ISW-Analyse
Neue Taktik lässt Putins Armee schneller vorrücken
04.01.2026 – 00:08 UhrLesedauer: 2 Min.
Russische Soldaten bei Lyman: Eine neue Taktik dürfte für mehr Geländegewinne im Angriffskrieg gegen die Ukraine verantwortlich sein. (Archivbild) (Quelle: IMAGO/Sergey Bobylev/imago)
Russland hat 2025 mehr Gebiet in der Ukraine erobert als im Vorjahr. Das kann auch an einer neuen Taktik liegen.
Russische Truppen haben im vergangenen Jahr ihr Vorrücken in der Ukraine ausgebaut und die größten Geländegewinne seit 2022 gemacht. Das berichtet das Institut für Kriegsstudien (ISW) in seinem Lagebericht. Demnach hat Russland im vergangenen Jahr 4.831 Quadratkilometer erobert und 473 Quadratkilometer in Kursk zurückerobert, die zuvor von der Ukraine besetzt waren.
Pro Tag hätten die Angreifer im Durchschnitt etwas mehr als 13 Quadratkilometer eingenommen, mehr als im Vorjahr. Im Jahr 2024 hatten die russischen Truppen laut Institut 3.604 Quadratkilometer eingenommen. Beim Vorrücken seien 2025 nach ukrainischen Angaben 416.570 russische Soldaten gestorben, die Zahlen lassen sich aber nicht unabhängig überprüfen.
Nach Analysen des ISW hat Russland die Gewinne vor allem durch Veränderungen seiner operativen Strategien erreicht. Demnach habe man großflächige Luftangriffe mit Infiltrationsmissionen und Angriffen kleiner Gruppen kombiniert. Zuvor waren Angriffe in großen Verbänden durchgeführt worden, die aber leichter entdeckt werden konnten.
Das neue Vorgehen habe die russischen Vorstöße in Richtung der ukrainischen Städte Pokrowsk, Oleksandriwka und Huljajpole im Herbst 2025 ermöglicht. Auch bei Drohnen-Einsätzen sei eine Veränderung zu sehen. So hätten russische Einheiten im frühen Frühling 2025 mit Drohnenangriffen die ukrainischen Bodenverbindungslinien unterbrochen. Im April und Mai 2025 begann das russische Militär laut ISW damit, seine Elite-Drohnenoperatoren entlang der gesamten Frontlinie zu stationieren.
Die russische Armee habe außerdem die Produktion von glasfasergebundenen Drohnen hochgefahren und deren Reichweite deutlich vergrößert. Die unbemannten Fluggeräte gelten als widerstandsfähiger gegen ukrainische elektronische Störmaßnahmen. Laut ISW wuchs die Einsatzdistanz von etwa sieben Kilometern im Frühjahr 2025 auf rund 20 Kilometer im Sommer 2025. Nach russischen Angaben sollen sie sogar 50 Kilometer weit reichen.
Die Drohnen übertragen ihre Signale über Glasfaserkabel und sind dadurch weniger anfällig für elektronische Gegenmaßnahmen. Dies soll es russischen Einheiten ermöglichen, Ziele aus größerer Entfernung anzugreifen.
Zusätzlich haben nach ISW-Analysen russische Kräfte sogenannte Trägerdrohnen eingeführt. Diese „Mutterschiffe“ können kleinere First-Person-View-Drohnen transportieren und deren Reichweite verlängern. Dadurch lassen sich Angriffe tiefer im rückwärtigen Raum durchführen.
Die neuen Systeme erhöhen laut Meldung die Reichweite russischer Drohnenschläge deutlich. Die Trägerdrohnen dienen dabei als Startplattformen für die kleineren Fluggeräte. Dies könnte den Einsatzradius russischer Drohnenverbände weiter ausdehnen.
