Es war ein wahrlich denkwürdiger Finalabend: Victoria Mennrath hat ihren Hallenstadtmeister-Titel durch einen 6:4-Finalsieg gegen die SpVg Odenkirchen zurückerobert und den dritten Sieg in vier Jahren erspielt. Nach 2023 und 2024 hat Mennrath nun auch den Titel für 2026 geholt. Unschöne Szenen auf der Tribüne der Jahnhalle, ein damit verbundene Turnierunterbrechung zum Ende der Gruppenphase und ein möglicher Abbruch ließen das Sportliche jedoch etwas in den Hintergrund rücken.
Zunächst duellierten sich die acht Endrunden-Teilnehmer in einer Vorrunde in zwei Vierergruppen. In Gruppe A hatte der Rheydter SV gegen die Sportfreunde Neuwerk mehr Spielglück und Abgezocktheit. Vorne effizient im Abschluss und hinten mit Dusel, dass einige gefährliche Neuwerker Versuche nicht den Weg ins Tor fanden. So ging der RSV rasch mit 2:0 in Führung und hielt diese lange Zeit. Vom Neuwerker Anschluss ließ sich RSV nicht beeindrucken, sondern drehte erst richtig auf. Drei Tore in schneller Abfolge kurz vor Schluss sorgten für ein überraschend hohes, aber nicht unverdientes 5:1. Ein Ausrufezeichen so früh in der Endrunde für den RSV, dem immerhin als A-Ligist ein Kantersieg gegen einen Bezirksligisten gelang. Im Parallelduell überzeugte der TuS Wickrath nur bedingt und rang BW Wickrathhahn mit Mühe mit 1:0 nieder.
In Gruppe B zeigte der Polizei SV wie schon in den vorigen Runden, dass er die „Großen“ ärgern kann. Sein frühes 1:0 gegen Odenkirchen, war wohl nötig um die Favoriten aus der Bezirksliga wach zu küssen. Odenkirchen glich aus, zeigte sich aber im Spielaufbau fehleranfällig und kassierte das 1:2. Ein weiterer Fehler und ein weiterer Gegentreffer: Am Ende ein etwas schmeichelhaftes 3:3 für Odenkirchen gegen den PSV. Türkiyemspor ging mit seiner gewohnten Leidenschaft ins Spiel gegen Mennrath, zwei tolle Tore von Routinier Thomas Tümmers bescherten Türkiyemspor immerhin ein 2:2 gegen die klassenhöhere Victoria Mennrath.
Während die Teams sich im ersten Spiel womöglich noch einen kleinen Hänger erlauben konnten. In Gruppe A stand Neuwerk aufgrund der Auftaktniederlage in Spiel zwei unter Druck. Doch der Knoten platzte nicht. Wickrath rang Neuwerk mit 3:2 nieder, damit war Neuwerk ausgeschieden. Für viele Beobachter sicher anders als erwartet. Es marschierte auch der RSV weiter, der Wickrathhahn mit 4:0 keine Chance ließ und ebenfalls vorzeitig im Halbfinale stand. Die „Hahner“ waren nicht unerwartet nach der Gruppenphase raus.
In Gruppe B bezwang dann Türkiyemspor den Polizei SV knapp mit 1:0. Doch die Partie war nach unschönen Szenen für lange Zeit unterbrochen gewesen. Nach einem harten Zweikampf an der Bande im hinteren Teil der Halle direkt vor der Zuschauertribüne brach im Fanbereich, in dem Anhänger von Türkiyemspor und dem Polizei SV dicht beieinandersaßen, Streit aus. Dabei kam es auch zu Handgreiflichkeiten zwischen den Lagern, an denen sich Spieler auf der Tribüne und auf dem Platz beteiligten. Die Sicherheitskräfte versuchten die Lage zu beruhigen und schickten beide Mannschaften in die Kabine. Doch zu einem schnellen Wiederanpfiff kam es nicht, nachdem Mennrath mit dem Turnierausstieg gedroht hatte. Auch die anderen Teilnehmer stellten einen Ausstieg in Aussicht, sofern Türkiyemspor und Polizei SV weiterspielen würden.
Die Turnierleitung bat zu einer Besprechung mit allen Mannschaften. Erst nach erneut langer Wartezeit stand fest, dass es weitergehen würde – mit den „beschuldigten“ Vereinen. Stadtsportbund-Präsident Hans-Wilhelm Reiners betonte in einer kurzen Ansprache stellvertretend für die Turnierleitung, dass es nicht akzeptabel sei, dass sich einige so danebenbenehmen würden. „Wir sind zu der Entscheidung gekommen, das Turnier fortzuführen“, sagte Reiners, der aber warnte, bei einem weiteren vergleichbaren Vorfall würden er und der Stadtsportbund das Turnier abbrechen. So ging es nach rund anderthalb Stunden Unterbrechung weiter. Ein Team, Wickrathhahn, das freilich schon ausgeschieden war, entschied sich zum Rückzug.
