Hauptgeschäftsführer Andreas Brzezinski von der Handwerkskammer Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt
Freistaat soll gegen den Betriebsschwund jenseits der Städte ansubventionieren
Dresden, 30. Dezember 2025. Vor einem bedenklichen Schwund von Handwerksbetrieben und -Infrastrukturen auf dem Lande warnt die Handwerkskammer (HWK) Dresden – und wünscht sich vom Freistaat Sachsen mehr Förderung „für stadtferne Regionen“. „Die handwerklichen Versorgungsstrukturen im ländlichen Raum müssen aufrechterhalten werden, fordert Kammer-Hauptgeschäftsführer Andreas Brzezinski.
„Wirtschaftliche Lage im Handwerk sehr angespannt“
„Die wirtschaftliche Lage im Handwerk ist sehr angespannt“, erklärt Brzezinski. Hinzu kämen langfristige Trends wie die Ausdünnung der Handwerksfirmen jenseits der großen Städte. So haben laut HWK die vier Landkreise im Kammerbezirk in den vergangenen fünf Jahren 1602 Unternehmen verloren. Besonders deutlich sei der Schwund im Landkreis Görlitz, dem 867 Handwerksbetriebe „abhanden“ kamen.
Kammer: Ungleichgewicht zu Gunsten der Industrie muss sich 2026 ändern“
Daher fordern die Handwerker erneut eine Abkehr von der „Leuchtturm-Politik“ in Sachsen: „Neue Jobs in der Großindustrie, die häufig in oder in der Nähe von Großstädten entstehen, werden mittlerweile mit knapp einer Million Euro je Arbeitsplatz gefördert“, rechnet Brzezinski vor. „Das sächsische Handwerk auf dem Land, was mehr als zehn Milliarden Euro Umsatz im Jahr erwirtschaftet, kann davon nur träumen. Das ist ein Ungleichgewicht, das muss sich im Jahr 2026 ändern.“
Mehr Geld für Busse, Internet und Führerscheine eingefordert
Konkret fordert die Kammer vom Freistaat, den öffentlichen Nahverkehr, schnelles Internet, Kitas und Schulen auf dem Lande besonders zu fördern. Auch sollen Land-Azubis staatliche Zuschüsse bekommen, wenn sie ihren Führerschein machen. Denn eine Fahrerlaubnis sei zwingend notwendig, „damit die Jugendlichen zum Betrieb, in die Berufsschule und auf die Baustelle kommen“.
Handwerker gegen Standortprinzip bei Berufsschulen
Außerdem soll der Freistaat mit finanziellen Anreizen Unternehmer und Investoren aufs Land locken, damit die dort Handwerksbetriebe ohne Nachfolger in der Familie übernehmen. Zudem stemmen sich die Handwerker gegen die Forderungen der Industrie- und Handelskammer, Berufsschulen dort zu konzentrieren, wo es besonders viele und große Betriebe der jeweiligen Branche geben. Statt auf dieses „Standortprinzip“ umzuschwenken, solle Sachsen beim Wohnort-Prinzip bleiben: „Gerade im ländlichen Raum ist die wohnortnahe Erreichbarkeit von Berufsschulzentren ein entscheidender Faktor für die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe und die Wahl eines Ausbildungsberufs durch junge Menschen“, argumentieren sie.
Autor: hw
Quellen: HWK DD, Oiger-Archiv

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