„Wir haben nicht weniger, aber inzwischen eine ganz andere Art von Feuerwerksmüll, den wir nach Silvester aufräumen“, berichtet Robert Pietza vom Bauhof der Stadt Troisdorf. Er muss es wissen. 1983 hat er dort seine Lehre als Straßenwärter angefangen und ist bis heute geblieben. „Früher gab es mehr kleinteiligen Müll durch die legendären Chinakracher“, erinnert er sich. Als dann in den 1990er Jahren langsam die großen Feuerwerksbatterien durch Massenimporte aus China kamen, änderte sich das Kaufverhalten der Menschen.
Die Reste des Batteriefeuerwerks werden einzeln eingesammelt und in Mülltüten gesteckt
Mit dem Jahrtausendwechsel konnte eindeutig die Trendwende vollzogen werden. Größere Kaliber mit komplexen Fächerungen bei längeren Laufzeiten in den Feuerwerksbatterien begeisterten immer mehr Menschen. Für die Mitarbeiter des Bauhofes hat sich dadurch die Arbeitsweise geändert. Die großen Feuerwerksbatterien müssen einzeln per Hand eingesammelt, in Mülltüten gesteckt und auf die Ladefläche des Transporters geworfen werden. Das kostet Zeit.
Die meisten Menschen wissen gar nicht zu schätzen, was wir hier leisten
Robert Pietza vom Bauhof der Stadt Troisdorf
„Die meisten Menschen wissen gar nicht zu schätzen, was wir hier leisten“, sagt Pietza, während er eine leere Sektflasche in den Sack wirft. Sein Kollege Andreas Kalinowski kommt mit einer Schaufel und einem Besen hinzu. Denn nur eine Flasche ist heil geblieben, zwei andere liegen zertrümmert daneben, die Scherben rundherum verteilt. Sorgfältig werden sie zusammengekehrt und kommen in den Abfallsack. „Wir müssen an die Hunde denken, deren Pfoten durch scharfe Glassplitter verletzt werden können“, so Kalinowski. Deshalb sei Gründlichkeit besonders wichtig.

Eine Mischung aus Scherben von Sektflaschen, Knallerhülsen, Tannennadeln und kleinen Ästen wird sorgfältig zusammengekehrt.
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Kalinowski ist nach seiner Lehre als KfZ-Mechaniker im Jahr 2013 zum Bauhof gekommen. Er ist eigentlich als Fahrer mit den Kehrmaschinen unterwegs. Die kommen diesmal jedoch nicht zum Einsatz. Es hat über Nacht gefroren. Wege und Straßen sind wie ein Teppich mit weißem Raureif bedeckt. Der Abfallbehälter würde sich durch das automatische Kehren und Aufsaugen schnell mit den eisigen Flocken füllen, somit dem Müll den Platz nehmen. „Wir warten, bis es getaut hat.“
Die Reinigung der Straßen zum Jahreswechsel ist nämlich eine kleine Wissenschaft. Kehrmaschinen können optimal an den Bordsteinen eingesetzt werden. An der Kante sammelt sich der Müll, der automatische Besen kehrt ihn zusammen. Mit dem Handbesen werden die Reste der Kracher vom Bürgersteig dorthin geschoben, die Maschine regelt den Rest. Dieses Zusammenspiel ist nur bei trockenem und eisfreiem Wetter möglich. Das ist diesmal nicht der Fall. „Wir warten bis Montag, kommen dann mit den Maschinen“, so Pietza. Nur der grobe Müll und gefährliches Glas werden eingesammelt.

Mühsam werden die Reste des Feuerwerks am Europaplatz von Andreas Kalinowski (l.) und Robert Pietza vom Bauhof der Stadt Troisdorf eingesammelt.
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Der meiste Müll, sagen die beiden übereinstimmend, findet sich nach Silvester immer an großen Plätzen in der Stadt, wo viele Menschen ausgelassen zum Feiern zusammenkommen. Der Europlatz am Rotter See ist ein solcher Hotspot, aber auch der Oberlarer Platz oder die Fläche an der Moselstraße beim Sportplatz gehöre dazu, nennt Pietza einige Beispiele. Mit drei Kolonnen ist der Bauhof der Stadt diesmal unterwegs, andere Kollegen streuen die glatten Straßen und Wege. Das sei zurzeit wichtiger als das Einsammeln von Silvestermüll.
Wir haben zwei Töchter im Alter von zehn und zwölf Jahren. Die freuen sich immer ein wenig über Feuerwerk
Andreas Kalinowski vom Bauhof der Stadt Troisdorf
Nach einer halben Stunde sind schon fünf Müllsäcke gefüllt, langsam ist der Europaplatz von den zahlreichen Feuerwerksbatterien und Plastikhüllen für Raketen befreit. Es ist 10.30 Uhr. Pietza und Kalinowski sind schon seit 6.30 Uhr unterwegs. Die Ladefläche ihres Transportes ist gut gefüllt.
Und wie halten sie es selber mit dem Feuerwerk? „Für mich ist das Umweltverschmutzung, ich brenne aus Prinzip kein Feuerwerk zum Jahreswechsel ab“, so Pietza. Sein Kollege sieht das ein wenig anders. „Wir haben zwei Töchter im Alter von zehn und zwölf Jahren. Die freuen sich immer ein wenig über Feuerwerk“, sagt Kalinowski.

Nach einer halben Stunde sind fünf Müllsäcke gefüllt, dazu kommen noch die anderen Reste vom Europaplatz.
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Er kehrt am nächsten Morgen die Reste von Silvester vor seinem Haus sofort zusammen. Sie kommen in die Tonne für den Hausmüll. Das ist in den Abfallsatzungen so vorgesehen und sei eigentlich selbstverständlich. „Den Müll, den man produziert, entsorgt man selber“, so Kalinowski. Das gelte auch für das Feuerwerk. Wenn jeder diese Reste spätestens am nächsten Morgen wegräume, dann gebe es keine Probleme mit dem Müll.