Das Spiel Türkiyemspor gegen PSV wurde unter Pfiffen der Fans anderer Mannschaften fortgeführt, in den drei Minuten, die auf der Uhr noch standen, passierte nicht mehr viel. Der Makel, dass das Sportliche nun nicht mehr den einzigen und höchsten Stellenwert hatte, haftete dem Turnier jetzt an. Im Duell zwischen Mennrath und Odenkirchen ging es sehr körperlich und nicht mehr auf dem allerhöchsten Niveau zu. Doch es blieb fair und friedlich, was zu dem Zeitpunkt das wohl Wichtigste war.
Körperbetonte Spiele nach der Unterbrechung
Genauso nickelig war auch das Finale um den Gruppensieg zwischen Wickrath und Neuwerk, das von hartem Einsteigen auf beiden Seiten und viel Verärgerung auf den Ersatzbänken geprägt war. Der RSV überzeugte spielerisch wie schon in den ersten beiden Spielen und lag zwischenzeitlich 3:0 vorne. Am Ende defensiv etwas nachlässig rettete der RSV ein 3:2 über die Zeit und war Gruppensieger der Gruppe A. In Gruppe setzte sich Mennrath sehr knapp gegen Polizei durch und war durch, auch gegen Türkiyemspor und Odenkirchen kam es zum Endspiel ums Weiterkommen, wobei Letztere zum Siegen verdammt waren. Die Nachbarvereinen taktierten und riskierten wenig, das 1:0 von Odenkirchen nach Hälfte der Spielzeit war eher ein Zufallsprodukt. In den Schlussminuten steigerten sich die 05/07ern und erhöhten durch zwei fast baugleiche Kombinationen auf 3:0, am Ende reichte es zu einem 4:1. Odenkirchen war als Gruppensieger im Halbfinale und traf dort auf Wickrath.
Offene Halbfinal-Spiele, knappe Finalisten
Zuvor kämpfte zunächst der RSV gegen Mennrath um den Finaleinzug. Mennrath zeigte die Abgezocktheit eines in der Halle stets erfolgreichen Teams, gelang per Freistoß und per Fernschuss die Doppelführung und ließ sich auch vom zweimaligen Rheydter Anschluss nicht verunsichern. Mit Kampf statt mit schönem Fußball reicht ein 3:2 für den Finaleinzug. Das zweite Halbfinale zwischen Odenkirchen und Wickrath war eine extrem offene Begegnung, beiden Mannschaften gelang jeweils ein sehenswertes Tor. Nach einem leistungsgerechten 1:1 nach regulärer Spielzeit ging es in die fünfminütige Verlängerung. Hier ging keine Mannschaft ins Risiko, das Neunmeterschießen musste entscheiden: Hier verschoss Wickrath einmal mehr als Odenkirchen, 4:3 n. E war das Endergebnis für die 05/07er. Wickrath setzte sich noch im Neunmeterschießen gegen den RSV durch und war ein verdienter Dritter des Turniers. Auch Rheydt schloss die Hallenstadtmeisterschaft nach tollen Leistungen als Vierter ab, hätte fast die Überraschung geschafft.
Im Finale ging Mennrath nach zwei Minuten durch Moussa Coulibaly in Führung, direkt nach Anpfiff glich Robin Wolf für Odenkirchen aber aus. Es entwickelte sich ein Finale, das ebenso offen war wie zuvor die Halbfinale-Begegnungen. Erneut Coulibaly gelang vor der Halbzeitpause, die es nur im Finale gibt, die erneute Führung. Doch wieder glich Odenkirchen nur wenige Sekunden später in Form von Marcel Schulz aus. Mennrath war erneut zur Stelle und ging durch Erjon Duriqi zum 3:2 in Führung. In der zweiten Halbzeit spielte sich Mennrath dann plötzlich in einen Rausch und schoss drei Treffer in schneller Folge (Wadiem Kuliew, Duriqi und Johannes Minkiti), bei denen die Odenkirchener Hintermannschaft zwischenzeitlich die Kontrolle verlor. Das Spiel war entschieden, woran auch das 3:6 durch Robin Wolf und das Odenkirchener 4:6 durch Pascal Moseler nichts mehr änderte.
Wiederholungssieger und ein geehrter Fußball-Fachwart
Bei dem Ergebnis blieb es, Mennrath war Hallenstadtmeister, zum dritten Mal im vierten Jahr. Und durfte den Gesang „Die Nummer eins der Stadt sind wir“ anstimmen. Für den Stadtsportbund, der das Turnier wieder mit der fleißigen Mitarbeit vieler Freiwilliger übernommen hatte, ehrte die fünf Erstplatzierten. Als bester Torwart wurde Paul Breitewischer, als beste Torschützen wurden Marvin Küsters (PSV) und Robin Wolf ausgezeichnet. Und eine Ehrenwürdigung erhielt Fußball-Fachwart Jürgen Marohn, der seine Tätigkeit beim Stadtsportbund beendet.