Mit kräftiger Unterstützung durch den Förderkreis Museum Biberach ist der Ankauf eines kostbaren Gemäldes des bedeutenden Barockmalers Johann Heinrich Schönfeld, gebürtig aus Biberach, gelungen. Es handelt sich um das Ölgemälde „Hochzeit zu Kana“ aus der Zeit um 1670. Es zeigt die gleichnamige Wundererzählung aus der Bibel, bei der Jesus Wasser zu Wein verwandelt.

Neu dürfte das Bild für den kundigen Museumsbesucher nicht sein. Denn bereits seit 1999 befindet sich das repräsentative, großformatige Gemälde des von 1609 bis 1684 lebenden Malers als Leihgabe im Museum Biberach. In der Ausstellungsabteilung „Kunst 17.-19. Jahrhundert“ bildet es zusammen mit dem juwelenbesetzten Blumenkorb von Johann Melchior Dinglinger seit 2002 das prachtvolle Entree zur außergewöhnlich reichhaltigen historischen Kunstsammlung des Biberacher Museums.

Ursprünglich eine Leihgabe

Auf welch abenteuerliche Weise das Bild seinerzeit nach Biberach kam, daran erinnert sich Museumsleiter Frank Brunecker noch ganz genau. Bei einem Münchner Kunstsammler hatten der stellvertretende Museumsleiter Uwe Degreif und er das Gemälde aufgetan. Sie konnten ihn überzeugen, das Bild als Leihgabe dem Museum in Schönfelds Geburtsstadt Biberach zu überlassen. „Wir haben es in Decken eingewickelt, in Uwe Degreifs VW Golf den Rücksitz umgeklappt und es so von München nach Biberach transportiert“, erzählt Brunecker. In Biberach wurde das Bild gereinigt und neu gerahmt und war seither einer der Blickfänge der Ausstellungsabteilung im ersten Stock.

Wir haben es in Decken eingewickelt, in Uwe Degreifs VW Golf den Rücksitz umgeklappt und es so von München nach Biberach transportiert.

Frank Brunecker, Museumsleiter

Urplötzlich schien dieser Zustand allerdings im Laufe dieses Jahres bedroht, als die Leihgeber-Familie aus München die Museumsleitung in diesem Sommer in Kenntnis setzte, das Gemälde verkaufen zu wollen. Aus dem renommierten Auktionshauses Dorotheum in Wien lag bereits ein Angebot vor. In Biberach setzte daraufhin rege Betriebsamkeit ein. „Wir wollten das Gemälde natürlich hier behalten“, so Brunecker. „Wir hätten es nicht annähernd durch ein gleichwertiges Werk an dieser prominenten Stelle unserer Ausstellung ersetzen können. Das wäre ein schlimmer Verlust gewesen.“

Seit 1999 befindet sich die „Hochzeit zu Kana“ in Biberach.Bild vergrößern

Seit 1999 befindet sich die „Hochzeit zu Kana“ in Biberach. (Foto: Gerd Mägerle)

Mit der Rückendeckung durch den Förderkreis Museum Biberach gelang es dem Museumsleiter schließlich, ein Gegenangebot unterbreiten. Glücklicherweise stimmte die Familie Steinle aus München zu. Denn auch Christine Steinle, der Frau des inzwischen verstorbenen Kunstsammlers, sowie ihren Söhnen Philipp und Simon war sehr daran gelegen, dass dieses besonders schöne Schönfeld-Gemälde dauerhaft im Biberacher Museum bleibt. Dies betonte sie bei ihrem Besuch in Biberach kurz vor Jahresende. Den Kaufpreis bezifferte Brunecker bei diesem Anlass auf 60.000 Euro.

Spannend auch: Das Gemälde gibt es zweimal, wobei das Biberacher Werk das unbekanntere ist. Das bekannte Schönfeld-Gemälde der „Hochzeit zu Kana“ hängt in der Eremitage im russischen St. Petersburg. „Wir wollten es vor Jahren einmal ausleihen, um es neben das Biberacher Gemälde zu hängen, um eine sogenannte Händescheidung zu machen“, erläuterte Degreif. Aus Kostengründen kam das jedoch nicht zustande.

Die feinen Strukturen der Gewänder hat Johann Heinrich Schönfeld selbst gemalt, ist Uwe Degreif überzeugt.Bild vergrößern

Die feinen Strukturen der Gewänder hat Johann Heinrich Schönfeld selbst gemalt, ist Uwe Degreif überzeugt. (Foto: Gerd Mägerle)

Unter Händescheidung versteht man in der Kunst den Prozess, bei dem geklärt wird, ob oder wie viel eines Werks tatsächlich von einem bestimmten Künstler stammt. „Wir gehen davon aus, dass Schönfeld an diesem Werk gearbeitet hat“, sagt Degreif. Vor allem an den Stellen, an denen das Licht am hellsten ist, und auf die die Augen des Betrachters zuerst fallen, habe er selbst gemalt. Degreif verweist auf die feine Darstellung eines Brokatstoffs und auf Speisen im Vordergrund des Gemäldes.

„Freuen uns, dass dieser Schatz in Biberach bleiben darf“

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Andere Bereiche des Bildes, wie der eher sackartige Vorhang in der Mitte, seien von Gesellen und Gehilfen aus Schönfelds damaliger Werkstatt in Augsburg gemalt worden. „Das war in der damaligen Zeit ein normales Vorgehen. Kein Meister hat ein großformatiges Altarbild komplett selbst gemalt. Da waren überall ihre Werkstätten mit im Spiel“, so Degreif.

Dass es von der „Hochzeit zu Kana“ ein zweites Gemälde von Schönfeld gibt, sei in der Literatur lange nicht bekannt gewesen. Kunststammler Steinle aus München kaufte es seinerzeit aus italienischem Privatbesitz. Vermittelt hatte dies der aus Biberach stammende Maler und Kunstsammler Michael Lesehr. „Wir freuen uns, dass dieser Schatz in Biberach bleiben darf“, meinte Oberbürgermeister Norbert Zeidler. Er dankte zusammen mit der zuständigen Dezernentin Verena Fürgut besonders auch dem Förderkreis Museum für seinen Einsatz.