ambitionen nach vorn. Für 2026 peilt sie ein Gesamtexportvolumen von 410 Milliarden Dollar an. Davon sollen 282 Milliarden auf Waren und 128 Milliarden auf Dienstleistungen entfallen.
Doch Analysten sehen Wolken am Horizont. Eine konjunkturelle Abkühlung in Kernmärkten wie Deutschland könnte die Nachfrage bremsen. Die hohe Inflationsrate im Inland treibt zudem die Produktionskosten und gefährdet die Wettbewerbsfähigkeit.
Trotzdem gibt es positive Signale. Die Deckungsquote von Exporten zu Importen verbesserte sich 2025 auf 74,8 Prozent. Anfang der 2000er Jahre lag sie noch bei etwa 50 Prozent. Das zeigt eine strukturelle Stärkung, auch wenn das Handelsdefizit weiter eine Herausforderung bleibt. Die Modernisierung der Zollunion mit der EU könnte dem Wachstum 2026 weiteren Schub verleihen.
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