Noch hat die Polizei zwar keine genauen Erkenntnisse darüber, wie es am frühen Samstagmorgen zu dem folgenreichen Brand auf einer Kabelbrücke über den Teltowkanal zum Heizkraftwerk Lichterfelde gekommen ist. Gleichwohl gingen die Ermittler am frühen Nachmittag von Brandstiftung aus. Politische Motive werden nicht ausgeschlossen.
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„So ein Starkstromkabel brennt nicht einfach so“, sagte der Energienetzexperte Kai Strunz von der Technischen Universität Berlin der Berliner Morgenpost. Auch aus Sicht des Fachgebietsleiters am Fachgebiet Energieversorgungsnetze und Integration Erneuerbarer Energien (SENSE) gibt es klare Parallelen zu dem Angriff auf die Stromversorgung des Technologieparks Adlershof in Treptow-Köpenick vom September 2025.

Wo Kabel aus der Erde an die Oberfläche kommen, bietet das Netz Angriffspunkte
Zwar konzentrieren sich Sicherheitsbehörden und Politik inzwischen verstärkt auf die Sicherheit kritischer Infrastruktur. Dennoch scheint es den Tätern wieder gelungen zu sein, eine Schwachstelle im Berliner Stromnetz zu identifizieren und anzugreifen. Wieder sind die Folgen erheblich. Mit 45.000 betroffenen Haushalten ist die Zahl der Opfer, die nun ohne Strom und oft auch ohne Heizung ausharren müssen, ebenso groß wie vor vier Monaten im Südosten der Stadt.

Einsatzkräfte der Polizei stehen an der Brandstelle einer Kabelbrücke vor dem Kraftwerk Lichterfelde am Teltowkanal. Nach dem Brand einer Kabelbrücke ist im Südwesten Berlins für etwa 45.000 Haushalte und 2000 Gewerbebetriebe der Strom ausgefallen.
© Michael Kappeler/dpa | Michael Kappeler
Laut Professor Strunz geht es beide Male um Orte, wo die in Berlin meist sicher in der Erde vergrabenen Stromleitungen ans Licht kommen. In Johannisthal wechselte das Erdkabel in eine Überlandleitung. Den Strommast anzuzünden zerstörte dort seinerzeit die Stromverbindungen. In Lichterfelde nutzten die Täter die wenigen Meter, die das Kabel oberirdisch über die Brücke verlief und in einem kleinen Häuschen endeten. Dort soll der Brand am Sonnabend gegen sechs Uhr morgens zuerst gesehen worden sein.

Kai Strunz leitet das Fachgebiet Energieversorgungsnetze und Integration Erneuerbarer Energien (SENSE) an der Technischen Universität Berlin.
© TU Berlin | TU Berlin
Offenbar sei die Leitung an dieser Stelle wieder relativ einfach zugänglich gewesen, vermutete Strunz. Das räumt auch die Stromnetz Berlin GmbH ein, auch wenn die Brücke nicht so einfach zu begehen gewesen sei. Es brauche schon starke kriminelle Energie, um die vorhandenen Sicherungen zu überwinden und zu dem Kabel zu gelangen, hieß es.
Oberirdische Kabel müssten sicher eingehaust und unzugänglich gemacht werden
Aus Sicht des Experten sind diese Schnittstellen zwischen unter- und oberirdischen Kabelverläufen potenzielle Angriffspunkte auf das Berliner Stromnetz. Ganz verhindern werde man Angriffe auf das System wohl nicht können, glaubt Strunz. Aber gleichwohl ließen sich die neuralgischen Punkte besser schützen. Natürlich könne man ein Starkstromkabel zum Kraftwerk auch unter dem Kanal verlegen, aber das sei sehr aufwendig und kurzfristig kaum zu leisten. Aber wo die Leitungen oberirdisch verliefen, müssten sie besser eingehaust und gegen Zugriff von außen gesichert werden, so sein Rat.

Besondere Insiderkenntnisse brauche man nicht, um Teile des Stromnetzes lahmzulegen, heißt es auch von der Stromnetz Berlin. Im Internet kursierten Informationen über die kritische Infrastruktur. Auch Pläne des Stromnetzes seien dort zu finden, obwohl man versuche, solche Daten dort verschwinden zu lassen.
Stromausfall nach Kabelbrand
Dennoch sei auch per Augenschein erkennbar, wo etwa Kabel aus der Erde oder eben aus Kraftwerken kämen. Wie auch immer sie dazu gelangt sind: Es scheint so zu sein, dass mutmaßliche Täter in Berlin über solche Kenntnisse zur Netzstruktur verfügen und für ihre kriminellen Anschläge nutzen. Über das Motiv gibt es bisher aber nur Spekulationen.