Berlin – Stockfinstere Straßen. Nur wenige Menschen huschen am Samstagabend noch über die Gehwege. Auf der Flucht zu den Verwandten – oder auf dem Weg zurück in die eiskalte Wohnung. Es liegt Schnee und nicht einmal das Telefon oder das Internet funktionieren. Die Stimmung ist düster.
Nach dem Stromausfall mit 45.000 betroffenen Haushalten, der noch bis Donnerstag anhalten soll, begab sich BILD in den Südwesten von Berlin. Zu den Menschen, die im Dunkeln hocken.

Am Mexikoplatz leuchtet ein Scheinwerfer der Feuerwehr, sonst sind nur die Gaslaternen noch in Betrieb
Foto: michael körner
„Bis Donnerstag halten wir nicht durch“
Lehrerin Alke (52) läuft über den schneebedeckten Gehweg. Die Fenster in ihrer Straße sind alle dunkel, nur eine der wenigen Gaslaternen Berlins leuchtet hinter ihr: „Ich habe zwei Töchter und zwei Hunde, keine Feuerstelle in der Wohnung. Wir werden uns warm anziehen, aber bis Donnerstag halten wir nicht durch. Berlin muss sich etwas einfallen lassen!“ Sie spricht mit den Nachbarn, doch Informationen gibt es kaum, denn auch das Internet geht nicht. Und die Warnmeldungen über das Smartphone sind Geschichte, wenn der Akku leer ist.

An vielen Stellen sorgen nur die Scheinwerfer der Autos für Licht auf den stockdunklen Straßen
Foto: EPA
Ampeln aus, Tankstellen dicht
Die große pulsierende Großstadt Berlin ist an einigen Stellen komplett ausgeknipst. Ampeln leuchten nicht, Restaurants, Kioske und Tankstellen haben dicht. Das dichte Schneetreiben sorgt in den Vierteln Wannsee, Nikolassee, Schlachtensee, in Teilen Zehlendorfs und Lichterfeldes für eine noch unheimlichere Atmosphäre. Mit Lautsprecherwagen fährt die Polizei durch die leeren Straßen, bietet Hilfe an, mahnt zur Vorsicht.
Parallel dazu werden Pflegeheime und Krankenhäuser evakuiert. In Steglitz-Zehlendorf gibt es fast an jeder größeren Straße Seniorenresidenzen und Privatkliniken. Feuerwehrleute tragen Kranke und Gebrechliche die Treppen herunter. Auch die Aufzüge haben schließlich keinen Strom.
Blackout in Berlin: Bewohner haben Angst vor Plünderern
Quelle: BILD04.01.2026
Matratzenburg gegen die Kälte
Heidi leuchtet sich mit einer Taschenlampe den Weg zum nächsten Supermarkt, um schnell noch Batterien zu kaufen: „Ich habe mir zu Hause schon zwei Kerzen angemacht, eine Matratzenburg gebaut, damit es wärmer ist.“

Heidi hat sich mit ihrer Taschenlampe auf den Weg gemacht, um noch mehr Batterien zu kaufen
Foto: Til Biermann
„Die Babys halten wir warm“
Vor einer kleinen Kerze sitzt auch Bürofachangestellte Sabine Klerx (55) aus Mönchengladbach auf dem Sofa, eingekuschelt in eine warme Decke. Sie ist zu Besuch bei ihrer Nichte – und fassungslos: „Ich finde das unglaublich, ich habe so etwas noch nie erlebt. Meine Nichte hat zwei kleine Babys, die sind ein und drei Jahre alt. Wir haben ihnen Strumpfhosen angezogen und halten sie warm.“

Sabine Klerx kuschelt mit dicker Decke auf dem Sofa: „Sowas habe ich noch nie erlebt“
Foto: Til Biermann
Noch ist es in der Wohnung, in der Sabine Klerx hockt, nicht eiskalt, doch die Heizung läuft nicht mehr. Durch den Stromausfall ist die Fernwärmeversorgung beeinträchtigt. Das Kraftwerk ist zwar selbst nicht betroffen, doch die Pumpen können die Wärme ohne Strom nicht transportieren.
Mehr zum ThemaZum Duschen zu Freunden
Mona (46) ist mit ihrer Tochter Lynn (13) aus der stromlosen Wohnung in den Winter geflüchtet: „Wir waren rodeln und haben uns draußen warm gemacht.“ Monas Mann hat inzwischen kleine Gasbrenner im Baumarkt gekauft, viele waren nicht mehr da. „Wir halten uns mit Kerzen über Wasser, gehen zum Duschen zu Freunden.“

Aufwärmen beim Rodeln, Duschen bei Freunden: Der Kein-Strom-Plan von Mona und Lynn
Foto: Til Biermann
Für Menschen, die keine Verwandten oder Freunde in der Nähe haben, hat die Stadt Notunterkünfte bereitgestellt. Wie schnell genau die Betroffenen wieder zurück in ihre Wohnungen können, ist ungewiss.