Osnabrück (Niedersachsen) – Schon im letzten Jahr war die finanzielle Lage chronisch schlecht, jetzt wird sie kritisch. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) warnt für das neue Jahr vor einer Pleitewelle vieler Krankenhäuser: Betroffen könnten auch wichtige Versorger-Kliniken sein.

Eines der jüngsten Beispiele einer ganzen Reihe von Insolvenzen in der deutschen Gesundheitsfürsorge: Im Spätherbst meldete die Krankenhaus Geesthacht GmbH mit 700 Mitarbeitern Insolvenz an. Die Klinik in Schleswig-Holstein ist schon zum zweiten Mal pleite. 250 Angestellte bekamen am 29. Dezember die Kündigung. Nun sollen die Unfallmedizin, die Intensivstation und die Gynäkologie geschlossen werden, um aus dem Standort eine wirtschaftlich tragfähige Fachklinik zu machen.

So dramatisch ist die Lage im Gesundheitswesen

Die Situation in Geesthacht ist symptomatisch. Das Modell Vollversorgung für Patienten funktioniert nicht mehr. Wegen der Verwässerung der Krankenhaus-Reform befürchten die Experten der KBV, dass 2026 immer mehr medizinische Versorger zahlungsunfähig werden.

„Die Konsequenz ist klar: Ohne echte Reform werden Krankenhäuser weiter reihenweise in die Insolvenz stürzen. Das Dramatische dabei ist, dass es nicht nur verzichtbare Kleinkrankenhäuser trifft, sondern teils wichtige Versorger-Kliniken, die gute Arbeit leisten und die wir brauchen“, sagte der KBV-Vorstandsvorsitzende Andreas Gassen der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Ein Grund sei, dass die noch von Ex-Gesundheitsminister Karl Lauterbach (62, SPD) gestartete Krankenhaus-Reform bis „Unkenntlichkeit zerfleddert“ worden sei.

Dr. Andreas Gassen ist seit 2014 Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung

Dr. Andreas Gassen ist seit 2014 Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung

Foto: Christian Knieps

Immer mehr Kliniken kämpfen ums wirtschaftliche Überleben. Diverse Krankenhäuser gerieten unlängst ins Straucheln.

Kliniken, die Insolvenz anmelden musstenDie Park-Klinik in Berlin-Weißensee ist finanziell am Ende – wie viele Krankenhäuser in Deutschland

Die Park-Klinik in Berlin-Weißensee ist finanziell am Ende, wie viele Krankenhäuser in Deutschland

Foto: Schoening/picture alliance

Schuld gibt Gesundheitsstratege Andreas Gassen den Regierungschefs der Länder: „Die Bundesländer sind zu den notwendigen Strukturanpassungen einfach nicht bereit, bei der Mahnwache vor der Miniklinik mit 80 Betten machen alle mit“, sagte er dem Blatt.

Die Patientenzahlen sinken, aber die Kliniken seien mit mehr als 100 Milliarden Euro der größte Kostenblock. „Wenn es rein um die Versorgung der Patienten ginge, könnten wir in Deutschland auf etliche, teils sehr kleine Krankenhäuser, die jetzt bereits kaum noch echte Versorgung leisten, verzichten. Jeder Ministerpräsident weiß das, sagt aber: ‚Nicht in meinem Bundesland!‘, sagte Gassen laut „Neuer Osnabrücker Zeitung“. Und er wird sehr deutlich, was passieren muss.

Streichung von Leistungen gefordert

Um die Ausgaben weiter substanziell zu senken, plädiert der frühere Notfallmediziner in dem Blatt dafür, Leistungen zu streichen: „In England bekommen Sie mit 70 Jahren eben keine neue Hüfte mehr. In Schweden muss die Zahnversorgung selbst bezahlt werden. Psychotherapie gibt es sonst nirgendwo in der gesetzlichen Krankenversicherung.“ Außerdem könnten Steuern auf Alkohol, Tabak, Cannabis oder Zucker erhöht werden.