Jessica und Jacques M. betrieben die Bar «Le Constellation» in Crans-Montana.

Jessica und Jacques M. betrieben die Bar «Le Constellation» in Crans-Montana.

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Nach dem tödlichen Brand in der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana geraten die Betreiber weiter unter Druck. Recherchen aus Frankreich zeigen nun, dass Jacques M. dort bereits wegen schwerer Delikte verurteilt worden war.

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  • Der Betreiber der Brandbar in Crans-Montana war laut französischen Medien früher wegen Betrugs und Freiheitsberaubung in Haft.
  • Die Ermittlungen konzentrieren sich auf mögliche Sicherheitsmängel und Umbauten im Untergeschoss der Bar.
  • Ob es zu einer strafrechtlichen Verfolgung kommt, ist derzeit offen, die Unschuldsvermutung gilt.

Nach dem verheerenden Brand in der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana, bei dem an Neujahr mindestens 40 Menschen ums Leben kamen, rückt das Betreiberpaar zunehmend ins Zentrum der Ermittlungen. Überlebende hatten früh massive Kritik an den Sicherheitsverhältnissen in der Bar geäussert. Am Freitag wurden Jacques und Jessica M. von den Behörden befragt.

Wie die französische Zeitung «Le Parisien» berichtet, ist Jacques M. den Strafverfolgungsbehörden in Frankreich seit Jahrzehnten bekannt. Demnach soll er vor rund 30 Jahren in Fälle von Zuhälterei verwickelt gewesen sein. Zudem habe er vor etwa 20 Jahren im französischen Savoyen eine Haftstrafe wegen Betrugs, Entführung und Freiheitsberaubung verbüsst.

Eine Polizeiquelle sagte der Zeitung, M. habe seither jedoch nicht mehr zum Umfeld der organisierten Kriminalität gezählt. Die damaligen Verurteilungen liegen entsprechend weit zurück, bleiben nun aber Teil der öffentlichen Debatte rund um das Unglück von Crans-Montana.

Wunderkerzen waren wohl Auslöser

Parallel dazu prüfen die Walliser Behörden, ob in der Bar die geltenden Brandschutzvorschriften eingehalten wurden. Im Fokus stehen insbesondere Umbauten im Untergeschoss. Laut Ermittlern hatte M. nach der Übernahme des Lokals zahlreiche Arbeiten selbst vorgenommen. Fotos auf der inzwischen gelöschten Facebook-Seite der Bar zeigen unter anderem montierte Schaumstoffplatten an der Decke sowie bauliche Eingriffe an der Treppe.

Diese Treppe spielte beim Unglück eine zentrale Rolle. Überlebende berichten, sie sei der einzige Fluchtweg aus dem Untergeschoss gewesen. Wegen ihrer schmalen Bauweise habe sie sich im Brandfall rasch zur tödlichen Engstelle entwickelt.

Nach bisherigen Erkenntnissen könnte das Feuer durch Wunderkerzen ausgelöst worden sein, die die Deckenverkleidung entzündeten. Die Ermittlungen laufen weiterhin. Laut den Walliser Behörden ist noch offen, ob es zu strafrechtlichen Konsequenzen kommt. Möglich wäre unter anderem ein Verfahren wegen fahrlässiger Tötung. Es gilt die Unschuldsvermutung.